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Citizenship

Wir werden immer mehr: 5 Mythen über das Wachstum der Welt

Warum das wichtig ist
Vielleicht kennen wir das Baby von unserem Nachbarn. Und auch das Kind von gegenüber. Aber natürlich kennen wir nicht jeden Einzelnen, mit dem wir uns die Erde und ihre Ressourcen teilen. Was wir allerdings spüren, sind die Auswirkungen, die die wachsende Menschheit auf unser Klima und auf unsere Umwelt nimmt. Deswegen sollten wir uns darüber Gedanken machen. Werde ein Global Citizen und setz dich mit uns für eine gerechtere, nachhaltige Welt ohne Armut und Hunger ein.

Ich bin Nummer 5.158.007.891. Das hat die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) errechnet. An dem Tag, als ich auf die Welt kam, waren also schon 5.158.007.890 Milliarden andere Menschen da. Heute, rund 30 Jahre später, kam Mensch Nummer 7.635.237.000 auf die Welt. Und Nummer 7.635.237.090. Und Nummer 7.635.237.922.  

Jede Minute wächst die Zahl der Weltbevölkerung um 157 Menschen. Innerhalb eines Jahres sind das 83 Millionen mehr Menschen – also so viele, als würde sich jeder einzelne Deutsche einmal klonen.

Das sind viele. Doch sind es zu viele? Und was bedeutet das eigentlich für unser Leben auf der Erde?

Oft ist von „Überbevölkerung“ die Rede. Davon, dass Armut nur die Folge von zu vielen Menschen sei. Dass Menschen in Entwicklungsländern einfach am laufenden Band Kinder bekommen wollen. Doch stimmt das überhaupt?

Das sind die hartnäckigsten Mythen zum Thema Weltbevölkerung:

Mythos 1: Die Frauen in Entwicklungsländern wollen möglichst viele Kinder bekommen

Nicht jede Frau, die ein Kind bekommt, hat das geplant. Das gilt für Frauen in Europa ebenso wie in Afrika oder Indien. Doch während die Mehrzahl der Frauen in Industrieländern Zugang zu Verhütungsmitteln und die Möglichkeit zu einem Schwangerschaftsabbruch haben, fehlen solche Angebote in Entwicklungsländern viel zu oft. Auch die Ungleichstellung von Männern und Frauen in vielen Gesellschaften und mangelnde Bildung und Aufklärungsarbeit macht es den Frauen schwer, sich gegen eine Schwangerschaft und Geburt zu entscheiden.

Tatsächlich seien rund 43 ­Prozent­ aller Schwangerschaften in Entwicklungsländern ungewollt, berichtet die DSW. Das sind 89 Millionen Schwangerschaften im Jahr.

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Mythos 2: Es kann nichts dagegen getan werden, dass in Entwicklungsländern so viele Kinder zur Welt kommen

Stimmt natürlich nicht. Sowohl die Regierungen der Länder, als auch globale politische Entscheidungen – ob in der Wirtschaft oder Entwicklungszusammenarbeit – haben Einfluss auf das Leben der Menschen in Entwicklungsländern. Deshalb ist es so wichtig, dass in Bildung und Aufklärung investiert wird.

Entscheidungen wie die von Präsident Donald Trump, die sogenannte „Global Gag Rule“ wieder einzuführen und sogar auszuweiten, verhindern wichtige Aufklärungsarbeit in Entwicklungsländern. Denn die Global Gag Rule besagt unter anderem, dass Organisationen, die in Entwicklungsländern Mädchen und Frauen zum Thema Schwangerschaftsabbruch informieren, Empfehlungen abgeben oder sogar solche Abbrüche durchführen, keine US-amerikanischen Entwicklungsgelder mehr bekommen.

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Die USA waren bisher mit rund 958 Millionen Dollar der größte Geldgeber von Familienplanungsprogrammen. Deutschland stand im Jahr 2015 mit knapp 59 Millionen Dollar nach Großbritannien (287 Millionen Dollar) auf Platz drei, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Mythos 3: Weltweit nimmt die Zahl der Geburten stetig zu

Das stimmt so nicht: Während eine Frau zwischen 1960 und 1965 im Schnitt fünf Kinder bekam, sind es heute nur noch halb so viele. Doch da die Lebenserwartung steigt, nimmt auch die Anzahl der Menschen auf der Erde zu. Außerdem überleben – glücklicherweise – heute dank fortschreitender medizinischer Versorgung mehr Säuglinge und Kleinkinder als noch vor drei Jahrzehnten.

Die Geburtenrate ist rund um den Erdball sehr unterschiedlich: In Asien ist die Geburtenrate leicht gesunken (auf 2,2 Kinder pro Frau) und auch in Afrika bekommen die Frauen weniger Kinder als vor ein paar Jahren (4,4 Kindern heute gegenüber 4,9 zwischen 2005 und 2010).

Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.

- Mahatma Gandhi.

Mythos 4: Bevölkerungswachstum ist der Grund für Armut

So einfach ist das nicht. Natürlich gibt es arme Länder mit rasantem Bevölkerungswachstum, wie etwa Nigeria oder Bangladesch. Diese Länder sind besonders dicht besiedelt und viele Menschen dort sind von extremer Armut betroffen. Doch auch einige der wohlhabendsten Länder sind dicht besiedelt: Deutschland, Japan, Schweiz, Niederlande.

Staaten wie die Mongolei, Angola und Somalia hingegen haben eine sehr niedrige Bevölkerungsdichte – und dennoch zählen sie zu den ärmsten Ländern.

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Statt auf die Bevölkerungsdichte kommt es also viel mehr auf die eigentlichen Strukturen in einem Land an. Ein Beispiel: Wenn die Landwirtschaft ineffizient oder nicht weit genug entwickelt ist und die Bevölkerung so nicht versorgt werden kann, oder aber die Menschen schlichtweg zu arm sind, sich teuer importierte Lebensmittel zu leisten, sind Hunger und Mangelernährung oftmals die Folge.

Mythos 5: Die wachsende Weltbevölkerung zerstört die Umwelt

Mehr Menschen bedeutet mehr Nahrung, mehr Energie, mehr Wasser, das gebraucht wird. Dieser ‘Mythos’ ist also streng genommen wahr. Aber: nicht die wachsende Weltbevölkerung zerstört die Umwelt, sondern der heutige Lebensstil vieler Menschen zerstört die Umwelt. Denn man muss sich die Frage stellen: wer verbraucht eigentlich wie viel?

Angenommen, es würde gerecht zugehen in der Welt, dann müssten jedem Menschen genau gleich viel Acker- und Weideland zustehen, der gleiche Verbrauch von Energie zugesprochen werden. Die gleiche Nutzung von Handy, Laptops und Fernsehern. Der gleiche Zugang zu Bahn, Bus, Auto und Flugzeug.

Aber in der Realität sind es die Menschen in Industriestaaten, die im Durchschnitt auf viel zu großem Fuß leben und somit massiv unserer Umwelt schaden.