Nur wenige Berufsgruppen sind von der Klimakrise so stark betroffen wie Landwirt*innen, denn für gute Ernten sind sie auf stabile Klima- und Umweltbedingungen angewiesen. 

Doch weltweit steigen die Temperaturen an und die Niederschlagsmuster verschieben sich. Landwirt*innen sind deshalb mit verheerenden Herausforderungen wie schweren Dürren, Überschwemmungen und Schädlingsbefall sowie mit zunehmender Wüstenbildung und schwindenden Grundwasservorräten konfrontiert. Das alles kommt zu einer Zeit, in der die weltweite Nahrungsmittelproduktion erheblich gesteigert werden muss. Denn nur so kann die wachsende Weltbevölkerung ernährt und die anhaltende Hungerkrise, von der derzeit 800 Millionen Menschen weltweit betroffen sind, eingedämmt werden. 

Deshalb unterstützen Organisationen wie das Ban Ki-moon Centre for Global Citizens, ein Partner von Global Citizen, die Landwirt*innen bei der Anpassung und Vorbereitung auf die Zukunft. 

Der sicherste Weg, die Landwirtschaft weltweit zu schützen, ist der schrittweise Ausstieg aus der Nutzung fossiler Brennstoffe und damit die Verhinderung einer katastrophalen Erderwärmung. Die Landwirtschaft ist bereits durch die Erwärmung von 1,2 Grad Celsius schwieriger geworden; jedes weitere Zehntel Grad Erwärmung erschwert die Arbeit weiter.

Ein weiterer Lösungsansatz besteht darin, von der industriellen Landwirtschaft, die die Umwelt schädigt, auf regenerative Formen der Landwirtschaft umzusteigen, die die Ökosysteme heilen. Investitionen in eine Nahrungsmittelproduktion, die die biologische Vielfalt fördert, würden auch das globale Ziel unterstützen, bis zum Jahr 2030 30 Prozent der Land- und Meeresflächen zu erhalten. 

Wenn die Klimakrise die neue Normalität ist, dann befinden wir uns in den ersten Phasen der Anpassung. Dieser Bereich ist nach wie vor stark unterfinanziert und nur sehr wenig von dem Geld, das aufgewendet wird, kommt überhaupt bei den Landwirt*innen an. 

Tatsächlich fließen nur 1,7 Prozent der weltweiten Klimafinanzierung in die Unterstützung von Kleinbäuer*innen in Ländern mit geringem Einkommen, dabei sind sie am heftigsten von der Krise betroffen. Ohne weitere Mittel könnten die weltweiten Nahrungsmittelerträge bis zum Jahr 2050 um 30 Prozent zurückgehen. In den kommenden Jahren müssen die Länder diesen Trend umkehren, indem sie angemessen in Klimaanpassungsmaßnahmen für die Landwirtschaft investieren. 

Auf lokaler und regionaler Ebene gibt es bereits zahlreiche Beispiele für die Anpassung an die Klimakrise, die zeigen, wie kreativ und widerstandsfähig Landwirt*innen überall sind. 

1. Dürreresistente Anbaukulturen

Die Verschiebung der Niederschlagsmuster wirkt sich in den einzelnen Regionen der Welt unterschiedlich aus. In afrikanischen Ländern südlich der Sahara hat das vor allem zu weniger Regen geführt. In Simbabwe sind Dürren ein dauerhafter Zustand geworden, und ausreichende Regenfälle kommen nur noch alle fünf Jahre vor, so die Internationale Energieagentur.

Die Bill & Melinda Gates Foundation hilft Bäuer*innen, sich mit dürreresistentem Mais an die trockeneren Bedingungen anzupassen. Landwirt*innen, die dieses neue Saatgut verwendeten, produzierten in Dürrejahren bis zu 590 Kilogramm mehr Mais als ihre Kolleg*innen. Das verbessere das Einkommensniveau und ermöglichte es den Familien, in ihre Betriebe zu investieren. 

In Äthiopien beispielsweise konnten Landwirt*innen ihre Erträge steigern, indem sie auf Saatgutsorten umgestiegen sind, die Trockenheit besser vertragen und Krankheiten besser abwehren können.

2. Rückbesinnung auf einheimische Pflanzen 

In Sri Lanka ist die Jackfrucht heimisch. Doch der Druck des Marktes brachte die Menschen dazu, sich auf begehrtere landwirtschaftliche Produkte wie Reis zu konzentrieren. Nun, da die zunehmende Trockenheit die Verfügbarkeit von Wasser verringert, bauen viele wieder Jackfrucht an, um den Druck auf die Böden zu verringern. Laut dem Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD) ist diese Umstellung ein Segen für die öffentliche Gesundheit, denn die Jackfrucht ist reich an wichtigen Nährstoffen.

In Sambia lösen sich die Landwirt*innen von der Dominanz des Mais und bauen das ganze Jahr über einheimische Pflanzen an. So wird der Zugang zu Nahrungsmitteln verbessert und die Bodengesundheit gefördert. 

