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10 Aktivist*innen, die 2020 getötet wurden, weil sie die Welt verbessern wollten

Warum das wichtig ist
Überall auf der Welt werden Menschen bedroht und sogar ermordet, weil sie für die Rechte von Minderheiten, die Umwelt oder den Tierschutz einstehen. Doch auf Missstände aufmerksam zu machen und gesellschaftlichem Fortschritt anzutreiben muss möglich sein, ohne das eigene Leben aufs Spiel zu setzen. Schließe dich hier an und setze dich für eine gerechte Zukunft ein.

Ob Klimaschutz, Gleichberechtigung oder Frieden – Aktivist*innen müssen in vielen Teilen der Welt um ihr Leben fürchten. 2019 wurden im Bereich Landrechts- und Umweltaktivismus beispielsweise 212 engagierte Menschen getötet. Mehr als die Hälfte der Morde passierte auf den Philippinen und in Kolumbien. 

Zwar könnte man vermuten, dass gezielte Morde an Aktivist*innen in Zeiten von Ansteckungsgefahr und Ausgangssperren abnehmen, doch das hat sich nicht bestätigt. Denn im Normalfall wechseln Betroffene absichtlich oft ihren Aufenthaltsort, um Kritiker*innen und Auftragsmörder*innen abzuschütteln. Aufgrund des Infektionsschutzes war das in den vergangenen Monaten nicht möglich. So wurden 2020 bereits viele Aktivist*innen in ihrem Zuhause ermordet. Stellvertretend stellen wir hier zehn Menschen vor, die 2020 ihr Leben verloren haben, weil sie die Welt verbessern wollten. 

1. Calota Salinas setzte sich in Kolumbien für Gleichberechtigung ein

Die Frauenrechtlerin Carlota Salinas hat nur Stunden bevor sie getötet wurde, Geld und Nahrung gesammelt, um Menschen zu helfen, die aufgrund der Pandemie in Notlagen geraten waren. “Allein diese Tat zeigt die Größe und Menschlichkeit von Carlota“, erklärte Gloria Amparo Suárez, Anwältin der Frauenorganisation OFP (Organización Femenina Popular), dem Radiosender Caracol. “Sie war eine Genossin, die sich immer durch ihre Solidarität und die Unterstützung der Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt ausgezeichnet hat.“ Salinas engagierte sich für die Rechte der Frauen im bewaffneten Konflikt in Kolumbien. Am 24. März wurde sie bei sich zu Hause im nordkolumbianischen Department Bolívar getötet. Bewaffnete Männer brachen bei ihr ein, zwangen sie nach draußen und erschossen sie. Ihr Ehemann wird seitdem vermisst.
Die OFP verlangte von der Regierung, dass die Hintergründe des Mordes aufgeklärt werden und “dass der kolumbianische Staat seine Pflicht erfüllt und das Leben derjenigen schützt, die für die Gemeinschaft, Gerechtigkeit und Würde kämpfen“, so die Anwältin.

2. Arif Wazir engagierte sich in Pakistan für Menschenrechte

Auf den Tod des Aktivisten Arif Wazir im Mai hin, gingen in Pakistan zehntausende Menschen trotz der Ausgangsbeschränkungen auf die Straße. Sie machen das Militär für seinen Tod verantwortlich. Er starb in Islamabad, nachdem ihm Unbekannte einen Tag zuvor in den Kopf, Hals und Arm geschossen hatten. 

Wazir hatte sich für den Schutz der Paschtunen (PTM) engagiert. Die Paschtunen sind eine Minderheit im Land, die vorwiegend im Nordwesten an der Grenze zu Afghanistan leben. Die PTM wirft dem Militär vor, bei Einsätzen gegen Islamisten willkürlich zu töten und Menschen verschwinden zu lassen. Die meisten Taliban und ihre Führungsfiguren sind Paschtunen. Das Militär bestreitet die Vorwürfe. Amnesty International verlangt von Pakistan, den Mord aufzuklären. Die Behörden müssten “eine unabhängige und effektive Untersuchung“ durchführen, twitterte die Menschenrechtsorganisation. 

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3. Jerhy Rivera setzte in Costa Rica Landrecht für Indigene durch

Als Landrechtsaktivist Jerhy Rivera aus Costa Rica getötet wurde, setzte er sich gerade für etwas ein, das ihm am Herzen lag: Die Rückeroberung von Gebieten für die indigene Gemeinschaft. Im Februar besetzte er gemeinsam mit Brörán- und Bribri-Indigenen eine Finca in einem per Gesetz als indigenes Territorium geschützten Gebiet. Eine Gruppe, die mit Steinen, Stöcken und Macheten bewaffnet war, griff ihn an. Ein nicht identifizierter Täter erschoss ihn.
Carlos Alvarado, Staatspräsident von Costa Rica, schrieb auf Twitter: “Ich bedaure die gewaltsamen Vorfälle in der Gemeinde sehr.“ Indigene Gemeinden werfen der Regierung jedoch vor, sie nicht genügend zu schützen. Schon 2019 war ein Aktivist in der Region getötet worden. “Wir bitten die nationale und internationale Gemeinschaft um solidarische Unterstützung der indigenen Gemeinden, die seit mehreren Jahren dazu gezwungen sind, sich ihr Land zurückzuerobern“, erklärte die Ökologische Föderation Costa Ricas.

