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Gesundheit

8 Fragen zum Coronavirus, die zu stellen dir vielleicht peinlich sind

Warum das wichtig ist
Die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (UN) habe das Ziel, bis 2030 eine Welt ohne extreme Armut und Hunger zu schaffen und allen Menschen Zugang zu Gesundheitssystemen zu geben. Während der COVID-19-Pandemie wird deutlich, wie unterschiedliche die Gesundheitsversorgung in den Teilen der Welt ist und wie viele Fragen es im Umgang mit dem Virus gibt. Deshalb haben wir Global Citizens dazu aufgerufen, ihre Fragen zu stellen. Im untenstehenden Text erfahrt ihr die Antworten – und hier könnt ihr mit uns gegen COVID-19 aktiv werden. 

Es ist schon etwa drei Monate her, als die meisten Länder der Welt Grenzen, Geschäfte und Co schlossen, um sich gegen die Covid-19-Pandemie zu schützen. Doch noch immer stehen viele Fragen im Raum.

Zum Beispiel: Helfen Stoff-Masken wirklich? Was genau passiert, wenn ich getestet werde? Und ist es gefährlich, öffentliche Toiletten zu benutzen?

Dabei gilt auch hier das wohlbekannte Sprichwort: Dumme Fragen gibt es nicht. Immerhin können wir nicht alle so viele akademische Titel wie Professor Chris Whitty CB FRCP FFPH FMedSci Hon FRCPCH Hon FFPM haben. Er ist Epidemiologe und höchster Gesundheitsberater der britischen Regierung – also so eine Art britischer Christian Drosten. Da bereits viele Informationen im Umlauf sind, kann es aber unangenehm sein, Fragen zu stellen, von denen man glaubt, jeder außer einem selbst kennt bereits die Antwort.

Aus diesem Grund haben wir unsere Instagram- und Facebook-Follower*innen um ihre Fragen zur Corona-Pandemie gebeten und sie mithilfe von internationalen, vertrauenswürdigen Quellen beantwortet. Los geht’s: 

1) Sollte ich meine Einkäufe mit Wasser und Seife waschen? Wie lange überlebt das Virus auf Oberflächen?

Von Alicia Fox auf Facebook und von @heldervvasconcelos auf Instagram

Berichten zufolge überlebt das Virus bis zu 24 Stunden auf Karton und bis zu 72 Stunden auf Kunststoff und Stahl. Auf Kupfer überlebt es vier Stunden, in der Luft etwa drei Stunden. Doch das Infektionsrisiko durch Viruspartikel auf Oberflächen wird laut dem New England Journal of Medicine im Laufe dieser Zeitspannen immer geringer.

Aus diesem Grund haben die Centers for Disease Control (CDC), eine Behörde des US-amerikanischen Gesundheitsministeriums, empfohlen, dass Verbraucher*innen ihre Lebensmittelverpackungen nicht desinfizieren müssen. Es sei lediglich sinnvoll, sich die Hände zu waschen, nachdem Produkte berührt wurden, die womöglich vorher andere in den Händen hatten. 

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“Derzeit gibt es keinen bestätigten Fall von Covid-19, der durch Lebensmittel oder Lebensmittelverpackungen übertragen wurde”, so die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Anders sieht es bei sehr häufig berührten Gegenständen in der Öffentlichkeit aus, etwa Supermarktregalen oder Türgriffen. Gelangt das Virus von dort auf die Hände und dann ins Gesicht, kann es zu einer Infektion kommen. Da einige Reinigungsprodukte das Coronavirus nicht abtöten, ist richtiges Händewaschen wichtiger als Desinfektion, wie ein Experte der University of Florida gegenüber New Scientist erklärte. Die CDC haben eine Liste von Desinfektionsmitteln veröffentlicht, die gegen das Coronavirus wirksam sind.

2) Funktionieren waschbare Stoffmasken? 

