Stell dir die Karte der Welt vor. Wenn du Schwierigkeiten hast, dich an die Details zu erinnern, liefern wir dir eine visuelle Hilfe.

Grafik von Darnelle Fortune

Mitten im Zentrum und mit der zweitgrößten Fläche liegt Afrika. Es ist ein Kontinent, der im Vergleich zu den anderen fast unmöglich zu übersehen ist. Man müsste sich wirklich anstrengen, um den Kontinent überhaupt nicht zu sehen. Aber genau das passiert, oder? Afrika und ihre Probleme werden von einem großen Teil der Welt übersehen - und ein wesentlicher Grund dafür ist, dass die Medien keinen Raum schaffen, um über Afrika und ihre Krisen zu berichten.

Zu Beginn jedes Jahres veröffentlichte die Hilfsorganisation CARE International einen Bericht, der die 10 am wenigsten gemeldeten Krisen des vorherigen Jahres auflistet. Der kürzlich veröffentlichte Bericht von 2023 zeigt, dass die Liste der Länder mit den am wenigsten gemeldeten Krisen in der Welt zum zweiten Mal in Folge ausschließlich afrikanische Länder umfasst. Damit soll nicht gesagt werden, dass andere Kontinente und die in ihnen befindlichen Länder keine Krisen haben oder dass eine Krise schädlicher ist als eine andere. Es soll darauf hingewiesen werden, dass es einen großen Bedarf gibt, der unbemerkt bleibt - und je länger der Bedarf unbemerkt bleibt, desto länger dauert es, ihn zu beheben.

Auf die Frage, warum Afrikas Geschichten von vielen Medien unbeachtet bleiben, sagte David Mutua, Regionaler Kommunikationsberater für CARE Ost-, Zentral- und Südafrika: "Hier spielen eine Reihe systemischer Faktoren eine Rolle, darunter Zugang, geopolitische Interessen, internationale Politik und globale Machtstrukturen, die die Medienberichterstattung bestimmen."

Er fuhr fort: "Die Medien berichten über das, was ihr Publikum am meisten interessiert. Medienhäuser haben drastische Veränderungen durchgemacht, die die Größe ihrer Belegschaft und daher den Umfang der Ressourcen beeinflusst haben, die für die Krisenberichterstattung eingesetzt werden können. Es ist wichtig, Möglichkeiten zu finden, das Publikum für Krisen zu interessieren und damit mehr Medieninteresse zu wecken."

Im besten Fall haben Medien die Macht, den Ton und die Interessen des Rests der Welt zu bestimmen. Sie verfügen auch über die Plattformen, auf denen sie Regierungsmächte dazu aufrufen können, die dringend benötigte Unterstützung zur Bekämpfung von Krisen zu stärken. Eine in der globalen Fachzeitschrift Journalism Studies veröffentlichte qualitative Studie untersuchte die Auswirkungen von Medien auf die Unterstützung für humanitären Hilfe. Sie zeigte letztlich, dass Medienberichterstattung die Möglichkeit hat, die humanitären Hilfsbudgets für die berichteten Krisen zu erhöhen oder zumindest zu beeinflussen.

Die Studie besagt, dass solche Berichterstattung mehrere andere Rechenschaftsprozesse auslösen, die den Druck auf Entscheider*innen ausüben. Dieser Druck zwinge sie dazu, zusätzliche Finanzmittel anzukündigen, um ihre Legitimität zu erhalten.

Aber wie Mutua beschreibt, verändert sich die Medienlandschaft. Heutzutage sind es nicht nur die Medienhäuser, die die Themen setzen; die Zuschauer*innen müssen sich zuerst für die Themen interessieren. Dies macht es schwierig, dass eine große Anzahl von Krisen in einer globalen Publikation erscheint.

Es handelt sich um ein komplexes Problem, das viele Lösungen erfordert. Eine davon, so schlägt CARE vor, besteht darin, dass Organisationen, die Spenden für humanitäre Krisen aufbringen, mehr in Medienarbeit und freien Journalismus investieren, um notwendige Geschichten zu erzählen.

Es gibt einen Zusammenhang zwischen Fällen, die von Medien zu wenig beachtet werden, und der zu geringen Unterstützung durch finanziell gut ausgestattete Entscheider*innen, die einen Unterschied machen können. Die folgenden Fälle aus dem Jahr 2023 sind beispielgebend für  die Auswirkungen, laut dem Bericht von CARE International: "Das Schweigen brechen: Die 10 am wenigsten gemeldeten humanitären Krisen von 2023".

