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Frauenrechte

Sexsklavin wurde über 40.000 Mal vergewaltigt, kämpft jetzt gegen Menschenhandel

Ira Gelb/Flickr

Es ist schwer vorstellbar, aber bittere Wahrheit: im Alter von 12 bis 16 Jahren wurde Karla Jacinto ca. 43.200 Mal vergewaltigt. 365 Tage im Jahr. Rund 30 Männer am Tag.

Jacinto wuchs in einer kleinen Stadt in der Nähe von Tenancingo, Mexiko in schwierigen Familienverhältnissen auf. Von dort aus gelang sie in die Hände eines Menschenhändlerrings. Sie lockten Jacinto mit falschen Versprechen, teuren Geschenken und freundlichen Worten.

Ihre Tage als Sexsklavin waren lang. „Ich begann um 10 Uhr und arbeitete bis Mitternacht”, sagte Jacinto gegenüber dem CNN Freedom Project. „Manche Männer lachten mich aus, weil ich weinte. Ich musste meine Augen schließen, damit ich nicht sehen konnte, was sie mit mir machen und damit ich nichts fühle.”

Heute ist Karla Jacinto 24 Jahre alt und hat beschlossen, ihr Leben dem Schutz anderer Sexarbeiterinnen vor Menschenhändlern zu widmen, sowie auf die menschenverachtende Industrie aufmerksam machen zu wollen. Für dieses Ziel spricht Karla Jacinto ganz offen über ihre Zeit als Sexsklavin und verzichtet bewusst auf schützende Anonymität.

„Ich hätte niemals gedacht, dass dieses Mädchen in High Heels, das an der Straßenecke steht und nur als Sexsklavin zählt, dass dieses Mädchen sich heute so stark fühlen kann." - so Karla Jacintos Worte über ihre eigene Transformation. „Inzwischen hören mir viele Leute aufmerksam zu.”

Einer ihrer Zuhörer ist Papst Franziskus. Jacinto und der Papst trafen sich im Juli dieses Jahres bei einer Konferenz, um über die Situation der 'modernen Sklaverei' zu sprechen.

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Der Menschenhandel ist zu einem lukrativen Geschäft geworden, der keine Grenzen kennt – er verbindet kleine Städte wie Tenancingo mit US-Metropolen wie Atlanta und New York.  

Viele ihrer Klienten, so Jacinto, waren Ausländer, die in die Stadt kamen, um gegen Geld „Sex mit Minderjährigen zu haben”. Jacintos Schilderungen zeigen, dass sich in dem schmutzigen Geschäft auch Vorbildfiguren rumtreiben, wie etwa Polizeibeamte.

„Unter ihren Klienten waren Richter, Priester, Pastoren und Polizisten”, sagt Rosi Orozco, eine frühere Politikerin in Mexiko, die heute an der Bekämpfung von Menschenhandel arbeitet. „Sie wusste daher, dass sie nicht einfach davonlaufen konnte, um bei einer öffentlichen Stelle um Hilfe zu bitten.”

Jedes Jahr werden schätzungsweise 800.000 Frauen und Kinder über internationale Grenzen geschleust, berichtet Soroptimist, eine internationale Organisation, die sich für die Rechte von Mädchen und Frauen einsetzt. Und diese Zahl berücksichtigt nicht einmal die vielen Frauen und Mädchen, die innerhalb ihrer eigenen Landesgrenzen gehandelt werden.

„Wenn der wirtschaftliche und soziale Status von Frauen besser wäre, könnte diese Art von Menschenhandel weitgehend beseitigt werden", erklärte die Organisation auf ihrer Webseite.

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Global Citizen kämpft unter anderem dafür, dass solche Kriminellen zur Verantwortung gezogen werden und dass Opfer der Sexsklaverei Unterstützung erhalten. Hier kannst auch du aktiv werden.

Seit Jacinto vor einigen Jahren - mit Hilfe eines Klienten in einer geplanten Aktion gegen Menschenhandel - der Gefangenschaft entkommen ist, ist sie vom Opfer zum Champion geworden – vor allem für Frauen und Mädchen, die das gleiche Schicksal erfahren haben wie sie.

„Es liegt an uns, dass sowohl Regierungen als auch Nichtregierungsorganisationen zusammenarbeiten, um diese Verbrechen zu verhindern, jene zu bestrafen, die sie begehen und diejenigen zu suchen und zu retten, die bereits zum Opfer geworden sind und sie mit der notwendigen Sorgfalt zu heilen und wieder in unsere Gesellschaft zu integrieren”, sagt Karla Jacinto. „Das kann nicht eine Person alleine leisten. Wir sind alle dafür verantwortlich, wir sind alle betroffen und wir alle können etwas dagegen tun.”