Diese Frau arbeitet rund um die Uhr, damit Menschen in Pakistan Impfstoffe bekommen

Autor: Jacky Habib

Khaula Jamil for Global Citizen

Warum das wichtig ist
Das Global Goal 3 der Vereinten Nationen (UN) zielt darauf ab, dass jeder Mensch überall Zugang zu guter Gesundheitsversorgung erhält. Um dieses Ziel zu erreichen und Armut weltweit beenden zu können, ist es wichtig, Maßnahmen zur Beendigung der COVID-19-Pandemie zu ergreifen. Zudem müssen die Auswirkungen der Pandemie gemildert werden, insbesondere für die am meisten gefährdeten Menschen. Schließe dich Global Citizen hier an und helfe mit, die Pandemie zu beenden. 

Das Telefon von Tahira Bano klingelt derzeit unaufhörlich. Die Gebietsleiterin für Impfungen im pakistanischen Karachi East District wird jeden Tag rund 200 Mal angerufen. Die Menschen wollen sich bei ihr nach COVID-19-Impfungen erkundigen. 

Bano, die früher für die Routineimpfungen im Distrikt zuständig war, konzentriert sich jetzt auf das Management der Coronavirus-Situation in der Provinz. 

Auf der Website des Gesundheitsministeriums steht sie als Hauptansprechpartnerin im Bezirk Karachi Ost, ihre Handynummer ist dort aufgelistet. Für Menschen, die wissen wollen, wann sie geimpft werden können, ist sie deshalb oft die erste Ansprechpartnerin. 

Die ganzen Anfragen zu beantworten, kann anstrengend sein, sagt sie – vor allem, weil es nicht ihre Hauptaufgabe ist. Sie muss eigentlich die Impfungen im gesamten Bezirk beaufsichtigen. Dazu gehört auch ein Team von 173 Impfärzt*innen. 

"Ich möchte einfach allen helfen. Ich weiß, dass das nicht möglich ist... aber ich möchte es wirklich", sagt sie Global Citizen. "Es ist eine sehr harte Zeit für die Menschen, die wegen COVID-19 leiden."

Im Februar 2020 wurde in Pakistan der erste COVID-19-Fall entdeckt. Seitdem arbeitet Bano rund um die Uhr. Sie verwaltet Virusproben, koordiniert Laborergebnisse, überwacht die Kontaktnachverfolgung und aktualisiert die Daten im Dashboard der Regierung. 

Bano verwaltet auch die Logistik rund um die Beschaffung und Verteilung von persönlicher Schutzausrüstung wie Kitteln, Masken und Desinfektionsmitteln für die Gesundheitszentren im gesamten Distrikt.

Tahira Bano poses for a portrait in Karachi, Pakistan on June 5, 2021.
Tahira Bano poses for a portrait in Karachi, Pakistan on June 5, 2021.
Image: Khaula Jamil for Global Citizen

Im Februar 2021, hat man in Karachi East damit begonnen, Menschen gegen COVID-19 zu impfen. Seitdem ist Bano dafür verantwortlich, den Prozess zu überwachen und sechs Impfzentren zu beaufsichtigen, darunter eines, das rund um die Uhr in Betrieb ist. Für Bano ist das sehr wichtig.

"Manche Leute sind erst sehr spät um zwei oder drei Uhr nachts draußen, um (eine späte Mahlzeit) zu sich zu nehmen. Wenn sie unterwegs sind, sagen sie: 'Lass uns die Impfung machen.' Das können sie dann im 24/7-Impfzentrum machen", sagt sie.

Tagsüber sorgt sie dafür, dass die Impfungen in allen Zentren reibungslos und nach Protokoll ablaufen. Abends stellt sie die Daten über die Impfungen des Tages zusammen und bespricht sie mit ihren Vorgesetzten.

Bano sagt, dass sie nicht mehr als fünf Stunden Schlaf pro Nacht bekommt. Seit über einem Jahr arbeitet sie sieben Tage die Woche. Feiertage wie das Zuckerfest und den pakistanischen Unabhängigkeitstag verbrachte sie in ihrem Büro. 

"Ich habe keine Zeit für mich. Ich kann nicht auf den Markt gehen. Ich bin immerzu mit Impfungen beschäftigt", sagt sie. 

Aber trotz der langen Arbeitszeiten blickt sie positiv in die Zukunft. 

"Ich empfinde es nicht als Last. Wenn ich [zu meiner Arbeit] gehe, mache ich das mit vollem Einsatz und Hingabe", sagt sie. "Ich möchte nur, dass mein Land bei den Impfungen an der Spitze steht... Ich möchte all diese negativen (Wahrnehmungen von Pakistan) ändern und meinen Teil dazu beitragen."