3. Schnell wachsende Sorten

Hülsenfrüchte wie Bohnen, Erdnüsse und Linsen tragen zu einem Drittel der Proteinmenge bei, die Menschen weltweit zu sich nehmen. Sie sind nicht nur eine wichtige Nährstoffquelle, sondern verbessern auch die Gesundheit des Bodens und stärken so die Ökosysteme. Da steigende Temperaturen den Anbau von Linsen erschweren, haben Wissenschaftler*innen des Internationalen Zentrums für Agrarforschung in Trockengebieten Pflanzensorten entwickelt, die schneller und in größeren Mengen wachsen. Dadurch konnten die Landwirt*innen ihre Ernten verdoppeln und Linsen zwischen den Anbausaisonen anbauen, was die Nahrungsmittelproduktion insgesamt maximierte. 

4. Besseres Wassermanagement 

Wasser wird immer knapper, weshalb Landwirt*innen damit beginnen, ihre Bewässerungsmethoden mit einer Mischung aus Hightech und Lowtech zu optimieren. 

In Pakistan haben Tropf- und Sprinklerbewässerungssysteme, die auf 23.000 Hektar Land installiert wurden, den Gesamtwasserverbrauch verringert und mehr als 12.000 Wasserwege verbessert. Statt durch einen konstanten Wasserfluss bewässern Reisbäuer*innen ihre verschiedenen Reisfelder nun abwechselnd. Auf diese Weise ist es den Landwirt*innen gelungen, 38 Prozent weniger Wasser zu verbrauchen.  

5. Verbesserte Versicherung

Landwirtschaft ist ein unsicheres Unterfangen, besonders in Zeiten der Klimakrise. Mit einer Versicherung können die Landwirt*innen darauf vertrauen, dass sie im kommenden Jahr wieder anbauen können, wenn die Ernte ausfällt. Doch Millionen von Landwirt*innen fehlt dieses Sicherheitsnetz, sodass sie extrem armutsgefährdet sind, wenn Ernteerträge ausfallen. 

Verschiedene Organisationen arbeiten daran, diese Versicherungslücke zu schließen und die Landwirt*innen so zu schützen. In Kenia, Äthiopien und Indien hilft eine Smartphone-App den Landwirt*innen, ihren Erntefortschritt zu verfolgen und die Auszahlung der Versicherung zu erleichtern, wenn etwas schief geht. In Bolivien sorgen IFAD-Investitionen in Versicherungsprogramme dafür, dass diese in größerem Umfang zur Verfügung stehen. Das US-Landwirtschaftsministerium hat unterdessen eine Micro Farm Policy entwickelt, um Landwirt*innen, die ökologische und Spezialkulturen anbauen, mit Versicherungen zu unterstützen. 

6. Universelle Wetterberatungssysteme 

Landwirtschaft kann extrem wissenschaftlich betrieben werden – beispielsweise, indem man den pH-Wert und die Wasserrückhaltefähigkeit misst und täglich Anpassungen vornimmt. Aber nicht alle Landwirt*innen haben Zugang zu diesem Wissen. Tatsächlich haben mehr als 300 Millionen Landwirt*innen weltweit nicht einmal Zugang zu Technologien, die sie über lokale Wettermuster informieren.  

Länder und Organisationen bauen Beratungssysteme auf, um sie mit diesen grundlegenden Informationen zu unterstützen. Zudem wurden Smartphone-Apps und Radiosender entwickelt, um zuverlässige Informationen über Regen und andere Bedingungen zu liefern – eine einfache Form der Öffentlichkeitsarbeit, die ein Investment laut dem World Resources Institute (WRI) im Verhältnis 1:24 auszahlt

7. Gemeinsame Ressourcen 

Eine neue Reihe von Crowdsourcing-Apps hilft Landwirt*innen, ihre Ressourcen gemeinsam zu nutzen und so ihre Produktivität zu steigern. Die App Hello Tractor ermöglicht es Landwirt*innen in Kenia, Traktoren zu einem viel günstigeren Preis als beim Kauf zu mieten, wodurch sich die Zeit, die die Landwirt*innen im Freien mit harter Arbeit unter zunehmend widrigen Bedingungen verbringen, erheblich verringert. 

Für Millionen von Landwirt*innen, die keinen Zugang zu Kühlmöglichkeiten haben, stellen die zunehmenden Hitzewellen eine Bedrohung dar. Doch eine Reihe von Unternehmen gehen dieses Problem an, indem sie den Zugang zu Kühlgeräten durch gemeinschaftliche Solarenergienetze und begehbare Kühlschränke an zentralen Standorten demokratisieren

8. Präzisionslandwirtschaft mit Drohnen 

Laut Sprout Wired werden Drohnen eingesetzt, um die Ernten in klimabeeinträchtigten Gebieten zu verbessern. Durch den Einsatz von Raumfahrttechnologie können Drohnen feststellen, wo Pflanzen am besten gesät werden sollten, und anschließend die Samen präzise und schnell ausbringen. Drohnen helfen den Landwirt*innen auch bei der Überwachung von Schädlingen in der Luft und der Begrenzung des Wasserverbrauchs. 

