Warum das wichtig ist:
Das Coronavirus kennt keine Grenzen, keine Nation, keine Hautfarbe – es kann jede*n treffen. Doch manche sind einem größeren Risiko ausgesetzt, an dem Virus zu erkranken oder gar zu sterben: Menschen, die in Armut leben oder keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung haben trifft es am härtesten. Ein Grund dafür ist die systemische Ausgrenzung sozialer Minderheiten. Nur wenn wir Ungleichheiten abbauen, können wir diese Pandemie besiegen. Nutze deine Stimme für eine gesunde Welt und werde hier mit uns aktiv.

Am 21. März veröffentlicht der 50-jährige Busfahrer Jason Hargrove aus Detroit, Michigan, ein Facebook-Video, das bereits wenige Stunden später viral ging. In dem Video kommentiert er das Verhalten einer Passagierin, die mehrmals hustete, ohne sich die Hand vor den Mund zu halten. Hargrove zeigt sich sichtlich bestürzt über das fehlende Bewusstsein jener Frau und appelliert an die Öffentlichkeit, das Coronavirus ernst zu nehmen. Wenige Tage später stirbt der sechsfache Familienvater an COVID-19.

Dieser Vorfall hat die Debatte darüber, wen das Coronavirus besonders stark trifft, neu entfacht. Denn Hargrove war schwarz. Sein Tod ist für viele kein Zufall, sondern ein Ausdruck von systemischem Rassismus. Denn so wie Hargrove sind es vor allem People of Colour und andere soziale Minderheiten, die überproportional häufig an COVID-19 erkranken und sterben.

USA: Wenn die Postleitzahl über die eigene Gesundheit entscheidet

Diese Ungleichheit an Todes- und Infektionsraten unter unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen zeigen sich derzeit besonders deutlich in den USA. Etwa in Michigan sind 40 Prozent der Todesopfer schwarz, obwohl sie nur rund 14 Prozent der Gesamtbevölkerung des Bundesstaats ausmachen. Ein Blick nach Chicago verrät, dass dies kein Einzelfall ist: 70 Prozent der Infizierten sind Schwarze, obwohl sie nur 30 Prozent der Bevölkerung ausmachen.

Diese Liste ließe sich noch um um viele weitere US-amerikanische Städte und Staaten fortsetzen. Ein Grund für diese Ungleichheit besteht darin, dass Schwarze und andere soziale Minderheiten in den USA einen großen Anteil des öffentlichen Dienstleistungssektor stemmen. So wie der verstorbene Jason Hargrove können viele von ihnen den Kontakt zu anderen Menschen kaum vermeiden und sich dabei oft nicht angemessen gegen das Virus schützen.

Ein weiteres Problem ist der ungleiche Zugang zur Gesundheitsversorgung. So leben viele Schwarze in unterversorgten Nachbarschaften oder haben keine Krankenversicherung. Da viele von ihnen in armen Verhältnissen leben, sind gesunde Lebensmittel oft nicht zugänglich. Das setzt sie einem höheren Risiko für Mangelernährung und Krankheiten wie Diabetes, Herzerkrankungen und Fettleibigkeit aus. Diese Faktoren verstärken ihre Schutzbedürftigkeit gegenüber dem Coronavirus zusätzlich.          

Ungleichheiten in der Gesundheitsversorgung weltweit

Ungleichheiten wie diese zeigen sich aber auch außerhalb der USA. Das berichtet etwa Michelle Bachelet, Hohe Kommissarin für Menschenrechte der Vereinten Nationen (UN) und ehemalige Präsidentin Chiles, in einer Pressemitteilung.

“Die Daten zeigen uns die verheerenden Auswirkungen von COVID-19 auf Menschen mit afrikanischer Herkunft sowie auf ethnische Minderheiten in einigen Ländern, darunter Brasilien, Frankreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten", so Bachelet. "Wir gehen davon aus, dass ähnliche Muster auch in anderen Ländern auftreten, genau können wir dies allerdings nicht sagen, da die Daten bezüglich der ethnischen Herkunft oft nicht gesammelt oder gemeldet werden", sagt sie.