1. Angola

Probleme: Landminen, Naturkatastrophen und Unterernährung

Das zentralafrikanische Land ist kein unbekanntes auf dieser Liste, doch die dortingen Probleme nehmen nur noch zu. Letztes Jahr berichteten wir darüber, wie Angola seine schlimmste Dürre seit 40 Jahren durchlebt, die immer noch stetig im Süden des Landes anhält und den Zugang zu Nahrung und Finanzen für das landwirtschaftlich geprägte Land einschränkt. Infolgedessen sind Hunger und Unterernährung auf dem Vormarsch, wobei 7,3 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, von denen 2 Millionen Kinder sind.

Doch Dürre ist nicht die einzige Naturkatastrophe, mit der das Land zu kämpfen hat. Angola muss sich mit Sturzfluten, Waldbränden und durch die globale Erwärmung verursachten steigenden Meeresspiegeln auseinandersetzen, die in den kommenden Jahren das Leben von Tausenden von Menschen beeinträchtigen könnten.

Darüber hinaus hat der Bürgerkrieg des Landes von 1975 bis 2002 rund 1 Million nicht explodierte Landminen in seinen wunderschönen Landschaften zurückgelassen, von denen einige bereits 500.000 Menschenleben gefordert haben.

2. Sambia

Problem: Ernährungsunsicherheit

Zambia: Febbie Muleya plants trees from the nursery in Limbuwa B Village, Zambia. "To help the situation, CARE taught us how to plant trees for environmental restoration, gardening for our livelihoods and saving for our capital."
Image: Peter Caton/CARE International

Über 60% der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze, das heißt, sie leben von weniger als 2,15 Dollar pro Tag. Dies hat dazu geführt, dass 2023 1,35 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sind. Die Klimakrise und steigende Weltnahrungsmittelpreise sind die Hauptverantwortlichen.

Die Klimanotlage hat dazu geführt, dass das Wetter zwischen intensiven Dürren und wütenden Stürmen sowie Überschwemmungen hin- und herschwankt, was zu einem Boden führt, der nicht fruchtbar genug ist, um die Landwirtschaft zu unterstützen. Um die Sache noch schlimmer zu machen, eskalieren diese extremen Wetterbedingungen von Jahr zu Jahr.

2024 begann auch mit einem größeren Cholera-Ausbruch, der im Oktober 2023 zum ersten Mal gemeldet wurde. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hat das Afrikanische Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention (CDC) bestätigt, dass es 11.304 Fälle und 448 Todesfälle in neun Provinzen gab.

3. Burundi

Problem: Schwere Unterernährung

A surge in violent conflict and tensions in DRC has forced more than 5 million Congolese from their homes, many of them seeking refuge in neighboring countries, reported UNHCR. A great number of Congolese people affected by the violence have made the crossing into south west Burundi. Most of them have been transferred in camps, waiting for a future that is far from certain.
Image: Ninon Ndayikenguruyike/CARE International

Nach Angaben der Vereinten Nationen hat Burundi eine der höchsten Raten an Unterernährung weltweit, wobei rund 17% der Bevölkerung unter schwerer Ernährungsunsicherheit leiden und 52% der Kinder des Landes chronisch unterernährt sind. Dies wird hauptsächlich durch hohe Inflationsraten verursacht, die den Zugang zu Grundnahrungsmitteln einschränken, sowie durch die Auswirkungen der Klimanotlage auf die Ernährungssicherheit.

Dazu kommt: Das Land ist bereits mit politischen Streitigkeiten und ethnischen Konflikten konfrontiert, die das Problem verschärfen und Vertreibung innerhalb und außerhalb des Landes erhöht haben.

4. Senegal

Probleme: Nahrungsmittelunsicherheit, Geschlechterungleichheit

Senegal hat in nur einem Jahr eine Steigerung der Nahrungsmittelunsicherheit um 60% erlebt. Die weltweite Inflation und die Klimakrise sind die Ursache. Laut CARE haben steigende Lebensmittelpreise dazu geführt, dass 8% der Bürger*innen auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, um Zugang zu Lebensmitteln zu erhalten.