4. Zara Alvarez kämpfte für Gerechtigkeit auf den Philippinen

Zara Alvarez engagierte sich schon als Jugendliche für eine gerechtere Welt und den Schutz der Menschenrechte auf der Insel Negros. Zuletzt war sie für die Gesundheitsorganisation NIHP-CD (Negros Integrated Health Programm for Community Development) tätig. Jahrelang erhielt sie Morddrungen, wurde zeitweise inhaftiert und nach der Freilassung von der Regierung als Terroristin denunziert. Im März wurde sie von der Anklage freigesprochen. Die 39-jährige Rechtsanwaltsgehilfin wurde am 17. August auf dem Weg zu ihrer Unterkunft erschossen, der Täter floh auf einem Motorrad. Sie war die fünfte Person auf einer Todesliste.
Seit Jahren warnen Menschenrechtsorganisationen davor, dass der philippinische Staat unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung gegen Menschen vorgeht, die sich für Menschenrechte, Umweltschutz, gerechte Landverteilung und die Rechte von Indigenen einsetzen.

5./6./7. Zehra Berkel, Hebûn Mele Xelîl und Amina Waysî engagierten sich in Nordsyrien für Frauenrechte

Die Organisation Kongreya Star hat zum Ziel, dass sich Frauen an der Neugestaltung der Gesellschaft beteiligen können. Sie steht für ein Zusammenleben verschiedener Ethnien und Religionsgruppen in einer demokratischen, ökologischen und geschlechtergerechten Gesellschaft. 

Drei Frauenrechtlerinnen der Organisation wurden am 23. Juni in Nordostsyrien durch einen gezielten Drohnenangriff der Türkei ermordet. Sowohl vor Ort als auch in Europa fanden Proteste statt. Zehra Berkel war führendes Mitglied von Kongreya Star. Auch Hebûn Mele Xelîl war in der Organisation aktiv. Amina Waysî wohnte in dem Haus, das von der türkischen Drohne angegriffen wurde. Sie nahm an allen Aktivitäten der Frauenbewegung teil und widmete ihre gesamte Energie der Revolution.

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8. Reham Jakub kämpfte im Irak für Demokratie
Auch der Tod von Reham Jakub im Irak ist Teil einer Mordserie. Die 29-jährige Ärztin und Aktivistin war eine prominente Anführerin der Protestbewegung. Tausende Iraker*innen demonstrieren seit Jahren gegen Korruption, Misswirtschaft und die Einmischung durch den Iran. Attentäter versuchen die Bewegung offenbar durch Tötungen einzudämmen. Jakub wurde im August von Angreifern auf Motorrädern in der Südirakischen Stadt Basra erschossen. In weniger als einem Jahr sind inzwischen ein Dutzend Mitglieder*innen der Protestbewegung getötet worden. Die Behörden sind offenbar nicht in der Lage oder nicht willens, die Morde zu stoppen.

9. Lindokuhle Cele war LGBTIQ-Aktivist in Südafrika

Lindokuhle Cele war nach einem Zitat seiner Tante Nombuso Cele gerade in einer Metzgerei, als ein Mann aus einem Minibus-Taxi sprang und auf Cele einzustechen begann. Die Tat mit homophobem Hintergrund geschah im Februar in der Stadt Durban in Südafrika. 

Lindokuhle Cele war Musiker und setzte sich für die Rechte von Menschen ein, die der LGBTQ-Gemeinschaft angehören. Wie einige Medien berichten, soll Cele zuvor einen Freund davor bewahrt haben, von seinem mutmaßlichen Mörder vergewaltigt zu werden. 
“Der SAHRC fordert die Gesellschaft auf, den Anstieg von Hatespeech, Homophobie und anderen Formen der Diskriminierung von LGBTI- und GNC-Personen zu beenden. Solche Formen der Diskriminierung verletzen nicht nur die Menschenrechte von marginalisierten Gruppen, sondern sie führen unweigerlich zu gewalttätigen Hassverbrechen, zu denen auch Mord gehört”, schreibt die South African Human Rights Commission in einer Stellungnahme.

10. Homero Gomez Gonzales setzte sich in Mexiko für Umweltschutz ein

Monokulturen, Pestizide und das Abholzen von Wäldern – der Umgang der Menschheit mit der Natur schädigt nicht nur das Klima, sondern auch den Lebensraum von Schmetterlingen. Wissenschaftler*innen warnen seit Jahren davor. Homero Gomez Gonzales engagierte sich dafür, diesen Lebensraum wieder verstärkt zu schützen. Doch Avocadobauern und Holzhändlern kam er damit in die Queere. 
Im Januar galt der Umweltaktivist für zwei Wochen als vermisst. Dann teilte die Staatsanwaltschaft mit, seinen leblosen Körper in einem Regenwassertank gefunden zu haben – vermutlich ermordet von illegalen Holzfällern.