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Gesundheit

Die WHO schlägt Alarm: HIV-Medikamente werden während der Corona-Pandemie knapp

Warum das wichtig ist
Die HIV-Epidemie der 1980er Jahren hat Hunderttausende Menschen das Leben gekostet, vor allem in Subsahara-Afrika und den USA. Dank moderner Therapie- und Präventionsmöglichkeiten ist AIDS heute gut behandelbar. Damit es durch die COVID-19-Pandemie nicht zu verheerenden Rückschritten im Kampf gegen AIDS kommt, müssen Betroffene, darunter vor allem Transgender, besser geschützt werden. Werde hier mit uns aktiv, damit alle Menschen ein gesundes Leben führen können.

Die ganze Welt sucht derzeit nach Lösungsansätzen für die alles entscheidende Frage: Wie können wir es schaffen, diese Pandemie zu besiegen? Die Antwort dürfte näher liegen, als viele denken. Denn die Menschheit hat bereits unter Beweis gestellt, dass sie plötzliche Krankheitsausbrüche in dieser Größenordnung erfolgreich eindämmen kann.

Was uns HIV im Kampf gegen COVID-19 lehrt

Was wir aus der HIV-Epidemie für die Bekämpfung von COVID-19 lernen können und welche Menschen besonders schutzbedürftig sind, wurde am 7. Juni auf der AIDS-Konferenz diskutiert. Die Wahl des ursprünglichen und nun virtuellen Veranstaltungsorts San Francisco ist symbolisch: In keiner anderen Stadt der westlichen Welt gab es in 1980er Jahren mehr Menschen, die an AIDS starben.

Seitdem arbeitet das lokale Gesundheitswesen San Franciscos unermüdlich an dem Ziel “Getting to Zero" – keine Neuinfektionen. Zu den Erfolgen und Hürden dieser Bemühungen, sowie dem neuesten Stand der HIV-Forschung konnten sich die Besucher*innen der diesjährigen AIDS-Konferenz in über 600 Video-Veranstaltungen informieren. Ein besonders großes Thema: Die überproportionale Schutzbedürftigkeit von Transpersonen.

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Jede fünfte Schwarze Transfrau in den USA lebt mit HIV

"Transpersonen machen sehr viele Diskriminierungserfahrungen im Gesundheitsbereich, weil sie dort auf Ablehnung stoßen”, sagte Max Appenroth, Promovierender an Berliner Charité im Bereich Public Health gegenüber der Tagesschau. Appenroth nahm selbst an der Konferenz teil und setzt sich bei der Organisation Global Action for Trans Equality für die Rechte von Transpersonen ein. "Die größte Studie, die es dazu gibt, hat zum Beispiel gezeigt, dass in den USA jede fünfte Schwarze Transfrau mit HIV lebt. Das sind extrem hohe Zahlen”, betont Appenroth.

Neben Diskriminierung in vielen Lebensbereichen sind ein niedriges Einkommen, Erfahrungen sexueller Gewalt und soziale Isolation weitere Faktoren, die zu der hohen Betroffenheit von Transgender führen.

COVID-19 bedroht Fortschritte der HIV-Bekämpfung

Heute leben rund 38 Millionen Menschen mit dem HI-Virus. Im vergangenen Jahr haben sich weltweit 1,7 Millionen Menschen mit dem Virus angesteckt. Das geht aus den Schätzungen des Programms der Vereinten Nationen für HIV/AIDS (UNAIDS) hervor. Das sind weitaus mehr, als die von neuen Programmen, Initiativen und Investitionen anvisierten 500.000 Neuinfektionen im Jahr.

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Nun drohe die Coronavirus-Pandemie, die HIV-Bekämpfung noch weiter vom Kurs abzubringen, erklärt die UNAIDS-Exekutivdirektorin Winnie Byanyima in Genf. Vor allem Mädchen und junge Frauen sind laut Byanyima besonders gefährdet. Verhängte Ausgangssperren und der vorübergehende wirtschaftliche Stillstand in vielen Ländern weltweit führe zu einem Anstieg häuslicher Gewalt und verstärke prekäre Lebenssituationen, die das Risiko einer HIV-Infektion erhöhen. Für viele Betroffene wird der Weg zum Arzt entweder aus finanziellen oder infrastrukturellen Gründen nun zusätzlich erschwert. Auch bei der Kondom- und Arzneiproduktion komme es derzeit zu Engpässen, so Byanyima.

Gerechter Zugang zur Gesundheitsversorgung entscheidend

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlägt Alarm: So liefen durch die Auswirkungungen der Pandemie 73 Länder weltweit bereits Gefahr, ihre Vorräte an HIV-Medikamenten aufzubrauchen. Etwa ein Drittel dieser Länder leider bereits unter großen Nachschubproblemen oder hätten fast leere Lager gemeldet. Sollten diese Länder nicht schnell mit neuen Medikamenten versorgt werden, hätte dies laut UNAIDS katastrophale Folgen für HIV-Betroffene. So könnte eine sechsmonatige Unterbrechung der antiretroviraler Therapie für  schätzungsweise 20 Prozent der HIV-Infizierten zu 110.000 zusätzlichen Todesfällen führen.

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Die Ursache für diese rückläufige Entwicklung liegt für Byanyima auf der Hand: Der ungleiche Zugang zu Behandlungsmethoden in den betroffenen Ländern. Laut Byanyima gebe es demnach viele Fortschritte bei der HIV-Bekämpfung, aber sie seien ungleich verteilt. Vor allem Osteuropa, Zentralasien, Lateinamerika, der Nahe Osten und Nordafrika befinden sich in einem Abwärtstrend. Eric Goemaere, der bei der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Südafrika arbeitet, bezeichnet diese Ungleichheit in der Versorgung als inakzeptabel: “Wir dürfen wegen der COVID-19-Pandemie bei der HIV/AIDS-Epidemie keinen Rückzieher machen”, so Goemaere gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).