Global Citizen ist eine Gemeinschaft, die aus engagierten Menschen wie dir besteht.

People who want to learn about and take action on the world’s biggest challenges. Extreme poverty ends with you.

Citizenship

Säureattacke: Wie du helfen kannst, wenn du Zeuge eines solchen Angriffs wirst

Flickr/Garry Knight

Bei einem Säureangriff überschüttet der Täter sein Opfer mit Säure bzw. mit einer ätzenden Substanz, die sich in Sekunden durch Kleidung und menschliche Haut frisst. Oft wird bei einem solchen Angriff auf das Gesicht gezielt, was neben starken, großflächigen Narben auch zu Erblindung führen kann.

Die Täter solcher Angriffe sind meist Männer, ihre Opfer junge Frauen. Gründe für eine solche Tat können Eifersucht, Ehestreit, sexuelle Zurückweisung, in ihrer Eitelkeit verletzte (Ehe)Männer bzw. Verlobte / Partner sein. Häufig ist die Absicht, die Frau nicht zu töten, sondern sie zu 'bestrafen', in dem sie für den Rest ihres Lebens schwer entstellt wird.

Mehr lesen: Überlebende von Säureattacken in Indien eröffnen ein Café der besonderen Art

Die Opfer kämpfen nicht nur mit Schmerzen, sondern oft auch mit starken Depressionen und je nach Region mit der Herausforderung, von der Gesellschaft akzeptiert zu werden.

In Südostasien, in Pakistan, Bangladesch und einigen Ländern Südamerikas sind die Übergriffe besonders häufig. Aber auch in Europa sind solche Angriffe nicht unbekannt. Vor allem in den europäischen Ländern, in denen Säure frei zu kaufen ist.

In Großbritanniens Hauptstadt London beispielsweise haben die Säureattacken dramatisch zugenommen. Nach Polizeiangaben in England und Wales waren es allein zwischen November 2016 und April 2017 mehr als 400 Angriffe.

Auch in Deutschland gibt es Übergriffe dieser Art. Anfang des Jahres verübte ein Unbekannter in Berlin sechs Angriffe mit Batteriesäure auf Frauen.

2015 wurde hierzulande der Fall von Vanessa Münstermann aus Hannover bekannt. Die Kosmetikerin wurde von ihrem Ex-Freund mit ätzender Säure überschüttet und erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Münstermann entschied sich, ihr vernarbtes Gesicht nicht zu verstecken: Stattdessen gründete sie den Verein AusGezeichnet, um anderen Opfern zu helfen und auf dieses Thema aufmerksam zu machen.

Mehr lesen: Überlebende einer Säureattacke ist das neue Gesicht der 'Face of Courage' Kampagne in Indien

Jeder kann etwas tun, wenn man Zeuge eines solchen Angriffs ist.

Wie man bei einem Säureangriff helfen kann

Die folgenden Schritte sind relativ einfach und erfordern keine medizinische Ausbildung. Wer mit diesen Schritten vertraut ist, kann die Auswirkungen eines Säureangriffs entscheidend verringern.

Die folgenden Ratschläge stammen maßgeblich aus dem British Medical Journal sowie dem London Ambulance Service und dem British Red Cross.

1. Kleidung und Schmuck entfernen, die mit Säure in Kontakt gekommen sind

Rasches Handeln ist gefragt, keine Frage. Klar sollte man darauf achten, nicht selbst mit der ätzenden Flüssigkeit in Berührung zu kommen. Aber gerade bei Kleidung ist diese oft nicht durchtränkt, so dass man eine Ecke findet, die man anfassen und so dem Opfer helfen kann, die Kleidung los zu werden. Man sollte darauf achten, dass nicht betroffene Körperstellen nicht weiter mit der Säure in Kontakt kommen. Dies gilt auch für den nächsten Punkt.

2. Betroffene Körperstellen abwaschen 

Es ist wichtig, dass die betroffene Haut mit viel Wasser abgespült wird, um die Chemikalie zu entfernen. Ist das Gesicht betroffen, auch gründlich die Augen ausspülen.

„Für diese Art von Verbrennung muss die Haut so schnell wie möglich mit klarem Wasser abgespült werden. Am besten kaltes, fließendes Wasser über die betroffene Haut laufen lassen, um die Verbrennung zu kühlen und die Säure abzuwaschen”, sagt Joe Mulligan, Leiter der Erste-Hilfe-Ausbildung beim British Red Cross.

„Wasser ist am besten, aber man kann auch andere Flüssigkeiten benutzen, wenn sie schneller greifbar sind - etwa kaltes Bier oder Milch.”

3. Notruf wählen

Während man (weiterhin) die Säure abwäscht, sollte so schnell wie möglich, im besten Fall zeitgleich, medizinische Hilfe gerufen werden. In Deutschland ist die 112 die richtige Durchwahl.

4. Verband anlegen

Sollte ein Erste-Hilfe-Koffer zur Hand sein, kann ein loser, trockener Verband oder eine Mullbinde um die betroffenen Körperstelle gebunden werden. Alternativ kann auch saubere Baumwollkleidung helfen.  

5. Ruhe bewahren & wenn möglich, das Opfer beruhigen

Dieser Punkt ist leichter gesagt als getan. Wer schon mal in einer Notsituation war, hat vielleicht erlebt, wie schwer einem plötzlich klares Denken fällt. Dabei ist in jeder Situation der absolut größte Fehler, nichts zu tun. In Zeiten von Handy und Smartphone sollte jeder in der Lage sein, den Notruf zu wählen. Damit hat man schon den größten und wichtigsten Schritt getan.