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Bildung

Istanbul: Erster arabischer Buchladen bietet syrischen Kindern Rückzugsort

Pages Bookstore Cafe

Die türkische Millionenstadt Istanbul beheimatet einen neuen Laden, den es so zuvor noch nicht gegeben hat. Es handelt sich um die erste arabische Buchhandlung!  

Das ist aber noch nicht alles, denn in der Buchhandlung mit dem Namen Pages können nicht nur Bücher ausgeliehen werden. Ein kleines Café sorgt zugleich für das leibliche Wohl der Besucher. Für viele junge syrische Flüchtlinge ist „Pages“ damit seit seiner Eröffnung zu einem Zufluchtsort geworden.

In der Türkei lebt die weltweit größte Anzahl syrischer Flüchtlinge. Für die meisten der drei Millionen Flüchtlinge ist die Situation seit ihrer Ankunft jedoch alles andere als aussichtsreich. 40 Prozent - ca. 380.000 - der syrischen Kinder besuchen keine Schule, obwohl innerhalb der letzten sechs Monaten die Zahl der Einschreibungen an Schulen um 50 Prozent gestiegen ist.

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Nun aber gibt es für die Kinder einen Ort, an den sie sich zurückziehen und kostenlos Bücher lesen können. Um sich die Bücher auszuleihen, kostet es im Monat umgerechnet ca. 6 Euro.

Pages bietet außerdem noch Musik, verschiedene Workshops und Bücher in vielen verschiedenen Sprachen. Die syrischen Kinder sollen hier für ein paar Stunden den Alltag vergessen können.

Der Inhaber Samer al-Kadri kam selbst als syrischer Flüchtling in die Türkei. In Istanbul angekommen, suchte er vergebens nach arabischen Büchern. Deshalb entschied er sich, Pages zu gründen und es mit eigenen Händen aufzubauen. Kadri arbeitet sieben Tage die Woche, ohne Gewinn zu erzielen. In einem Interview mit der englischen Zeitung Guardian betonte er, wie wichtig die nächste Generation für die Welt sei.

„Unsere Generation wird sich nicht mehr ändern. Aber wir können der nächsten Generation dabei helfen, die Welt besser zu machen“, so Kadri. „Meine Botschaft an die Welt ist: Steckt das syrische Volk nicht in eine Schublade. Wir wollen ja auch nicht, dass die ‘Gesellschaft’ so einfach über einen Kamm geschert wird. Macht euch euer eigenes Bild, bevor ihr urteilt.“

Der Krieg in Syrien hat in den letzten fünf Jahren über 400.000 Todesopfer gefordert. Aber Kadri betont immer wieder, dass das syrische Volk nicht als Volk der Opfer gesehen werden sollte.

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„Ich bin es leid, dass Syrer immer mit dem IS und Mördern gleichgesetzt werden oder von uns gesagt wird, wir würden alle verhungern“, sagt Kadri. „Es gibt viele Kriegsopfer und Menschen, die kurz vor dem Verhungern stehen, die alles verloren haben. Aber es gibt auch eine andere Seite, die die Welt nicht wahrhaben will. Wir wollen, dass die Menschen endlich auch von dieser Seite berichten.“

Es ist noch nicht sehr lange her, als Kadri selbst Opfer ständiger Ausschreitungen wurde. Laut Guardian flüchtete er 1982 aus der vom Krieg zerrütteten Stadt Hama und fand in Damaskus für sich und seine Familie Unterschlupf. Ein paar Jahre später machte er seinen Abschluss in Kunstwissenschaft, wurde dann Grafikdesigner und veröffentlichte Kinderbücher. Als die Revolution in vielen muslimischen Ländern - der Arabische Frühling - im Jahr 2011 begann, wurde Kadri beschuldigt, mit Terroristen zu sympathisieren, nachdem er sich negativ über das Regime seines Landes äußerte. Dies zwang ihn dazu, aus Damaskus zu fliehen.

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Zusätzlich zu seiner Buchhandlung ‚Pages‘ will Kadri eine weitere Buchhandlung in Berlin aufmachen, sowie andere arabisch sprechende Autoren dabei unterstützen, ihre ersten Werke zu veröffentlichen.

Kadris Buchhandlung ist für viele Flüchtlinge in Istanbul zu einem Ort der Ruhe geworden. Einem Ort, an dem man die Strapazen der Flucht und die Schwierigkeiten im neuen Land für einen kurzen Zeitraum hinter sich lassen kann. In einer neuen, unbekannten Stadt können Bücher einem das Gefühl von Geborgenheit geben.