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Visit to NATO by Angelina Jolie, Special Envoy for the United Nations High Commissioner for Refugees.
NATO North Atlantic Treaty / Flickr
NewsFrauenrechte

Angelina Jolie: “Wir nehmen häusliche und geschlechtsspezifische Gewalt nicht ernst genug“

Warum das wichtig ist 
Besonders in Krisenzeiten steigt für Frauen und Kinder das Risiko, Gewalt zu erleiden. Global Goal Nummer 5 der Vereinten Nationen zielt auf die Gleichstellung der Geschlechter ab, was auch bedeutet, geschlechtsspezifische Gewalt weltweit zu beenden. Hier erfährst du mehr zu diesem Thema und kannst mit uns aktiv werden. 

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Angelina Jolie, Schauspielerin und Sonderbotschafterin des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR), hat dazu aufgefordert, sich gegen häusliche Gewalt zu engagieren.

In einem am Montag veröffentlichten Interview mit dem Magazin Harper's Bazaar UK sprach Jolie darüber, was jede*r Einzelne gegen geschlechtsspezifische Gewalt im eigenen Umfeld tun kann.

”Wir alle stehen in der Verantwortung. Oft wollen Menschen Missbrauch einfach nicht sehen, selbst wenn er direkt vor ihren Augen geschieht. Denn wegzuschauen ist leichter“, sagt Jolie.

Auf die Frage, was Arbeitnehmer*innen gegen geschlechterspezifische Gewalt im Job unternehmen können rät Jolie: Vor dem Hintergrund der UN Kampagne ”16 Days of Activism Against Gender-Based Violence“ herausfinden, wie das eigene Unternehmen Überlebende geschlechtsspezifischer Gewalt unterstützt. Eine weitere Möglichkeit seien Spenden an Frauenhäuser oder Heime für Betroffene.

Häusliche Gewalt in der Weihnachtszeit – so können sich Betroffene helfen

Die Schauspielerin wandte sich mit konkreten Tipps an alle, denen gerade in der Weihnachtszeit geschlechtsspezifische und häusliche Gewalt drohen. Es sei wichtig, sich zur Unterstützung ein intaktes soziales Umfeld aufzubauen. ”Sprich mit jemandem darüber. Versuche, Verbündete zu finden. Halte im Hinblick auf Notfälle Kontakt“, sagte sie. ”Es ist traurig, dass ich das sagen muss, aber man kann nicht davon ausgehen, dass alle Freunde und Verwandte dir glauben und dich unterstützen. Oft sind es Fremde, die ihre Hilfe anbieten. Oder andere Opfer, Selbsthilfegruppen oder Glaubensgemeinschaften.“

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Sie schlägt vor, mit Freund*innen oder Verwandten ein Codewort abzusprechen, das man benutzen kann, um im Notfall schnell und heimlich um Hilfe bitten zu können.

“Vor allem solltest du vorsichtig sein“, warnt Jolie. “Nur du selbst kannst einschätzen, wie groß die Gefahr ist, in der du dich befindest. Bis du Verbündete gefunden hast, kannst du dich ziemlich alleine fühlen.“

Freund*innen, Verwandten und Kindern, von denen man vermutet, dass sie missbraucht werden, könne man gleichermaßen helfen, indem man zu ihnen Kontakt hält und für sie da ist.

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Zudem sollte sich jeder über das Thema informieren, etwa mit den psychischen Folgen. “Wir nehmen häusliche und geschlechtsspezifische Gewalt nicht ernst genug. Oft übersehen wir das Trauma und die Verletzungen, die Kinder erleiden, wenn sie Zeugen von Gewalt werden oder diese gar in ihrem eigenen Zuhause stattfindet", sagte Jolie.

Deshalb steigt geschlechtsspezifische Gewalt während der Corona-Pandemie an

Gewalt gegen Frauen nimmt in Krisen tendenziell zu – wenn das Stresspegel steigt, die Wirtschaft in Schwierigkeiten gerät und der Zugang zu Gesundheits- und Sozialdiensten erschwert ist. Während der COVID-19-Pandemie etwa sind Frauen besonders gefährdet, häusliche Gewalt zu erleiden, da sie gezwungen sind, sich auf engem Raum mit den Tätern aufzuhalten. Ihre Bewegungsfreiheit ist durch die Infektionsschutz-Auflagen beschränkt.

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Im vergangenen Jahr wurden 243 Millionen Frauen und Mädchen von ihrem Partner missbraucht. Weniger als 40 Prozent der Betroffenen haben den Missbrauch laut UN Women gemeldet oder sich Hilfe gesucht. 

Angelina Jolie arbeitet seit 2012 als UNHCR-Sonderbotschafterin. Sie hat gesehen, wie Frauen auf der ganzen Welt unterdrückt werden oder Gewalt ausgesetzt sind. Das motiviert sie, ihre humanitäre Arbeit fortzusetzen. 

“Ich schätze Frauen. Ich kann es nicht ertragen, dieses unermessliche und anhaltende Leid so vieler Frauen zu sehen und dass niemand zur Verantwortung gezogen wird“, sagte sie.