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Frauenrechte

Ihre heilige Aufgabe: Nonne aus Indien sagt Sex-Sklavenhändlern den Kampf an

Flicker/Sergio Agostinelli

Ein Artikel von Inna Lazareva

YAOUNDÉ, Kamerun, 10. August (Thomson Reuters Foundation) - Schwester Vanaja Jasphine ist weit über die Grenzen ihres Heimatlandes Indien dafür bekannt, dass sie sich für Menschen einsetzt, die nicht für sich selbst kämpfen können. Unter anderem wird sie dafür gefeiert, dass sie kamerunische Frauen aus der Sklaverei im Nahen Osten befreit. Diese Frauen werden unter Drogen gesetzt, vergewaltigt und dann als Sexsklavinnen gehalten.

Jetzt fordert die 39-jährige mehr Unterstützung von den Regierungen, damit die Opfer sich von den schrecklichen Erfahrungen erholen können.

Inzwischen hat Schwester Vanaja Jasphine mehr als 200 Frauen identifiziert, die in den letzten Jahren von dem zentralafrikanischen Staat in den Nahen Osten verschleppt wurden. Dank ihrem Einsatz konnten im letzten Jahr bereits 14 Opfer, die verschleppt wurden, in ihre Heimat zurückkehren.

Für viele Frauen aus Afrika ist der Weg in den Nahen Osten oft der einzige Ausweg aus der Arbeitslosigkeit. Im Ausland finden sie oftmals Arbeit als Hausangestellte. Von ihren sogenannten 'Arbeitgebern' wird ihnen jedoch oft gleich bei Arbeitsantritt der Pass entzogen. Früher oder später werden sie dann nicht mehr für ihre Arbeit bezahlt und werden so zu Gefangenen der modernen Sklaverei.

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Schwester Vanaja Jasphine, 39, hält stolz ihre ‘Hero Acting to End Modern Slavery’-Auszeichnung in den Händen. 25. Juli 2017. Thomson Reuters Foundation/Inna Lazareva

„Eine Frau wurde von ihrem 'Arbeitgeber' vom Balkon eines zweistöckigen Hauses geworfen, weil sie aus Versehen sein Hemd beim Bügeln verbrannt hatte“, erzählt Schwester Jasphine über ein Opfer aus Kuwait.

Andere werden unter Drogen gesetzt und als Sexsklavinnen missbraucht, die mehrere Male am Tag vergewaltigt werden oder sogar dazu gezwungen werden, Sex mit Tieren zu haben.

„Wenn sie zurück in ihre Heimat kommen, sind sie traumatisiert“, so Jasphine, Koordinatorin der ‘Justice and Peace’-Kommission in Kumbo.

„Manchmal werden die Frauen bis zu 15 mal am Tag ausgebeutet - psychisch und körperlich sind sie am Ende...sie sind nicht mehr da”, fügt die Nonne hinzu, die vor über einem Jahrzehnt nach Kamerun auswanderte, um den Ärmsten des Landes zu helfen.

„Letztendlich kommen die Frauen mit weniger in die Heimat zurück, als sie vorher hatten.”

Schwester Jasphine wurde im Juni von den USA als eine von acht Helden weltweit ausgezeichnet, die alles in ihrer stehende Macht tun, um moderne Sklaverei zu stoppen.

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Doch für solche Auszeichnungen hat sie, wie sie selbst sagt, eigentlich keine Zeit. Sie konzentriert ihre Zeit lieber darauf, finanzielle Unterstützung für ihr Programm zu finden und den Frauen bei ihrem Weg zurück ins Leben zu helfen.

Menschenhändler ändern ihr Vorgehen

Um Schritt für Schritt weitere Opfer des Menschenhandels ausfindig zu machen, arbeitet Schwester Jasphine eng mit anderen Aktivisten, Gemeindemitgliedern und zivilgesellschaftlichen Gruppen zusammen: „Wir haben viele Unterstützer. Es berührt die Menschen und sie fühlen mit: ‘Das könnte mein Kind sein, das so ausgebeutet wird.’”

Nun sucht Schwester Jasphine den Kontakt zu unterschiedlichen Regierungen, um weitere Unterstützung für ihr Projekt zu bekommen.

Kamerun macht Fortschritte darin, besser gegen Menschenhandel vorzugehen. So wurden bereits einige Frauen nach ihrer Rückkehr in ihre Heimat unterstützt und das Land hat zusätzlich eine Delegation in den Nahen Osten geschickt, um die Rechte von Arbeitern aus Kamerun zu überprüfen.

Doch bisher hat der Staat es noch nicht geschafft, Rückkehrhilfen für Opfer, die sich im Nahen Osten befinden und nach Hause wollen, anzubieten. Diese Frauen sind immer noch auf die Hilfe zivilgesellschaftlicher Gruppen und Menschen wie Schwester Jasphine angewiesen, die Fälle von moderner Sklaverei aufdecken und alles daran setzen, den Opfern eine Rückkehr in ihre Heimat zu ermöglichen.

Und während die Regierung weiterhin versucht, gegen die Menschenhändler in Kamerun vorzugehen, haben diese mittlerweile ihre Taktik geändert: Sie fliegen die Frauen nicht mehr direkt in den Nahen Osten, sondern reisen zuerst nach Nigeria, um von dort aus zu starten.

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Schwester Jasphines Organisation und weitere Gruppe geben ihr Bestes, um den Opfern zu helfen, wieder auf eigenen Füßen zu stehen - doch leider ist es noch lange nicht genug: „Es bricht mir das Herz”, sagt sie und zeigt Textnachrichten einer Frau, die sie in Kuwait aus der Sklaverei befreite und die jetzt vor finanziellen Schwierigkeiten steht.

„Wir müssen so viel mehr für diese Frauen tun.”

(Ein Beitrag von Inna Lazareva; Überarbeitet von Kieran Guilbert und Emma Batha; Bitte die 'Thomson Reuters Foundation' als Quelle angeben, wenn dieser Artikel zitiert / geteilt wird. Die Thomson Reuters Foundation liefert Beiträge über humanitäre Hilfe, Frauenrechte, Menschenhandel, Klimawandel und vieles mehr auf news.trust.org.)