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Bildung

Italien: Flüchtlingskinder in Schule gezwungen, separate Toilette zu nutzen

Children from the Central African Republic in the 2014 photo at Primary School 1 in UNHCR Mole Refugee Camp, Democratic Republic of the Congo
UNHCR

Zwei Flüchtlingskinder im Alter von 9 und 11 Jahren müssen in ihrer Grundschule in Italien separate Toiletten benutzen, weil die Eltern ihrer Mitschüler Angst vor 'ansteckenden Krankheiten' haben.    

Die Kinder stammen aus Ägypten und Äthiopien und kamen als Flüchtlinge auf der italienischen Insel Sardinien an. Man geht davon aus, dass ihre Eltern bei der gefährlichen Überfahrt auf dem Mittelmeer umkamen. Die beiden Kinder sind seit dem bei Betreuern untergekommen, die sich darum bemüht hatten, beiden so schnell wie möglich einen Schulplatz zu besorgen.  

Doch kaum eingeschult, beklagten sich mehrere Eltern der Mitschüler bei der Schulverwaltung, weil sie Angst um die Gesundheit ihrer eigenen Kinder hatten. Sie forderten, dass die Flüchtlingskinder eine separate Toilette benutzten sollen. Die Schule versicherte den Eltern zwar, dass beide Kinder untersucht wurden und kerngesund sind. Trotzdem protestierten die Eltern und drohten damit, ihre Kinder von der Schule zu nehmen.

Laut einem Bericht auf der Webseite des Nachrichtendienstes RT hat die Schule den Forderungen der Eltern tatsächlich nachgegeben und die beiden Kinder angewiesen, eine separate Toilette zu nutzen. 

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Die Meinung der Öffentlichkeit gegenüber Flüchtlingen und Muslimen in Italien ist stark gespalten. Hilfsorganisationen und -aktionen stoßen daher nicht immer auf offene Ohren. In vielen Gemeinden trifft man auf großen Widerstand und offenen Fremdenhass.

Zum Glück zeigen einige an der Schule jedoch eine humane und gesunde Einstellung gegenüber den neuen Schülern: „Mein Vater hat gesagt, ich soll mich von den beiden Flüchtlingskindern fernhalten. Er hat gesagt, sie könnten schlimme Krankheiten haben”, sagte ein Schüler gegenüber der italienischen Zeitung La Stampa. „Ich finde die beiden aber sehr nett. Sie sprechen noch kein italienisch, aber wir verständigen uns mit Händen und Füßen und sie lachen die ganze Zeit.”

Eine Lehrerin meinte über diesen Vorfall: „Das hat dem Ruf der Schule sehr geschadet. Rassismus ist wie eine ansteckende Krankheit, die sich schnell verbreiten kann. Wir werden alles dafür tun, dass unsere Schüler sich nicht auch mit dieser Krankheit anstecken.”

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Die Kapitulation der Schule aufgrund des Wunsches so vieler Eltern setzt ein beunruhigendes Zeichen. 

Erst letzte Woche wurde in Ungarn ein Referendum zu der Frage abgehalten, ob das Volk einer gleichmäßigen Verteilung von Flüchtlingen auf alle EU-Mitgliedsstaaten zustimmen würde oder ablehnt. 98% der Wähler stimmten gegen eine gleichmäßige Verteilung. Allerdings lockte Premierminister Viktor Orbán nicht genügend Wähler an die Urnen, so dass sein Referendum letztendlich scheiterte.

Auch Italien schreckt vor einer Flüchtlingsquote für jedes EU-Land zurück. Dabei ist es - neben Griechenland - eines der ersten Länder, in dem die meisten Flüchtlinge ankommen, die die Flucht über das Mittelmeer antreten.

Weder Italien noch Griechenland sollten mit der Aufgabe, Flüchtlinge zu unterstützen, allein gelassen werden. Alle Länder sollten für eine gemeinsame Zukunft und für eine gemeinsame Lösung kämpfen und effektive Maßnahmen finden, um die größte Flüchtlingsbewegung seit dem Zweiten Weltkrieg angemessen zu bewältigen.