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Pictured, a young girl who was married at 13 years old.
Albert González Farran/UNAMID
Frauenrechte

Alles was du über Kinderehen wissen musst

Warum das wichtig ist
Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist entscheidend für eine nachhaltige Entwicklung weltweit. Kinderehen hindern Mädchen und Frauen jedoch häufig daran, zur Schule zu gehen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Im Rahmen der 17 nachhaltigen Entwicklungsziele haben sich die Vereinten Nationen vorgenommen, Kinderehen bis 2030 zu beenden. Werde aktiv und setze dich mit Global Citizen dafür ein, dass Frauen und Mädchen auf der ganzen Welt selbst über ihren Körper und ihr Leben bestimmen können.

Was bedeutet Kinderehe?

Kinderehe ist die Verheiratung eines Kindes unter 18 Jahren. Meist sind Mädchen betroffen, die mit mit einem älteren Mann verheiratet werden.

Weltweit leben mehr als 700 Millionen Frauen, die vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet wurden – ein Drittel von ihnen sogar vor ihrem 15. Geburtstag.

Kinderheirat bedeutet, ein junges Mädchen von seiner Familie und seinen Freunden zu trennen und es einem fremden Mann zu übergeben – als wäre sie eine Ware. Mädchen werden aus ihrer Kindheit gerissen: Anstatt zu spielen und zur Schule zu gehen, wird von den Mädchen erwartet, dass sie die Pflichten einer Ehefrau übernehmen, einen Haushalt führen und eine Familie gründen.

Was sind die Gefahren für Kinderbräute?

Kinderbräute werden oft gezwungen, die Schule zu verlassen, sie sind eher unterernährt und vermehrt häuslicher Gewalt ausgesetzt. Sie werden schwanger bevor ihre Körper dazu bereit sind und häufig kommt es während der Schwangerschaft oder Geburt zu Komplikationen. In vielen Fällen erleiden Mädchen Fehlgeburten oder sterben während der Geburt. Außerdem verringert die unzureichende Gesundheitsversorgung die Überlebenschancen der Mädchen und ihrer Babys.

Kinderheirat ist eine schwere Verletzung der Freiheitsrechte von Mädchen. Ihnen wird häufig die Chance auf ein gesundes, sicheres und selbstbestimmtes Leben genommen – egal, ob die Ehe gesetzlich anerkannt ist oder es sich um eine informelle Vereinigung handelt.

Die meisten Länder haben bereits Gesetze gegen Kinderehen erlassen. Solange diese Gesetze aber nicht durchgesetzt und von der Bevölkerung unterstützt werden, bewirken sie wenig.

Wo kommen Kinderehen vor?

Kinderehen kommen auf der ganzen Welt vor. Am weitesten verbreitet sind sie jedoch in Entwicklungsländern, allen voran in Ländern in Subsahara-Afrika und in Südasien.

Laut dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) lebt fast die Hälfte aller Kinderbräute weltweit in Südasien. Allein in Indien leben mehr als zehn Millionen Mädchen, die vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet wurden. Damit hat Indien die höchste Anzahl an Kinderbräuten der Welt, gefolgt von Bangladesch, Nigeria und Brasilien.

Auch die Einführung eines gesetzlichen Mindestheiratsalters von 18 Jahren, hat in Bangladesch wenig bewirkt. Noch immer gibt es dort mehr als zwei Millionen Kinderbräute.

Prozentual gesehen, ist der Anteil an Kinderehen im westafrikanischen Niger am höchsten. Rund 77 Prozent der Frauen im Alter von 20 bis 49 Jahren wurden dort vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet – in der Regel mit mindestens zehn Jahre älteren Männern.

Rund 88 Prozent aller Länder weltweit legten zwar ein gesetzliches Mindestheiratsalter von 18 Jahren fest, erlauben es allerdings weiter, Kinder mit Zustimmung der Eltern zu heiraten, berichtete das World Policy Center.

Warum werden Kinderehen geschlossen?

Armut, traditionelle Glaubensvorstellungen und soziale und geschlechtsspezifische Ungerechtigkeit fördern die Praktik der Kinderehe.

In den meisten Fällen spielt Armut die größte Rolle. Für viele Eltern in den ärmsten Regionen der Welt bedeuten Töchter eine finanzielle Belastung. Viele sehen in der frühen Verheiratung ihrer Töchter die Chance, dank des teilweise hohen Preises, die die Familie des Bräutigams zahlt, Schulden zu begleichen oder der Armut zu entkommen.

Die Wahrscheinlichkeit früh verheiratet zu werden ist laut aktuellen Daten für Mädchen aus den ärmsten 20 Prozent der Familien doppelt so hoch wie für Mädchen aus den reichsten 20 Prozent der Familien, berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch.  

Ein weiterer Faktor ist die Mitgift. In Ländern, in denen die Mitgift von der Familie der Braut bezahlt wird, entscheiden sich Eltern häufig für eine frühe Heirat ihrer Töchter. Denn für jüngere Bräute muss weniger Mitgift bezahlt werden als für ältere. In manchen Fällen wird die Ehe zweier Kinder gleichzeitig arrangiert, als eine Art “Pauschalangebot”. Im Jemen zum Beispiel heiratete ein 13-jähriges Mädchen einen Mann, der doppelt so alt war, während ihr Bruder dessen Schwester heiratete. Das Mädchen starb vier Tage später an inneren Blutungen, die vermutlich auf sexuelle Handlungen zurückzuführen waren.

