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Citizenship

„Wolle Dose kaufen?“ Für diesen Slogan wird Astra Rassismus vorgeworfen

Warum das wichtig ist
Die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Ethnie, Hautfarbe, ihrem Geschlecht und ihrer sexuellen Gesinnung lehnt Global Citizen entschieden ab. Wir setzen uns mit Kampagnen für eine gerechte Welt für alle ein.  Hier kannst du aktiv werden.

Eines ist nicht neu: Provokant war die Werbung von Astra schon lange. Die Hamburger Biermarke und ihre Werbeagentur Philipp und Keuntje wissen seit Jahren, wie man mit zweideutigen Bildern und Worten spielt.

„Da wurde doch was gemacht“, lautete zum Beispiel einer der Slogan. Darunter das Bild einer Frau mit riesigen Brüsten, die einen Bierkasten in den Händen hält. Oder ein anderes: Wieder eine Frau, diesmal mit Solarium-brauner Haut, ein Bier in der Hand, im Hintergrund ein Grill. Darüber die Aufschrift: „Ein Alster und was Gegrilltes.“ Ganz unten immer der bekannte Werbespruch: „Astra, was dagegen?“


Ja, nun hatte die Öffentlichkeit tatsächlich etwas dagegen. Denn nun sind Astra und Philipp und Keuntje wohl zu weit gegangen. In den sozialen Medien empörten sich Hunderte über ein Plakat, das in Großformat in Hamburgs Szeneviertel Sternschanze hängt.

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„Wolle Dose kaufen?“ steht in gewohntem Astra-Layout auf dem Plakat. Darunter ein indisch aussehender Mann in Meerjungfraukostüm, der Dosenbier in die Kamera hält. Bild und Titel sollen wohl an die Verkäufer (vorwiegend Männer aus Indien) erinnern, die vor allem auf der Hamburger Schanze am Abend mit einem Strauß Rosen durch die Bars und Restaurants gehen, um diese mit den Worten ‘Wolle Rose kaufen’ zu verkaufen.

Man hätte annehmen können, dass Astra ihr Klientel und die Besucher des linken Szeneviertels besser kennen. Denn das Plakat hängt an einer Werbefläche, die Astra bereits seit Jahren angemietet hat. Doch scheinbar waren sie auf diesen Affront nicht vorbereitet.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Stimmen gegen die polarisierenden Werbekampagnen der Bierbrauerei erheben. Doch noch nie waren sie so laut. Noch nie waren es so viele.

Sogar der Hamburger Fußballverein FC St. Pauli, der von Astra gesponsert wird, distanzierte sich von dem neuen Plakat.

Auf Facebook war zu lesen: „Scheiss Werbung, scheiss Bier. Ihr habt beim fcsp [FC St. Pauli] nichts verloren.“ Eine andere Stimme: „WOW, Chapeau. Das ist nun Rassismus in Reinform […].“

Auf Facebook entschuldigte sich Astra nun für das Plakat. „Das war nicht unsere Absicht“, schreibt Astra als Reaktion auf einen der zahlreichen negativen Facebook-Kommentare. „Wir glauben nicht an so was wie Rasse. Wir glauben an Menschen. Große, kleine, dicke, dünne, weiße, braune, alle Menschen.“

Mittlerweile hat auch die Werbeagentur auf die Rassismus-Vorwürfe reagiert. „Jedes Motiv, das dahingehend missverstanden beziehungsweise interpretiert wird, wie dieses jetzt, ist ein schlechtes“, sagte der Geschäftsführer Torben Hansen gegenüber der Fachzeitung Horizonte Online. „Wir wollen nun wirklich kein Wasser auf die Mühlen rassistischer Idioten gießen. Und wir entschuldigen uns bei allen, die sich durch unser Motiv angegriffen, bloßgestellt oder lächerlich gemacht fühlen - Punkt.“

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Hansen gibt zu, dass der Agentur ein Fehler unterlaufen sei, mit diesem Plakat an die Öffentlichkeit zu gehen. Doch ein rassistisches Gedankengut, dessen Beschuldigung sich sowohl die Agentur als auch Astra gefallen lassen mussten, lehnt er entschieden ab. „Dass manche Kommentatoren uns tatsächlich vorwerfen, unter anderem rassistisch und homophob zu sein, dürfte für alle, die uns kennen, so abwegig sein wie es für uns inakzeptabel ist. Und ich muss alle meine Kolleginnen und Kollegen vor diesen Angriffen in Schutz nehmen“, sagt Hansen Horizonte Online.

Hanse verspricht, es künftig wieder gut machen zu wollen. Was genau das bedeutet, bleibt abzuwarten.