Von Rench Zeus Ramos auf Facebook

Die WHO hat kürzlich ihren Standpunkt zu Mund-Nasen-Schutzmasken geändert. Aufgrund neuer Studienergebnisse empfiehlt die WHO nun, in überfüllten Räumlichkeiten eine Maske zu tragen. Auch für Orte, an denen man die Abstandsregel nicht einhalten kann, gilt die neue Regel - zum Beispiel in Straßenbahnen.

"Überall dort, wo es zu Übertragungen in der Öffentlichkeit kommen kann, raten wir Menschen über 60 Jahren oder Menschen mit Vorerkrankungen zudem, eine medizinische Maske zu tragen", erklärte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Zuvor hatte die WHO Mund-Nasen-Schutzmasken nur für Menschen empfohlen, die entweder Patient*innen mit Symptomen pflegen oder selbst husten und niesen. Nur ein paar Länder hatten sich für abweichende Regelungen entschieden, in Deutschland etwa gibt es eine Maskenpflicht in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln.

Diese großen Unterschiede im Umgang mit Maskenschutz zwischen den Ländern liegen daran, dass es nicht so viele wissenschaftliche Belege gibt. Paul Hunter von der University of East Anglia in Großbritannien hat 31 veröffentlichte Studien über die Wirksamkeit von Gesichtsmasken analysiert, fand die Beweise aber sehr widersprüchlich. 

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“Unserer Ansicht nach gibt es einige Hinweise auf einen gewissen Schutz, wenn auch keinen großen”, sagte Hunter.

Die einfache Antwort lautet also: Waschbare Stoffmasken funktionieren zwar bis zu einem gewissen Grad. Man sollte beim an- und wieder abnehmen darauf achten, sein Gesicht nicht zu berühren und sich bestenfalls vor und nach dem Aufsetzen der Maske die Hände waschen. 

Besonders wichtig ist, dass das Gesundheitspersonal an vorderster Front die medizinischen Gesichtsmasken nutzt. Damit Krankenhäuser ausreichend Zugang dazu haben, sollten alle anderen auf Stoffmasken zurückgreifen.

3) Kann ich mich auf einer öffentlichen Toilette infizieren?

Von @majosous auf Instagram

Öffentliche Toiletten sind aus diversen Gründen eine riskante Sache – nicht nur wegen der Frage, wie man möglichst den Kontakt mit der Klobrille vermeidet.

Zwar ging es bei der Untersuchung nicht um Coronaviren, doch Forscher*innen der Universität von Connecticut und der Universität Quinnipiac fanden 2018 heraus, dass Händetrockner Bakterien in der Luft massiv vermehren. Es ist nicht ganz klar, ob das auch auf das Coronavirus zutrifft – aber es schadet nicht, sicherheitshalber Papierhandtücher oder Toilettenpapier zu nutzen.

Zudem sind öffentliche Toiletten meist eng. Den Mindestabstand einzuhalten ist quasi unmöglich. Deshalb haben australische Expert*innen sogar gefordert, öffentliche Toiletten künftig so zu bauen, dass Körperkontakt gänzlich vermieden wird – etwa mit selbstreinigenden Kabinen, Wasserhähnen mit Sensoren und automatischen Türen.

Einige frühe Forschungen aus China deuten zudem darauf hin, dass das Virus durch Fäkalien übertragen werden könnte. Laut den CDC jedoch gibt es keinen Beweis dafür, dass sich jemand tatsächlich auf diese Weise mit dem Virus angesteckt hat. Vor dem Hintergrund der Pandemie 2002/2003 sei davon auszugehen, dass das Risiko gering ist. 

Dennoch sollte man sich vor “aerosolisierten Fäkalien” hüten. Das sind Partikel, die laut einer Studie der Association for Professionals in Infection Control and Epidemiology aus dem Jahr 2013 beim Spülen der Toilette in die Luft aufsteigen. 

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Lässt es sich nicht verhindern, ein öffentliches WC zu nutzen, sollte man den Toilettendeckel deshalb vor dem Spülen schließen, das stoppt etwa 80 Prozent der Partikel. Zudem ist es wichtig, Papiertücher zu nutzen, um Dinge zu berühren sowie die Hände entsprechend der WHO-Richtlinien zu waschen.

