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Frauenrechte

Der bittere Grund, warum in Indien jeden Tag 20 Frauen sterben

Warum das wichtig ist
Die traditionelle Mitgift in einigen Ländern verstärkt die Vorstellung, dass Mädchen und Frauen eine Belastung für die Gesellschaft sind und sich ihr Wert auf Geld und materielle Güter reduzieren lässt. Solange Frauen und Männern nicht wie gleichwertige und gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft behandelt werden, sind wir nicht am Ziel. Deshalb setzt sich Global Citizen für Mädchen und Frauen auf der ganzen Welt ein. Hier kannst du aktiv werden.

Vergangene Woche starb die 39-jährige Anissia Batra in Neu Delhi, Indien. Zunächst schien es so, als sei es Selbstmord gewesen – bis die Behörden den Fall als "Mitgift-Tod" einordneten, berichtete die Times of India.

Anissia Batra war Flugbegleiterin bei Lufthansa. 2016 heiratete sie den Investmentbanker Mayank Singhvi. Kurz nach ihrer Hochzeit soll Singhvi Batra missbraucht haben. Laut Batras Familie misshandelte Singhvi seine Frau während ihrer Ehe wiederholt emotional und körperlich. Er war unzufrieden und wollte mehr Geld von ihr und ihrer Familie.

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Viele Opfer von "Mitgift-Todesfällen" sind Frauen, deren Mitgift bereits zum Zeitpunkt ihrer Eheschließung bezahlt wurde, deren Ehemänner und neue Familien jedoch hoffen, durch Missbrauch und Druck mehr von der Familie der Ehefrau „erpressen“ zu können. Andere Frauen werden zu Opfern von Gewalt, weil ihre Familien die geforderte Mitgift nicht bezahlen können. Als Mitgift verlangen Ehemänner Fernseher, Motorrad, Laptop oder Geld.

Batras Geschichte ist kein Einzelfall.

Mehr als 7.600 Frauen wurden im Jahr 2015 getötet oder in den Selbstmord getrieben, weil ihre Ehemänner mit der Mitgift nicht einverstanden waren, so das indische National Crime Records Bureau.

Das sind laut Guardian täglich etwa 20 Frauen.

Obwohl das Zahlen und Erhalten der Mitgift seit 1961 verboten ist, hat die Tradition weiterhin Bestand – ebenso wie die Gewalt gegen Frauen, die aus der Unzufriedenheit über keine oder zu niedrige Mitgift resultiert.

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Selbst wenn Menschen in Indien später heiraten und sich von bestimmten Traditionen der Ehe entfernen, ist die Mitgift geblieben. Denn etliche Eltern haben Angst, dass niemand ihre Tochter heiraten wird, wenn sie nicht zahlen.

Dieser Glaube wird durch die kulturelle Einstellungen verstärkt, die Frauen als weniger wertvoll ansehen als Männer. Dort wo Frauen und Mädchen als finanzielle Belastung betrachtet werden, ist eine Mitgift sozusagen ein Geschenk, das diese Belastung ausgleichen soll.

Menschenrechtsgruppen betonen, dass die Mitgift Fortschritte der Gleichstellung von Frauen in Indien untergräbt und zu Gewalt gegen Frauen beiträgt, die in Indien nach wie vor weit verbreitet ist.

Häusliche Gewalt gibt es auch in anderen Ländern und aus anderen Gründen. Solltest du betroffen sein, erreichst du das „Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen“ unter der Hotline 08000 116 016 und bekommst rund um die Uhr Hilfe.