Frauen und Mädchen erleben die schlimmsten Auswirkungen der humanitären Krise im Senegal. Geschlechterungleichheit ist im Land stark ausgeprägt, was bedeutet, dass Frauen nur begrenzten Zugang zu finanziellen Ressourcen und weniger Entscheidungsbefugnissen haben. Laut dem CARE-Bericht macht dies es Frauen schwerer, Widerstandsfähigkeit gegenüber Notfällen aufzubauen und sich an die Klimakrise anzupassen.

5. Mauretanien

Probleme: Aufstand, Naturkatastrophen, Kinderarbeit, Kinderehen

Extremes Wetter belastet dieses der Sahara angrenzende Land stark. Dürren lassen die landwirtschaftlichen Flächen austrocknen und starke Überschwemmungen zerstören den für die Ernten notwendigen Boden. Als Land, das stark auf die Landwirtschaft angewiesen ist, hat das Versagen oder der Verlust von Ernten dazu beigetragen, dass mehr als 1,1 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, um Zugang zu Lebensmitteln zu erhalten.

Das Land hat ebenfalls mit Aufständen zu kämpfen. Infolgedessen steigen die Vertreibungs- und Armutsraten sowie die Nahrungsmittelunsicherheit. Frauen und Kinder sind dabei am stärksten betroffen. Laut CARE sind etwa 12,5% der Kinder im Alter von fünf bis 14 Jahren gezwungen zu arbeiten, und die Arbeitsbedingungen können körperlichen Missbrauch umfassen. Mädchen werden auch zum Schulabbruch gedrängt, wobei etwa 37% von ihnen vor dem 18. Lebensjahr zur Ehe gezwungen werden.

6. Zentralafrikanische Republik (CAR)

Probleme: Gewalt, Vertreibung, Geschlechterungleichheit, geschlechtsbasierte Gewalt

Eine geschätzte Anzahl von 3,4 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe und Schutz vor Gewalt in der Region. Das Land erlebt seit über einem Jahrzehnt Gewalt. Das heißt, es gibt seit zehn Jahren ununterbrochenen bewaffneten Konflikt und Unsicherheit, was zu stetig steigenden Vertreibungsraten, Nahrungs- und Treibstoffknappheit, eingeschränktem Zugang zu Bildung und Gewalt gegen Frauen geführt hat.

Die zentralafrikanische Republik wurde von Kämpfen heimgesucht, die Vertreibung direkt beeinflussten, da der Krieg im Sudan und regionale Konflikte im Tschad die Anzahl der Geflüchteten in der Zentralafrikanischen Republik erhöht haben.

Die Zentralafrikanische Republik hat auch einige der höchsten Raten an Geschlechterungleichheit weltweit, sie rangiert auf Platz 188 von 191 Ländern in Bezug auf Geschlechtergleichheit. Laut CARE, das schätzt, dass nur 55% der Kinder insgesamt die Grundschule abschließen, stellen Mädchen die größere Gruppe der außerschulischen Kinder dar und absolvieren durchschnittlich nur 3,8 Schuljahre. Geschlechtsspezifische Gewalt ist ebenfalls ein großes Problem, wobei in der Nation etwa alle 30 Minuten eine Frau oder ein Mädchen Gewalt erfährt.

7. Kamerun

Probleme: Konflikt, Nahrungsmittelunsicherheit

“Als wir flohen, hatten wir nichts. Wir schliefen unter freiem Himmel und die Dorfbewohner*innen halfen uns, indem sie uns Töpfe und Decken gaben. Hinter uns war alles in Flammen. Wir rannten zum Fluss und sprangen in Kanus, um uns zu retten."

Das sind die Worte von Linda, 45, die mit ihren fünf Kindern vor dem anhaltenden bewaffneten Konflikt in Kamerun floh, um im Nachbarland Tschad Asyl zu suchen.

Etwa jeder sechste Mensch in Kamerun benötigt humanitäre Hilfe, in einem Land, das von bewaffneter Gewalt im Nordwesten und Südwesten der Nation geprägt ist. Schätzungsweise stehen 3 Millionen Menschen vor akuter Nahrungsmittelunsicherheit, die auf durch Konflikte und Klima bedingte Faktoren zurückzuführen ist. CARE prognostiziert, dass die Zahl der Menschen in Not von Notfallhilfe in diesem Jahr um 45% steigen könnte.

8. Burkina Faso

Probleme: Extreme Armut, Gewalt, Nahrungsmittelunsicherheit

Burkina Faso erlebt die schlimmste humanitäre Krise seiner Geschichte, was kurz vor 2030 nicht passieren sollte, dem Jahr auf das  die Ziele für nachhaltige Entwicklung abzielen.