In Myanmar werden mit Drohnen Mangrovenwälder wieder aufgeforstet. Sie sind besonders wichtig, um Landwirt*innen an der Küste vor Sturmfluten zu schützen. 

9. Kohlenstoff-Kredit-Programme

Die industrielle Landwirtschaft ist die Hauptursache für die weltweite Abholzung, durch die große Mengen an Treibhausgasen in die Atmosphäre gelangen. 

Conservation International mildert diese Dynamik mit Programmen zur Vergabe von Kohlenstoffgutschriften. Diese bezahlen Landwirt*innen für den Schutz der Wälder. Sie ermöglichen es ihnen gleichzeitig, sich eine Prämie für Pflanzen zu verdienen, die als waldfreundlich gelten. In Peru haben Kaffeebäuer*innen, die für den Schutz des Alto Mayo-Waldes bezahlt werden, genug Gemeinschaftseinkommen generiert, um 240.000 Menschen zu unterstützen. In den kenianischen Chyulu Hills hat ein Kohlenstoffgutschriftenprogramm den Verlust von Tourismuseinnahmen durch die COVID-19-Pandemie ausgeglichen. 

10.  Meeresbewirtschaftung

In den vergangenen 30 Jahren hat die Welt durch Ausbeutung und Misswirtschaft ein Drittel ihrer Ackerflächen verloren. Gleichzeitig warnen Umweltwissenschaftler*innen, dass mehr Nahrungsmittel auf weniger Land angebaut werden müssen, um die Gesundheit der Tierwelt zu erhalten. 

Eine Möglichkeit für Landwirt*innen, sich darauf einzustellen, ist der Anbau im Meer. In den vergangenen zehn Jahren haben sich Algen- und Seetangfarmen stärker etabliert, ihre Ernten sind zu einer wichtigen Nahrungsquelle geworden, die gleichzeitig Kohlenstoffdioxid absorbiert und das Meerwasser reinigt. Die Landwirt*innen nutzen den Ozean auch, um weniger traditionelle Meerespflanzen wie Obst und Gemüse anzubauen. Sie setzen sogar Schoten auf den Meeresboden, um dort Beeren zu züchten

11. Urbane Landwirtschaft 

Städte sind für die Landwirtschaft ein weiteres weitgehend unerschlossenes Gebiet. Wenn sich die urbane Landwirtschaft weltweit durchsetzen würde, könnte sie jährlich 180 Millionen Tonnen Lebensmittel erzeugen. Sie könnte auch die mit dem Transport und der Lagerung von Lebensmitteln verbundenen Treibhausgasemissionen reduzieren, den Zugang zu sehr nahrhaften Lebensmitteln verbessern, die lokalen Luftsysteme reinigen und die Lebensqualität erhöhen. 

Zu den produktivsten Formen der städtischen Landwirtschaft gehören Gemeinschaftsgärten, vertikale Landwirtschaft in leer stehenden Gebäuden und Dachfarmen.

12. Agroforstwirtschaft 

In der jüngeren Geschichte wurden Wälder meist gerodet, um Platz für Viehzucht und industrielle Landwirtschaft zu schaffen. Nun, da sich die Klimakrise verschärft, werden die negativen Auswirkungen dieses kurzfristigen Denkens deutlich.  

Gemeinden auf der ganzen Welt integrieren zunehmend landwirtschaftliche Betriebe in natürliche Ökosysteme, um die Wiederaufforstung und die Gesundheit der Böden zu fördern. Gleichzeitig nutzen sie die Nahrungsmittel, die ohnehin in den Wäldern wachsen, wie Kakao, Pilze und Acai, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. 

In Moldawien beispielsweise legen Gemeinden "Schutzgürtel" an, um geschädigte Wälder und Landschaften wiederherzustellen und üben gleichzeitig einen neuen waldfreundlichen Beruf aus: die Bienenzucht. 

Dies sind nur einige der gängigsten Methoden, mit denen sich Landwirt*innen an die Klimakrise anpassen. Ein Thema bleibt jedoch durchgängig bestehen – der Mangel an angemessener Finanzierung. 

In den kommenden Jahren müssen die Staats- und Regierungschef*innen der Welt die Mittel für eine klimafreundliche Landwirtschaft aufstocken und innovative und nachhaltige Lösungen unterstützen, die uns helfen, die Auswirkungen der Klimakrise abzumildern und uns langfristig daran anzupassen. 

Transparenzhinweis: Die Bill & Melinda Gates Foundation und der International Fund for Agricultural Development (IFAD) sind Finanzierungspartner von Global Citizen.

Editorial

Armut beenden

So passen sich Landwirt*innen weltweit an die Klimakrise an

Ein Beitrag von Joe McCarthy