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Jemen, Syrien, Venezuela: So ist die Lage in Krisenregionen, die wir trotz Corona nicht vergessen dürfen

Warum das wichtig ist
Es scheint, als würde die ganze Welt gerade nur an der Bekämpfung des Coronavirus arbeiten. Dabei verlieren wir manchmal den Blick dafür, dass es in einigen Ländern zusätzlich ähnlich drängende Krisen gibt. Menschen befinden sich in Notsituationen – , mitunter sind sie größer als zuvor. Sie sind darauf angewiesen, dass wir für die Erreichung der Global Goals und damit für Frieden, Gerechtigkeit und gegen extreme Armut kämpfen.Werde hier mit uns zu den 17 Zielen bis 2030 aktiv!
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1. Jemen

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Schon seit 2015 ist die Lage im Jemen katastrophal. Die Konflikte zwischen regierungstreuen Gruppen und der militärischen Huthi-Bewegung sind 2020 in den Gouverneraten Jawf und Marib eskaliert. Zwar gibt es immer wieder lokale Waffenstillstände, doch in den letzten beiden Jahren sah es nicht danach aus, als sei eine politische Lösung der Krise in Sicht.

Zu einem Mehrfrontenkrieg kommt nun noch die Pandemie. Etwa 80 Prozent der 29 Millionen Jemenit*innen sind laut rescue.org auf humanitäre Hilfe angewiesen. 20,5 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser und Sanitäranlagen und 53,2 Prozent der Kinder sind unterernährt. “Nie zuvor haben die Jemenit*innen so wenig Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft erhalten - oder waren mit so vielen Herausforderungen gleichzeitig konfrontiert”, zitiert rescue.org Abeer Fowzi, die stellvertretenden Ernährungskoordinatorin des International Rescue Committee. Das UN Welternährungsprogramm hat nun sogar vor einer Hungersnot in Jemen im Jahr 2021 gewarnt.

2. Syrien

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Zwar soll es 2020 weniger Tote im Syrien-Krieg gegeben haben als im Vorjahr, doch nach wie vor kommt es zu Raketenangriffen und Anschlägen. Zudem leben eine Million Geflüchtete in überfüllten Camps an der Grenze zur Türkei unter menschenunwürdigen Bedingungen. Sie leiden unter Kälte, starken Regenfällen, Hunger und nun der Pandemie. Das erklärte Konstantin Witschel von der Welthungerhilfe in einem Interview mit dem ZDF

Die Welthungerhilfe und andere Organisationen versuchen, die Menschen mit Nahrung und Wohncontainern zu unterstützen. Doch die Hilfe reicht nicht aus. Einige Menschen müssen betteln oder suchen sich verdorbenes Essen aus Mülltonnen. “Ein weiterer Ausdruck der absoluten Verzweiflung: Es kommt nun vermehrt zu Früh- und Zwangsverheiratung von Kindern, weil Familien nicht mehr wissen, wie sie alle Kinder versorgen sollen”, sagt Witschel.

3. Venezuela

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Seit Nicolás Maduros Wahlsieg im Jahr 2015 hat sich Venezuela zunehmend zu einer Autokratie entwickelt. Demokratische und rechtsstaatliche Prinzipien wurden zum Großteil abgeschafft. So kam es zu politischer Verfolgung und Unterdrückung, politisch motivierten Festnahmen von Zivilisten und Militärs. Auch Folter und Hinrichtungen kommen häufig vor.


Die Wirtschaft leidet ebenfalls unter der politischen Krise. Das Land hat die größten Erdölreserven der Welt. Dennoch können sich 79,3 Prozent der Menschen den Basiskorb notwendiger Lebensmittel nicht mehr leisten. 96 Prozent der Menschen leben in Armut, 79 Prozent der Menschen in extremer Armut. Schätzungsweise sind 30 Prozent der Kinder unter fünf Jahren chronisch unterernährt.
Eine Lösung der Krise ist nicht in Sicht. Im Dezember 2020 fanden Parlamentswahlen statt, doch aufgrund von Manipulation und Wahlbetrug erkennen etwa die USA nicht Nicolás Maduro, sondern Oppositionsführer Juan Guaidó als legitimen Interimspräsidenten an. Venezuelas Oberster Gerichtshof hat eine Mandatsverlängerung des von der Opposition kontrollierten Parlaments aber für ungültig erklärt. 