Das Land ist eines der ärmsten der Welt, mit 8,8 Millionen Menschen, die unter der Armutsgrenze leben und 4,7 Millionen Menschen, die auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Der größte Teil davon ist auf andauernde regionale Konflikte zurückzuführen, die auch dazu geführt haben, dass rund 800.000 Menschen vom Rest des Landes isoliert sind, da sie in Gebieten leben, die von bewaffneten Gruppen kontrolliert werden.

Die Klimakrise verschlimmert die Situation, da das unvorhersehbare Wetter die Landwirtschaft negativ beeinflusst hat, von der über 80% der Bürger*innen abhängig sind, um täglich Nahrung zu haben. Das bedeutet nicht nur, dass der Zugang zu Nahrung und Wasser aufgrund von Gewalt eingeschränkt ist, sondern auch, dass es, wenn es Zugang gibt, nicht genug davon gibt.

9. Uganda

Probleme: Vertreibung, Nahrungsmittelunsicherheit, Müttersterblichkeit

This image is part of CARE Norway’s campaign to mark the international Menstrual Hygiene Day. Several girls were interviewed about the challenges of menstruation in a refugee setting. One of them was Alice Mugeni. Alice is pictured here carrying her son (Josiah Ninziza Sangwa) while at home.
Image: Hajarah Nalwadda/CARE Uganda

Das kleine ostafrikanische Land beherbergt mehr Geflüchtlinge als jedes andere Land auf dem afrikanischen Kontinent. Uganda nimmt seit 2017 eine große Anzahl von Geflüchteten aus Nachbarländern wie Südsudan, der Demokratischen Republik Kongo, Somalia und Burundi auf.

Mit begrenzten Ressourcen wie Nahrung und Wasser - insbesondere da die Klimakatastrophe 2023 Überschwemmungen, Dürren, Waldbrände und Hagelstürme nach Uganda gebracht hat, was die Landwirtschaft und die Ernährungssicherheit direkt beeinträchtigt - steigt der Druck, Unterbringung, Gesundheitsversorgung, Bildung und Ernährung für Geflüchtlinge und Einheimische bereitzustellen.

Hinzu kommt, dass der eingeschränkte Zugang zu Gesundheitsversorgung infolge mangelnder Investitionen in Gesundheitseinrichtungen insgesamt zu hohen Beschäftigungsquoten beigetragen hat. Frauen und Mädchen haben häufig keinen Zugang zu Informationen und Verhütungsmitteln zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit, insbesondere Jugendliche.

10. Simbabwe

Probleme: Armut, Nahrungsmittelunsicherheit, Dürre, Krankheit

Zimbabwe: 13-year-old Ellen is an orphan who spends hours every day collecting water for her household. She misses her mother and wishes she could live with a family who looked after her better - some women have offered to take her away, but her aunt insists she stays there and supports the household. She misses out on school because her aunt cannot afford to pay the school fees. The only water source in her village is a dirty river. It takes her two hours to make the journey, but the water is contaminated and makes her sick, and it’s unsafe - crocodiles live in the river, and older men there to pan for gold have been known to abuse young girls just like her. She needs her community’s borehole rehabilitated by CARE as soon as possible.
Image: John Hewat/CARE International

Fast die Hälfte der Bevölkerung in Simbabwe ist von extremer Armut betroffen, die sich durch geringe Einkommen, klima- und inflationsbedingte Nahrungsmittelknappheit, hohe Inflationsraten und steigende Gesundheitsprobleme auszeichnet.

Die Landwirtschaft ist die wichtigste Einnahmequelle des Landes, jedoch haben die intensiven Dürren und anschließenden schweren Überschwemmungen durch den Klimanotstand die Ernten beeinträchtigt. Mit 70% der Bevölkerung, die von Regen-abhängiger Landwirtschaft abhängig ist (was bedeutet, dass Regen die einzige Form der Bewässerung ist), ist ihre Einkommensquelle zerstört, wenn starke Regenfälle Felder überfluten und beschädigen.

Das Land erlebt auch eine Zunahme von wasserabhängigen Krankheiten wie Typhus und Cholera. Dies wird durch den Mangel an Zugang zu sicherem Trinkwasser verursacht, was eine Folge von extremem Wetter sein kann, das den Zugang zu sicherem, trinkbarem Wasser beeinträchtigt.

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Ein Beitrag von Khanyi Mlaba