In Sao Paulo, Brasilien, ist die Wahrscheinlichkeit für Schwarze, an COVID-19 zu sterben, um 62 Prozent höher als für Weiße. In dem Pariser Département Seine Saint-Denis, Frankreich, wurde ebenfalls eine hohe Sterberate verzeichnet. Das Département hat einen der höchsten Anteile an Migrant*innen in ganz Frankreich. In England und Wales ist die Todesrate unter schwarzen, pakistanischen und bangladeschischen Bevölkerungsgruppen fast doppelt so hoch wie unter weißen Menschen.

George Floyds Tod hebt Ungleichheiten in mehreren Bereichen hervor

"Die verheerenden Auswirkungen von COVID-19 auf ethnische Minderheiten werden derzeit viel diskutiert, weniger klar ist wiederum, wie viel dagegen unternommen wird", so Bachelet weiter. “Dieses Virus legt vorherrschende Ungleichheiten offen, die zu lange ignoriert wurden. In den Vereinigten Staaten heben die Proteste, die durch die Ermordung von George Floyd ausgelöst wurden, nicht nur die Polizeigewalt gegen Schwarze hervor, sondern auch Ungleichheiten in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Beschäftigung und den vorherrschenden Rassismus.”

Um diese Ungleichheiten abzubauen, müssten Staaten dringend Maßnahmen ergreifen, wie Gesundheitsmonitoring und Tests priorisieren, den Zugang zum Gesundheitswesen verbessern und gezielter Informationen für unterversorgte Gemeinden bereitstellen, so Bachelet.

Um COVID-19 zu besiegen, müssen Ungleichheiten abgebaut werden

Seit Ausbruch des Coronaviruses machen sich immer mehr Menschen für den Abbau von Rassismus und Diskriminierung in der Gesundheitsversorgung stark, darunter auch viele führende Politiker*innen und bekannte Persönlichkeiten wie Sängerin Beyoncé Knowles-Carter. In ihrem Beitrag bei dem virtuellen Global Citizen Event One World: Together At Home richtete sie ihren Dank an all diejenigen, die derzeit an vorderster Front gegen das Coronavirus im Einsatz sind.

“An die Ärzt*innen, Krankenpfleger*innen und anderen Beschäftigten im Gesundheitswesen, die von ihren Familien getrennt sind, während sie unsere versorgen: Wir beten weiterhin für eure Sicherheit", so Knowles-Carter. "Denjenigen in der Lebensmittelindustrie, im Zustellungsservice, Postbot*innen und Angestellten im Sanitärbereich, die weiterhin arbeiten, damit wir sicher zu Hause bleiben können, danken wir für ihren selbstlosen Dienst.”

Zudem betont Knowles-Carter den hohen Anteil von Afroamerikaner*innen in diesen Bereichen und weist auf die große Ungleichheit der Gesundheitsversorgung in ihrer Heimatstadt Houston, Texas, hin. "Dieses Virus tötet Schwarze zu einem alarmierend hohen Anteil hier in Amerika. (...) Bitte schützt euch. Wir sind eine Familie und wir brauchen euch. Wir brauchen eure Stimmen, eure Fähigkeiten und eure Stärke überall auf dieser Welt”, so Knowles-Carter.

Nutze deine Stimme für eine gesunde Welt

Um sicherzustellen, dass sich alle Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihrem Wohnort, ihrem Job und ihren finanziellen Mitteln vor COVID-19 schützen können, hat Global Citizen unter der Schirmherrschaft der Europäischen Kommission die Kampagne Global Goal: Unite For Our Future ins Leben gerufen.

Gemeinsam mit Global Citizens und Künstler*innen weltweit fordern wir Entscheidungsträger*innen dazu auf, finanzielle Zusagen für die Entwicklung von Behandlungsmethoden und Präventionsmaßnahmen von COVID-19 zu machen und den Zugang zu diesen für alle Menschen überall auf der Welt zu garantieren. Ihren Höhepunkt findet die Kampagne bei der internationalen Geberkonferenz am 27. Juni. Damit diese Forderungen Wirklichkeit werden, brauchen wir dich. Nutze deine Stimme für eine gesunde Welt und werde hier mit uns aktiv.

Editorial

Armut beenden

Warum der Kampf gegen COVID-19 und Rassismus nur gemeinsam gewonnen werden kann

Ein Beitrag von Pia Gralki