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Courtesy of Dimma Dabbous.
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Frauenrechte

Diese Frau kämpft an vorderster Front für die Rechte von Mädchen und Frauen im Libanon

Warum das wichtig ist:
Religiös motivierte Gesetze verstärken die Diskriminierung von Frauen auf der ganzen Welt. Du kannst dich hier mit uns für Frauenrechte und Gleichberechtigung einsetzen.

Dima Dabbous erwachte am 18. Oktober 2019 mit der Nachricht, dass ihr Heimatland “in Flammen” stehen würde. Seit dem Vortag waren im Libanon massenhaft Menschen auf die Straße gegangen, um gegen das Vorhaben der Regierung, den Nachrichtendienst Whatsapp zu besteuern, zu demonstrieren.

Dabbous leitet das Büro der Nichtregierungsorganisation Equality Now im Mittleren Osten und Nordafrika, die sich für den Schutz und die Förderung von Frauenrechten einsetzt. Zum Zeitpunkt der Unruhen kam sie gerade von einer Reise zurück in Beirut an, wo es weder Benzin an Tankstellen, noch Brot in den Supermärkten gab. Banken waren geschlossen, Geldautomaten spuckten kein Geld mehr aus. Sollte sich die ökonomische Lage weiterhin verschlechtern, könnten laut Weltbank bis zu 50 Prozent der Bevölkerung von akuter Armut betroffen sein.

Der Widerstand gegen die amtierende politische Elite, ausufernde Korruption, hohe Arbeitslosigkeit und unzureichende Sozialleistungen hält im Libanon seitdem an. Seit Premierminister Saad Hairi seinen Rücktritt angekündigt hat, verschlechtert sich die politische Lage des Landes stetig, während das Parlament handlungsunfähig bleibt.

Dabbous kämpft an vorderster Front für die Rechte von Mädchen und Frauen im Libanon, gegen die diskriminierende Gesetzgebung des Landes und für eine höhere Repräsentation von Frauen in der Politik. Im Oktober demonstrierte sie jeden Tag auf dem "Märtyrerplatz", einem historischen Versammlungsort im Zentrum Beiruts. Am libanesischen Nationalfeiertag, dem 22. November, nahm sie an der bisher größten Demonstration – der People’s Parade – teil. Der Festzug stellt ein Gegengewicht zu der von der Regierung abgehaltenen Militärparade dar.

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“Das war die eindrucksvollste und fröhlichste Feier zum Unabhängigkeitstag, die es je gab”, sagte Dabbous gegenüber Global Citizen. Die Menschen trommelten auf Pfannen und Töpfen für Frieden und Gerechtigkeit, erzählt sie.

Zudem waren über die Hälfte der Teilnehmer*innen und Zuschauer*innen des Festumzugs Frauen, darunter fast 35 Frauenrechtsgruppen, so Dabbous.

“Frauen sind unglaublich wichtig, um sicherzustellen, dass Proteste friedlich verlaufen und Demonstrierende geschützt werden”, sagt Dabbous.

Die Anwesenheit von Frauen hat bei den Demonstrationen schon oft dabei geholfen, das teilweise gewaltvolle Aufeinandertreffen zwischen männlichen Protestanten und der Polizei zu deeskalieren.

Equality Now - Dima Dabbous Lebanon protest 3.jpegDima Dabbous auf dem alternativen Festtagsumzug zum libanesischen Unabhägigkeitstag, 2019. Bild: Dima Dabbous.

Die Protestteilnehmer*innen kämpfen gegen eine Vielzahl patriarchaler Gesetze an. Denn trotz kürzlich durchgeführter Reformen bleibt die Diskriminierung von Frauen im Libanon ein großes Problem. Durch die Verflechtung von Religion und Politik ist die politische Macht im Libanon auf religiöse Gemeinden und 18 unterschiedliche religiöse Sekten aufgeteilt. Diese halten die Vollmacht inne, frauenfeindliche Gesetze erlassen zu können und dennoch von der Verfassung geschützt zu sein.

Einige dieser Gesetze ermöglichen beispielsweise die Durchführung von Kinderehen, oder führen dazu, dass Kinder mit ausländischen Vätern keine Staatsangehörigkeit erhalten, wodurch es Frauen erschwert wird, sich von ihren Männern zu trennen – vor allem wenn sie versuchen, sich aus einer gewaltvollen Ehe zu befreien. Außerdem ist es laut Equality Now für Frauen fast unmöglich, bei einer Trennung das Sorgerecht für ihre Kinder zu erhalten.

Das Argument, die aktuelle Verfassung sei notwendig, um die Stabilität des Landes zu garantieren und einen Bürgerkrieg zu verhindern, würde laut Equality Now jegliche Reformen bezüglich diskriminierender Gesetze gegen Frauen blockieren.

Dabbous, die 16 Jahre Bürgerkrieg miterlebt hat, möchte nicht dabei zusehen, wie ihr Heimatland Rückschritte macht. Die positive Energie der jungen Menschen, die die Menschenrechtsbewegung vorantreiben, gibt ihr Kraft.

“Ich bin zuversichtlich, dass die Dinge wieder besser werden”, sagt sie.