« In many societies, marriage is a celebrated institution signifying a union between two adults and the beginning of their future together. Unfortunately, millions of girls still suffer from a vastly different marriage experience every year. Worldwide, many brides are still children, not even teenagers. So young are some girls that they hold onto their toys during the wedding ceremony. Usually these girls become mothers in their early teens, while they are still children themselves. The practice, though sheathed in tradition, can result in profound negative consequences for the girls, their families and their entire communities. Join us in our mission to protect girls’ rights and end child marriage. » And since every voice counts, share, like, support and follow @TooYoungToWed #ENDCHILDMARRIAGE #TOOYOUNGTOWED « Dans de nombreuses sociétés, le mariage est une institution célébrée signifiant union entre deux adultes et début de leur avenir ensemble. Malheureusement, pour des millions de filles mariées chaque année, la réalité est infiniment plus sombre. Dans le monde entier, de nombreuses épouses sont encore des enfants, pas même des adolescentes. Certaines de ces filles sont si jeunes qu’elles ne lâchent pas leurs jouets pendant la cérémonie du mariage. Ces filles deviennent généralement mères au début de leur adolescence alors qu’elles sont encore enfants elles-mêmes. La pratique, bien qu’ancrée dans la tradition, peut avoir des conséquences profondément préjudiciables pour les filles, leur famille et leur communauté entière. Protégeons les droits des filles. Mettons fin au mariage précoce. » Et parce qu’une seule voix peut faire toute la différence, partagez, likez et abonnez-vous à @TooYoungToWed #ENDCHILDMARRIAGE #TOOYOUNGTOWED Photo credit: http://tooyoungtowed.org/ #childabuse #bride #kids #girls #girlsrights #wedding #marriage #bridesforsale #daughtersforsale

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Auch Traditionen spielen eine große Rolle. In einigen Ländern, etwa Äthiopien, markiert die Kinderehe den Übergang vom Mädchen zur Frau.

In anderen Ländern müssen Mädchen “jungfräulich” verheiratet werden, da sie sonst ihr Ansehen und das ihrer Familie beschädigen. Denn Mädchen, die keine Jungfrau mehr sind, gelten in vielen Kulturen als “ungeeignet” für die Ehe. Um die Familienehre nicht zu gefährden, verheiraten Eltern ihre Töchter deshalb besonders früh.

Radha, 15, observes herself in a cracked mirror the day before her wedding in the state of Rajasthan, India. Her 5-year-old cousin was married later that night, images of that wedding can be seen on the @tooyoungtowed website. Despite recent advances in the global effort to end child marriage, the practice of marrying girls off at young ages persists in more than 50 countries and spans many cultures and all major religions. National Geographic Magazine featured this village in its June 2011 story on child marriage. Too Young to Wed a nonprofit NG photographer Stephanie Sinclair founded not long after our story ran, is now raising funds through a week long sale of hand printed & signed photographic prints. 100% of all proceeds received will support @tooyoungtowed's programming to help girls in areas where child marriage is rampant. MAKE CHANGE WITH US by purchasing a print before the fundraiser ends on Sept. 20th, visit: TOOYOUNGTOWED.ORG/PRINTSALE. Photo by Stephanie Sinclair @stephsinclairpix #photojournalism #photooftheday #india #tooyoungtowed #endchildmarriage #girls #letgirlslearn #girlseducation #makechangewithus #wedding #bride #color #beauty

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Krisen und Kriege verschlimmern die Situation für Mädchen

Die Kinderehe wird besonders in Krisenregionen und Gebieten, die von Naturkatastrophen heimgesucht werden, als legitime Maßnahme betrachtet, um die Sicherheit der Mädchen zu gewährleisten.

Mütter in Syrien befürchten, dass ihre Töchter in den dicht gedrängten Flüchtlingslagern Opfer körperlicher oder sexueller Handlungen und somit “entehrt” werden können.Sie nehmen an, dass Mädchen, die verheiratet sind und unter dem Schutz eines Mannes stehen, weniger wahrscheinlich angegriffen werden. Das führte zu einem Anstieg von Kinderehen in Syrien.

"Es war besser für sie zu heiraten, obwohl sie noch ein Kind war, als von einem Soldaten vergewaltigt zu werden", erklärte eine Mutter.

Maßnahmen und Fortschritte

Laut UNICEF ist die Zahl neuer Kinderehen in den vergangenen zehn Jahren zwar deutlich zurückgegangen. Doch noch immer wird weltweitjedes vierte Mädchen als Kind verheiratet.

Die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen fordern bis 2030 ein Ende von Kinderehen. Der UN-Menschenrechtsrat verabschiedete 2017 eine Resolution gegen die Kinderehe.

Burkina Faso, Nepal und Ägypten entwickelten nationale Strategien und Maßnahmen, um internationale Bemühungen gegen die Kinderehe zu unterstützen.

Guatemala und Tschad erhöhten das Mindestheiratsalter für Mädchen von 16 auf 18 Jahre. In Tansania werden Männer, die Mädchen im schulpflichtigen Alter heiraten oder schwängern, mit bis zu 30 Jahren Gefängnis bestraft.

In Gambia werden nicht nur die Männer, die ein Kind heiraten mit bis zu 20 Jahren Gefängnis bestraft, sondern auch die Eltern des Mädchens. Bekannte, die über die Heiratspläne informiert sind, sie aber nicht den Behörden melden, können mit einer Gefängnisstrafe von bis zu zehn Jahren bestraft werden.

Trotz der vielen Fortschritte werden weiterhin zwölf Millionen Mädchen im Jahr vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet.

Wir müssen traditionelle Glaubensvorstellungen und soziale Normen infrage stellen, die an der Idee festhalten, dass Mädchen weniger Wert sind als Jungen. Wir müssen Mädchen die Möglichkeit geben, über ihre eigene Zukunft bestimmen zu können.

Und wir müssen der Diskriminierung von Mädchen ein Ende setzen, damit sie zu selbstbestimmten Frauen heranwachsen können.