4) Tötet Kälte (etwa im Kühlschrank oder der Gefriertruhe) das Virus ab?

Von Marcy Slater auf Facebook

Kurz gesagt: Wir wissen es nicht genau. Aber wahrscheinlich nicht.

Die WHO hat klargestellt, dass es keine Daten gibt, die darauf hindeuten, dass das Virus durch Kälte abgetötet werden kann. Obwohl das Einfrieren die Ausbreitung von Bakterien verlangsamen kann, gibt es derzeit keinerlei Hinweise darauf, dass es die Übertragung von Covid-19 stoppt. Im Grunde genommen muss dies noch stärker untersucht werden. 

Wer sich Sorgen über Coronaviren auf der Nahrung macht, kann zwei Dinge tun: sie vor dem Essen gut waschen sowie gut durchkochen. Wir haben es vielleicht schon erwähnt: Auch sich vor und nach der Zubereitung die Hände zu waschen, ist sinnvoll (nur damit das hier noch mal gesagt wird). 

5) Wie hoch ist das Risiko, sich in einem klimatisierten Büro trotz Mindestabstand anzustecken?

Von @kristeltecla auf Instagram

Die eigentliche Frage hier ist: Werden Aerosole – die winzigen Tröpfchen, die beim Husten oder Atmen austreten und Viruspartikel tragen können – durch Klimaanlagen verteilt?

Auch hier gibt es nicht genügend Daten. Es ist zwar sehr unwahrscheinlich, dass eine Klimaanlage die Tröpfchen über weite Strecken transportiert, etwa in einem großen Supermarkt. Möglich ist aber, dass Viruspartikel durch die Klimaanlage länger überleben und über zumindest kurze Entfernungen getragen werden. 

Beispielsweise ergab eine Studie über ein Restaurant in China zwischen Januar und Februar, dass sich drei verschiedene Familien in einer Nacht mit dem Virus infiziert haben. Ein betroffener Gast ohne Symptome habe vor einer Klimaanlage gesessen, die größere Tröpfchen über mehr als einen Meter weit transportieren konnte.

Ein Experte bestätigte die Theorie in Bezug auf diesen Fall gegenüber der HuffPost, betonte aber, dass dies “in keiner Weise impliziert, dass [Covid-19] durch Klimaanlagen verbreitet wird”.

6) Wie unterscheiden sich die verschiedenen Tests? Was passiert, wenn man getestet wird?

Von @immicalderwood auf Instagram

In Deutschland ist es im Moment so: Man muss einen Abstrich aus der Nase und dem hinteren Teil des Rachens abgeben – etwa in einer Drive-in-Station oder bei einem Team, das zu einem nach Hause kommt. Dieser Abstrich-Test ist weltweit am stärksten verbreitet. Aber das Ergebnis ist nur eine “Momentaufnahme”, in dem der oder die Patient*in den Test gemacht hat – es kann also sein, dass die getestete Person das Virus schon hatte, auch wenn der Test negativ ist.

Es gibt noch einen weiteren Testtyp: den Antikörpertest. Dabei handelt es sich um einen Bluttest, der nach den Proteinen sucht, die das Immunsystem zur Abwehr des Virus entwickelt. Der Test kann also zeigen, ob ein Mensch in der Vergangenheit infiziert war. Die CDC sagen jedoch, dass es nach der Infektion eine bis drei Wochen dauern kann, bis diese Antikörper freigesetzt werden. Am 27. Mai aktualisierten sie ihre Richtlinien, da bekannt geworden war, dass die Ergebnisse jedes zweiten Tests falsch sein könnten.

In einigen Ländern wird grundsätzlich nicht genug getestet. Nach Angaben der Africa Centres for Disease Control and Prevention wurden bis Mitte Mai auf dem gesamten Kontinent nur 1,3 Millionen Tests durchgeführt - weniger als in Großbritannien. Möglicherweise bleiben also viele Fälle unentdeckt.

