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Auf 1000e Arten sozial aktiv sein: das ist der Hamburger Clubkinder-Verein

Zwei beste Freunde und eine Idee: Durch coole Veranstaltungen und mit kreativen Konzepten Spenden für den guten Zweck sammeln. 2011 gründeten sie den gemeinnützigen Verein Clubkinder e.V. und starteten mit einem großen Festival durch - mit Erfolg! Dank verschiedener Events an über 70 Locations kamen mehr als 10.000 Euro Spendengelder für die Stiftung 'Mittagskinder' zusammen.

Und an diesem Prinzip halten sie seit dem fest: Rund 50 Clubkinder-Events gibt es im Jahr – von Konzerten über Tagebuchlesungen bis zu Laternenumzügen. Der Erlös geht immer an soziale Projekte und Organisationen in Hamburg.

Global Citizen hat einen der Gründer, Jannes Vahl, getroffen und mit ihm ein Interview geführt.

Global Citizen: Ihr habt eine Gruppe Namens “Nacktes und Illegales”, sammelt Spenden für “Alte und Coole” und feiert in eurem Spendenclub auf der Hamburger Reeperbahn “Unterm Strich” Parties für den guten Zweck. Man könnte meinen, ihr treibt jede Menge Schabernack.  Welche Absichten haben die Clubkinder?

Wir wollen zeigen, dass man mit kreativen und modernen Ideen junge Leute für ehrenamtliches Engagement begeistern kann. Denn um etwas Gutes zu tun, muss man kein Öko sein oder irgendeine eingestaubte Kampagne fahren. Man braucht einfach nur coole Themen und muss Orte wählen, an die junge Menschen gerne gehen. Mittlerweile sind wir eine große Familie mit einem Netz aus rund 800 ehrenamtlichen Helfern. Aber nicht alle sind ständig im Einsatz: Der eine will vielleicht nur Parties mitorganisieren, der nächste nur Senioren helfen. Das ist vollkommen legitim und sogar gewünscht. Jeder soll machen, worauf er Bock hat. Das oberste Ziel ist einfach: Spaß haben und gleichzeitig etwas Gutes tun.

Global Citizen: Wie kamt ihr auf diese Idee?

Das ist eine romantische und absurde Geschichte: In der Nacht meines Abiballs lernte ich Joko kennen. Wir sind uns vorher noch nie begegnet – trotz gleichen Alters, gleichen Freunden, gleicher Hobbies und der Liebe zu guter Musik. In der Nacht haben wir uns auf der Tanzfläche zu „Rage against the Maschine“ umgepogt, wieder aufgeholfen, und ganz viel Bier getrunken. So lange, bis uns die Idee kam, zusammen einen ehrenamtlichen Verein zu gründen. Damals entstand das Grundgerüst der Clubkinder wie es sie heute gibt.

Vor sechs Jahren habt ihr das Ganze dann in die Tat umgesetzt. Warum brauchte es elf Jahre Vorbereitungszeit, um einen Verein zu gründen?

Wir hatten den Deal geschlossen, erst einmal in eine große Stadt zu ziehen und ganz viel Wissen anzuhäufen. Joko ging damals nach Berlin, ich nach Hamburg. Ich habe eine Ausbildung in einer Werbeagentur gemacht, Joko hat 66 Semester erfolglos Musik studiert, wie er selbst sagt (lacht) und danach mehrere Verlage geleitet. Dann haben wir unser ganzes gesammeltes Wissen und unsere Kontakte in einen großen Topf geworfen.

Du hast 5.000 Facebook Freunde: Ist ein großes Netzwerk das A und O?

Es hilft, die richtigen Leute zu kennen. Du brauchst Macher und Medienmenschen, Geldleute und Inhaber guter Restaurants und Bars. Mit dem Wissen und dem Netzwerk konnten wir ganz anders Spenden sammeln, als mit Blechbüchse und Ökopapier auf einem Wochenmarkt zu stehen und um Centbeträge zu betteln. Genau das war unser Ziel: Wir wollten richtig angreifen und viele neue Konzepte entwickeln.

Menschen stehen in Hamburg Schlange, wenn bei eurer “Tagebuchlesung” erwachsene Menschen aus ihrer Kindheit und Pubertät vorlesen. Ist die Veranstaltung euer bestes Pferd im Stall?

Durch die Tagebuchlesungen lernen uns viele junge Leute kennen. Da sitzen 21-Jährige im Publikum und kichern, bevor sie überhaupt verstehen, welche Absicht hinter dem Ganzen steht. Natürlich geht es auch um den Spaß, aber eben auch darum, auf diesem Wege Spenden zu sammeln. So hat jedes unserer Projekte seine Daseinsberechtigung. Aber es gibt definitiv andere, die mir mehr am Herzen liegen.

ck_verein_3.jpgFotocredit: Julia Schwendner / Clubkinder

Und zwar?

Zum Beispiel unser Welcome-Dinner. Damit sind wir 2015 gestartet, als die ‚Flüchtlingskrise’ absehbar war. Die Idee: 20 Locals und 20 Refugees essen gemeinsam zu Abend. Da entstehen Gespräche, manchmal auch Freundschaften. Der eine bringt Freikarten für den Zoo mit, der nächste hat ein Boxstudio und lädt dahin Flüchtlinge ein und wieder ein anderer ist ein Organisationstalent und will vielleicht in Zukunft bei einem Projekt helfen. Das Wesentliche ist, sich zu vernetzen und sich gegenseitig zu helfen, mit den Stärken und Leidenschaften die jeder von uns hat.

Was rätst du neugierigen Menschen, die nun auch aktiv werden wollen, aber zufällig nicht in Hamburg wohnen?

Clubkinder die aus Hamburg wegziehen, nehmen Clubkinder-Ideen mit in andere Städten. Sie haben zum Beispiel das Ziel, den Bildungsaspekt weiter zu verfolgen, etwas für den Tierschutz zu tun oder eine Tagebuchlesung zu starten. So gibt es schon jetzt Clubkinder-Ableger in Berlin (den OH YEAH Verein), Bonn, Oldenburg und Lüneburg. Es lohnt sich auch auf unser Plattform Help Here nach einem passendem Projekt zu suchen. Und ganz entscheidend ist immer: Miteinander zu reden, sich mit den richtigen Menschen zu vernetzen und den Mut zu haben, etwas zu unternehmen.

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