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Asselin/UNICEF
Frauenrechte

Nachdem eine 10-Jährige in Somalia an Genitalverstümmelung verblutet, wird erstmals Anklage erhoben

Ein 10-jähriges Mädchen starb in einem Krankenhaus in Somalia, nachdem man sie der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM) unterzogen hatte.

Abdirahman Omar Hassan, der Direktor des Krankenhauses Hanano in der Stadt Dhusamareb, hatte mit seinem Team noch versucht, das Mädchen zu retten. Doch sie sei verblutet, sagte Hassan dem Nachrichtensender VOA Somali.

Die 10-Jährige sei am 17. Juli ins Krankenhaus gebracht worden, nachdem sie zwei Tage zuvor in einem Dorf, 40 Kilometer nördlich von Dhusamareb, beschnitten wurde.

„Sie wurde am frühen Abend hergebracht. Wir eilten alle in die Notaufnahme, als wir von ihrer Situation erfuhren“, sagte Hassan gegenüber VOA Somali.

Untersuchungen zeigten, dass das Mädchen sich zudem mit Tetanus-Erreger infiziert hatte, weil die Gegenstände, die bei der Beschneidung benutzt wurden, nicht steril waren, so der Arzt.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation weist Somalia weltweit eine der höchsten Rate von weiblicher Genitalverstümmelung auf. Rund 98 Prozent der Mädchen und Frauen zwischen 15 und 49 Jahren sind in dem ostafrikanischen Land beschnitten.


FGM (kurz für “Female Genital Mutilation”, weibliche Genitalverstümmelung) ist ein globales Problem, dass es vermehrt in Afrika, Asien, aber auch in Südamerika und Europa gibt. Nach Schätzungen des EU-Parlaments leben in der Europäischen Union rund 500.000 von weiblicher Genitalverstümmelung betroffene Frauen und Mädchen.
In vielen Ländern und Kulturen ist es ein Ritual, dass „ein Mädchen zur Frau werden lässt“. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden Mädchen meist vor dem 15. Lebensjahr beschnitten. Der Eingriff führt oft zu Blutungen, Infektionen, Problemen beim Wasserlassen und Komplikationen bei der Geburt.
Je nach Region und Tradition, werden Frauen unterschiedlich beschnitten. Die Formen der Beschneidung werden in vier Kategorien eingeteilt – je nachdem, wie viel des weiblichen Genitalbereichs beschnitten oder sogar auch zugenäht wird. In Somalia wird Typ III am häufigsten praktiziert. Bei rund 63 Prozent der Frauen wird nach der Methode das gesamte äußerlich sichtbare Genital herausgeschnitten und die offene Wunde bis auf ein kleines Loch zugenäht. Bei rund 25 Prozent der Frauen wird der äußerlich sichtbare Teil der Klitoris und der inneren Schamlippen mit oder ohne Beschneidung der äußeren Lippen entfernt.

„Sie haben die Klitoris entfernt, eine Seite der Vulva war abgeschnitten, die andere Seite war an drei Stellen verwundet“, sagte Hassan. „Ich habe noch nie zuvor in meinem Leben jemanden gesehen, der so verstümmelt wurde.“

Der Vater des Mädchens sei bestürzt, dass er seine Tochter verloren habe, verteidigte jedoch die Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung. Er akzeptierte die Tatsache, dass seine Tochter bei der Prozedur gestorben ist. Er glaubt, „Allah habe sie zu sich geholt“.

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„Die Leute in der Gegend sind damit [mit FGM] einverstanden, ihre Mutter hat dem zugestimmt", sagte Dahir Nur und fügte hinzu: „Wir haben die Auswirkungen gesehen, aber es ist in dem Land, in dem wir leben, eine Kultur.“

Nur sagt weiter, er würde niemanden für den Tod seiner Tochter verantwortlich machen.

Doch Somalias Generalstaatsanwaltschaft sieht das anders und hat diesen Fall zum Anlass genommen, um zum allerersten Mal eine Anklage wegen Genitalverstümmelung in die Wege zu leiten.

Die Ankündigung wurde von Aktivisten und Nichtregierungsorganisationen als historischer Moment beschrieben.

Auf einer Konferenz zum Thema FGM in Somalias Hauptstadt Mogadischu sagte Generalstaatsanwalt Ahmed Ali Dahir, er habe ein Team von zehn Ermittlern zur Befragung der Eltern des Mädchen sowie der Person geschickt, die den tödlichen Eingriff durchgeführt hat.