Organisationen wie die Foundation for Innovative New Diagnostics (FIND) arbeiten mit der WHO und anderen zusammen, um die Testmöglichkeiten in den ärmsten Ländern der Welt zu verbessern. Doch die FIND braucht finanzielle Mittel, um diese Aufgabe zu erfüllen: 6 Milliarden Dollar (etwa 5,4 Milliarden Euro) sind erforderlich, um in den nächsten 12 Monaten Schnelltests herzustellen, die schätzungsweise 9 Millionen Menschenleben retten können.

Werde hier mit uns aktiv und bringe Regierungen auf der ganzen Welt dazu, FIND zu unterstützen.

7) Kann man Covid-19 nach einer überstandenen Infektion erneut bekommen?

Von Jeannette Louw auf Facebook

Es gibt bisher keine wissenschaftlichen Berichte über erneute Ansteckungen. Als in Südkorea einige genesene Patient*innen ein zweites Mal positiv getestet wurden, stellte die WHO klar, dass es sich dabei um “falsch-positive” Fälle handelte.

Doch um ehrlich zu sein, gibt es auch auf diese Frage noch keine endgültige Antwort. Zwei am 20. Mai veröffentlichte Studien ergaben, dass Affen, die Covid-19 überstanden haben, gegen erneute Infektionen immun waren. Am belastbarsten ist aber womöglich der Vergleich mit ähnlichen Coronaviren, die bereits besser erforscht sind:

“Wir wissen aus 'normalen' Coronaviren-Studien aus der Vergangenheit, dass sich Menschen etwa ein Jahr nach der Erstinfektion erneut anstecken können”, sagte Dr. Ben Killingley, ein Experte für Infektionskrankheiten am University College London, gegenüber dem Guardian.

8) Wann wird es einen Impfstoff geben und wer wird ihn zuerst erhalten?

Ab @rmc10201002 auf Instagram

Die Welt arbeitet in Rekordgeschwindigkeit an der Entwicklung von wirksamen Impfstoffen. In einem wissenschaftlichen Paper der Universität Rotterdam aus dem Jahr 2013 wurde festgestellt, dass es durchschnittlich 10,7 Jahre dauert, einen Impfstoff zu entwickeln. Die aktuelle Schätzung für den Covid-19-Impfstoff ist jedoch eine Dauer zwischen 12 und 18 Monaten. Wenn sich die Schätzung bewahrheitet, wäre das ein historischer Rekord.

Derzeit befinden sich 224 potenzielle Impfstoffe in der Entwicklung. Das ehemalige WHO-Vorstandsmitglied Jane Halton hat jedoch vor “Impfstoff-Nationalismus” gewarnt. Sie befürchtet, dass das Land, das erfolgreich einen Impfstoff herstellt, darauf bestehen wird, zuerst seine eigenen Bürger*innen zu impfen statt besonders gefährdete Menschen oder Angestellte des Gesundheitssystems auf der ganzen Welt zu bevorzugen.

“Im Moment stecken wir alle im selben Boot”, sagte Halton gegenüber dem Guardian. “Sobald es einen Impfstoff gibt, fürchte ich, dass wir... vielleicht nicht mehr ganz so stark zusammenhalten wie bisher.”

Es gibt jedoch Organisationen, die an Plänen arbeiten, wie der Impfstoff gerecht verteilt werden kann. Die WHO etwa arbeitet an einer Liste von “vorrangigen Empfänger*innen”. Und die Impfallianz Gavi hat die vergangenen 20 Jahre damit verbracht, Versorgungsketten aufzubauen, um Impfstoffe auch den ärmsten Gemeinden der Welt zugänglich und für alle Menschen bezahlbar zu machen.

Die Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI), die Impfstoff-Entwicklungsprojekte auf der ganzen Welt finanziert, hat zudem mit allen Partnern eine Vereinbarung für gerechte Verteilung getroffen. Außerdem wird jeder erfolgreiche Impfstoff der von CEPI finanzierten Projekte in mehreren Ländern hergestellt, sodass eine globale Verteilung gewährleistet ist.

Hier kannst du mit uns aktiv werden, um die Staats- und Regierungschefs der Welt aufzufordern, die CEPI und Gavi im Rahmen der Kampagne “Global Goal: Unite for Our Future” zu unterstützen.