Tahira Bano

Tahira Bano
Khaula Jamil for Global Citizen

Tahira Bano

Tahira Bano
Khaula Jamil for Global Citizen

Tahira Bano

Tahira Bano
Khaula Jamil for Global Citizen

Tahira Bano

Tahira Bano
Khaula Jamil for Global Citizen

In Pakistan werden die Bürger*innen mit den Impfstoffen Sinopharm und CanSino geimpft. Inzwischen können sich Menschen, die älter als 50 sind, impfen lassen. Davor wurde das Gesundheitspersonal, gefolgt von Menschen über 70 Jahren, geimpft. Für Personen, die die Zentren nicht selbst erreichen können, gibt es mobile Impfungen, die sehr gefragt sind, so Bano. 

Bano ist bereits vollständig gegen COVID-19 geimpft. Sie war begeistert, als sie an der Reihe war.

"Ich war natürlich sehr froh, dass wir in unserem Land solche Einrichtungen haben, um diese Pandemie zu bekämpfen", sagt sie und merkt an, dass die Impfung "der einzige Weg" sei, das Coronavirus zu kontrollieren.

Bano sagt, selbst geimpft zu werden, habe geholfen, die Menschen dahingehend zu beruhigen, dass der COVID-19-Impfstoff sicher ist.

"Die Leute waren so verängstigt wegen der Impfung", sagt sie. "Ich habe meine Dosis zuerst bekommen und dann habe ich mein Team angeleitet: 'Schaut, es gibt nichts (worüber man sich Sorgen machen müsste) – nehmt eure Dosis.'"

Die 173 Impfungen in Banos Team hätten einen Welleneffekt ausgelöst, sagt sie. Denn auf Gemeindeebene hätten danach mehr Menschen auf die Sicherheit des Impfstoffs vertraut und waren bereit, sich selbst impfen zu lassen. 

In Karachi Ost werden im Durchschnitt fast 3.000 Menschen pro Tag geimpft.

Bano sagt, dass die COVID-19-Impfstoffe in Pakistan so gut angenommen werden, dass sie diejenigen, die noch nicht geimpft werden können, dazu bringen müsse, geduldig zu warten, bis sie an der Reihe sind. Vor allem junge Leute riefen sie an, um zu fragen, ob sie sich impfen lassen können. 

Bano arbeitet seit 2018 als Hauptbeauftragte für Impfungen im Distrikt Karachi Ost. Sie ist die einzige Frau mit dieser Rolle in der Provinz und sagt, dass es aufgrund ihres Geschlechts besonders herausfordernd sei. 

Tahira Bano, pictured at her office in Karachi, Pakistan on June 5, 2021, has been working as the district superintendent of vaccination in Karachi East since 2018 and is the only woman to hold this role in the district.
Tahira Bano, pictured at her office in Karachi, Pakistan on June 5, 2021, has been working as the district superintendent of vaccination in Karachi East since 2018 and is the only woman to hold this role in the district.
Image: Khaula Jamil for Global Citizen

Während ihrer Arbeit ist Bano mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs und denkt oft an ihre Sicherheit, wenn sie in einige Gebiete des Distrikts reist. Außerdem wurde sie schon von Impfgegner*innen beschimpft. 

"Es gibt Leute, die... leicht die Beherrschung verlieren und anfangen zu schreien", sagt sie. Einige seien dagegen, dass ihre Kinder geimpft werden. "Ich werde mit diesen Problemen konfrontiert, wenn ich in Bussen sitze, in [Impf-]Zentren und wenn ich unterwegs bin. Ich muss mir anhören, wie sie schreien: 'Was machst du da? Ihr seid nicht gut. Ihr impft unsere Kinder.'"

In diesen Fällen, sagt Bano, höre sie den Menschen zu und versuche, die Bedeutung von Impfungen zu erklären. Manchmal habe sie Erfolg – vor allem, wenn sie mit anderen Frauen spricht, die sie bereitwillig in ihre Häuser lassen, um mit ihr über das Impfen ihrer Kinder zu sprechen. 

"Frauen vertrauen mir und ich kann sie besser informieren als Männer. Viele Eltern, viele Mütter, die [gegen Impfungen für ihre Kinder] sind, lassen sich überzeugen", sagt sie. 


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Diese Serie wurde mit Unterstützung durch die Bill and Melinda Gates Stiftung ermöglicht. Jeder der Beiträge ist redaktionell unabhängig erstellt worden.