Warum das wichtig ist
Sind die Menschen Krankheiten ausgesetzt und haben keinen Zugang zu ausreichender Gesundheitsversorgung, schadet das der gesamten Gesellschaft in der sie leben. Insbesondere in einkommensschwachen Ländern bremst dies den wirtschaftlichen Fortschritt. Ziel 3 der Global Goals der Vereinten Nationen (UN) ist es, ein gesundes Leben für alle Menschen zu gewährleisten. Schließ dich uns an und werde hier aktiv, um vermeidbare Krankheiten zu bekämpfen.

Quizfrage: Was hindert Kinder daran, zur Schule zu gehen? Du denkst jetzt vielleicht an die Kosten für Schulbücher, Stifte und Uniform. An Lehrkräftemangel oder einen weiten oder gefährlichen Schulweg.  

All das sind Gründe, keine Frage. Doch was die wenigsten wissen: Viel zu viele Kinder in Ländern mit geringem Einkommen gehen nicht in die Schule, weil sie krank sind.

Sie leiden etwa an Elephantiasis, Flussblindheit, Trachom, Bilharziose oder sind von einem Parasiten namens Geohelminthen befallen.

Noch nie gehört? Kein Wunder. Schließlich ist all das – zumindest geografisch gesehen – weit weg. Es sind die “Big Five” der sogenannten vernachlässigten tropischen Krankheiten (engl.: Neglected Tropical Diseases, kurz: NTDs). Wie der Name erahnen lässt, treten NTDs dort auf, wo das Wetter tropisch ist – etwa in Subsahara-Afrika und Südamerika.

Die “Big Five” machen 90 Prozent aller Erkrankungen unter den NTDs aus und führen unbehandelt zu lebenslangen Behinderungen.  

Was sind NTDs?
NTD steht für Neglected Tropical Diseases. Auf Deutsch: Vernachlässigte tropische Krankheiten oder vernachlässigte Infektionskrankheiten. NTDs sind eine uneinheitliche Gruppe von insgesamt 20 Krankheiten.
Was wird getan, um NTDs auszurotten?
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Vereinten Nationen (UN) werben dafür, NTDs drastisch einzudämmen. Die WHO wollte bis 2020 zehn der NTDs ausrotten. Nicht zuletzt durch die COVID-19-Pandemie wurde sie in diesem Ziel deutlich zurückgeworfen. Die UN hat die Verbesserung globaler Gesundheit als Ziel 3 der 17 nachhaltigen Entwicklungsziele definiert. 
Was tut die Politik dafür, dieses Ziel zu erreichen?
Lange waren die USA und Großbritannien die größten staatlichen Geldgeber und könnten es unter Präsident Biden wieder werden. Die deutsche Bundesregierung wurde lange dafür kritisiert, schwammige Formulierungen zu wählen und nicht klar zu benennen, was sie im Kampf gegen NTDs tun.
Wer hilft noch?
Die meisten Gelder kommen derzeit aus dem Privatsektor. Die Bill and Melinda Gates Foundation etwa gehört zu den wichtigsten Geldgebern für Gesundheitsprojekte. Auch Medikamentenhersteller haben Spenden zugesagt – insgesamt im Wert von 19 Milliarden US-Dollar von 2012 bis 2020.

Die Krankheiten Trachom und Flussblindheit zum Beispiel lassen die Betroffenen unter anderem erblinden. Elephantiasis ist weltweit die zweithäufigste Ursache für Langzeitbehinderungen: Erkrankte Patient*innen leiden über Jahre hinweg an überdimensional stark angeschwollenen Gliedmaßen. Mehr als 120 Millionen Menschen sind von der Infektionskrankheit betroffen. Bilharziose und die Darmwürmer Geohelminthen führen zu Blutarmut und letztendlich dazu, dass Kinder leistungsschwächer sind und sich nicht richtig entwickeln. Bei Frauen führt die Krankheit häufig zu lebensbedrohlichen Komplikationen bei der Geburt.

NTDs gelten vielfach als Indikator für vernachlässigte Gesellschaften. Denn wo NTDs auftreten, fehlt es den betroffenen Menschen meist an sauberem Trinkwasser, medizinischer Versorgung und gesunder Ernährung.

Zwar wurden in den vergangenen Jahrzehnten bei der Bekämpfung von NTDs einige Fortschritte erzielt, doch noch lassen sich die Krankheiten in allen Ländern mit geringem Einkommen finden: Insgesamt sind rund zwei Milliarden Menschen in 149 Ländern von NTDs bedroht. Und jährlich sterben eine halbe Million Menschen direkt oder indirekt daran.

Dabei ist Gesundheit sowohl Voraussetzung als auch das Ziel nachhaltiger Entwicklung. Das gilt für Kinder, Erwachsene und am Ende für ganze Volkswirtschaften. Deshalb ist die Verbesserung der Gesundheit eine der wichtigsten Aufgaben in der Entwicklungszusammenarbeit.

Deutschland hat die Ausgaben der Entwicklungsgelder für den Gesundheitssektor in den vergangenen Jahren immer weiter gesteigert – auf derzeit rund 750 Millionen Euro im Jahr.

Statt einzelne Programme zu finanzieren, die sich nur auf die Bekämpfung von NTDs fokussieren, verfolgt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit seit einigen Jahren einen umfassenden Ansatz: Sie stärkt vermehrt die Gesundheitssysteme in einkommensschwachen Ländern, damit auch ärmere Menschen Zugang zu qualitativ hochwertiger Gesundheitsversorgung haben. Zudem sollen vor allem Labore aus- und aufgebaut werden – denn Forschung ist das A und O für die Bekämpfung von NTDs.

Die tropischen Krankheiten zu behandeln und bestenfalls auszurotten, würde die Entwicklung ganzer Länder entscheidend voranbringen – und dazu führen, dass mehr Kinder gesund aufwachsen und zur Schule gehen können.

Editorial

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Ein Beitrag von Jana Sepehr