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4. Türkei 

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Seit dem Verfassungsreferendum hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan deutlich an Macht gewonnen. Das hat den Institutionen des Systems und der Wirtschaft stark geschadet. 2020 hat die Lira gegenüber dem Dollar 30 Prozent verloren und damit mehr als alle anderen größeren Schwellenländer. Der Trend bewegt sich bereits seit 2016 in diesem Tempo. Der Präsident gibt zu hohen Leitzinsen der Zentralbank die Schuld daran. Doch in Wahrheit hält diese den Leitzins aus Furcht vor Erdoğan seit langem niedrig.

Die Bevölkerung leidet unter dieser Währungskrise. Laut einer Erhebung der Birleşik Kamu-Iş Konfederasyonu, einer Gewerkschaftskonföderation der öffentlichen Angestellten, aus dem Jahr 2020 ist der Preis für einen Warenkorb aus 77 typischen Lebensmitteln um 32 Prozent gestiegen. Gemüse kostet inzwischen sogar um fast 50 Prozent mehr. Der Mindestlohn von 2.324 Lira im Monat entsprach Anfang 2020 noch 350 Euro, im November waren es weniger als 240 Euro.   

5. Rohingya-Krise

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Mehr als eine Million Angehörige der ethnischen und religiösen Minderheit Rohingya flohen seit Ende August 2017 vor Gewalt aus Myanmar. Die meisten Menschen erreichten das benachbarte Bangladesch in den darauffolgenden drei Monaten. Es handelt sich dabei also um eine der größten und schnellsten Fluchtbewegungen der letzten Jahrzehnte. In der Siedlung Kutupalong entstand das größte Flüchtlingscamp der Welt. Die Bedingungen sind aufgrund des Monsun, Überschwemmungen und Erdrutschen extrem schwierig. “Alleine kann Bangladesch aber die Herausforderungen nicht meistern und braucht jetzt verstärkt internationale Unterstützung. Wir dürfen die Rohingya nicht vergessen. Nach drei Jahren Vertreibung ist die Zukunft der Rohingya weiterhin offen, an eine baldige Rückkehr nach Myanmar ist nicht zu denken”, sagte Peter Ruhenstroth-Bauer, Geschäftsführer der UNO-Flüchtlingshilfe

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Die sogenannte Repatriierung nach Myanmar ist Expert*innen zufolge aufgrund der Sicherheitslage keine Option. Bangladesch hat die Geflüchteten nun auf eine 40 Quadratkilometer große Insel gebracht. Laut Erfahrungsberichten werden sie geschlagen und bedroht, wenn sie sich vor dem Umzug weigern. Zudem sollten auch auf der Insel katastrophale Lebensbedingungen herrschen. Regelmäßig kommt es zu Überflutungen.  

6. Ebola-Pandemie 

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Bei einer Krise gibt es tatsächlich gute Nachrichten: Am 18.11.2010 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Ebolafieber-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo für beendet erklärt. Die Krankheit kursiert seit 2018 in Bergwäldern und -dörfern im Ostkongo. 2287 Menschen sind bislang gestorben. Seit der Entdeckung des Virus im Jahr 1976 gab es bereits elf Ausbrüche im Kongo. 

Eine große Rolle bei der Bekämpfung von Ebola spielen neue Medikamente, die einen tödlichen Verlauf in den meisten Fällen verhindern. Auch ein offenbar hochgradig wirksamer Impfstoff, den mehr als 100.000 Menschen erhielten, half dabei, die weitere Ausbreitung zu verhindern.