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Citizenship

Als 19-Jährige in Botswana – danach sieht die Welt ganz anders aus

Warum das wichtig ist
Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst “weltwärts” feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Das Programm ermöglicht jungen Erwachsenen zwischen 18 und 28, ein Jahr in einem Entwicklungsland zu leben und zu arbeiten. Fast 40.000 junge Menschen sind seit 2008 in Partnerländer gegangen, haben in Projekten im Gesundheits-, Bildungs- oder Umweltsektor mitgearbeitet. Seit 2013 absolvieren auch junge Menschen aus den Partnerländern einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst in Deutschland. Das Programm “weltwärts” wurde vom Bundesentwicklungsministerium (BMZ) ins Leben gerufen.

Ida Zielke ist 19 Jahre und kommt aus Berlin. Mit dem “Eine Welt Netz NRW” war sie ein Jahr in Botswana und ist im August 2018 zurückgekehrt. Sie hat in der “Springboard Humanism Organization” gearbeitet. Die Organisation gibt benachteiligten Gruppen die Möglichkeit, ihren Schulabschluss nachzuholen und führt Kurse zur beruflichen Ausbildung durch.

Mein Jahr in Botswana

"Das Erste was mir in Botswana auffiel, war der Sand. Roter, weicher Sand, der die Häuser und Straßen umschließt. Aufgeheizt von der glühenden Sonne. Ich laufe schon mein ganzes Leben gerne barfuß. Doch das musste ich mir schnell abgewöhnen, bei den vielen Dornen, die der Kameldornbaum bei uns in den Hof streute.

Ein Jahr habe ich nach meinem Abitur in Botswana verbracht. Ganz im Süden des Landes, nahe der modernen Großstadt Gaborone. Über das Freiwilligenprogramm “weltwärts“ habe ich mich vor genau zwei Jahren bei der Organisation “Eine Welt Netz NRW“ für eine Stelle als Freiwillige in der wundervollen NGO “Springboard Humanism“ in Molepolole beworben. Lange bot “Springboard Humanism“ einen Kurs für junge Frauen an, die dort auf eine Nachprüfung für ihren Schulabschluss vorbereitet wurden.

Ida Germany Weltwärts.jpgIda Zielke

Momentan gibt die Organisation vor allem Kindern und Jugendlichen die Möglichkeiten, sich intellektuell und künstlerisch zu entfalten.

Es gibt vier Große Marimbas, an denen wir zusammen musizierten. Außerdem Computer-Kurse, Hausaufgabenbetreuung und vor allem den wöchentlichen Youth Club, bei dem Kinder und Jugendliche aus der Nachbarschaft kommen, um Gruppenspiele zu spielen und zu basteln. Bei all diesen Aufgaben durfte ich meine Kollegen unterstützen und auch viele eigene Ideen einbringen.

Der Youth Club am Samstag war immer das Highlight der Woche. Sehr wuselig und energiegeladen, aber auch inspirierend und voller Begegnungen. Die Kinder und Jugendlichen, die jede Woche kamen, sind mir wirklich ans Herz gewachsen.

Mit ihnen zu musizieren, machte Spaß. Mich beeindruckten die Jugendlichen, die jetzt schon seit drei Jahren bei “Springboard Humanism“ Musikunterricht bekommen – sie haben so viel Energie beim Marimba spielen.

Marang und ich üben an der Bassmarimba.jpg

Bei meiner Gastfamilie fühle ich mich wirklich zu Hause. Jetzt vermisse ich sie sehr. Meine ältere Gastschwester hatte immer ein offenes Ohr für mich, während ihr kleiner Sohn geschäftig durchs Zimmer tapste. Und mit Rakgadi (Tante) verbrachte ich ganze Abende im Wohnzimmer und wir diskutierten über politische Themen oder sie erzählte mir von ihren Reisen ins Ausland. Auch in Europa war sie oft. Besonders interessant fand ich ihre Erzählungen über Nepal.

Ich empfand Botswana als friedliches und schönes Land.   

Viele neue Denkanstöße

Ein Auslandsjahr mit “weltwärts“ ist auf jeden Fall eine Bereicherung. Es ist nur wichtig zu begreifen, dass der Freiwilligendienst mit “weltwärts“ ist ein Lerndienst ist. Es geht nicht darum, im globalen Süden zu “helfen“ und “Gutes zu tun“.

Als Abiturientin ohne Ausbildung oder Studium kann ich wenig helfen, dafür aber viel lernen. Entscheidend ist der kulturelle Austausch, den man als Freiwilliger im Ausland erlebt. Dieser Austausch passiert auf beiden Seiten, wie das Wort ja schon sagt.

Ich habe mich in diesem Jahr sehr weiterentwickelt und mich selbst besser kennengelernt. Ich fand es interessant, mich in Situationen zu beobachten, die mich gefordert haben, die mir fremd waren. Aber auch in Situationen, die mir sehr vertraut waren, weit weg von zu Hause.

Meine Gastfamilie, meine Mentoren und die Organisation in Deutschland und vor Ort haben mich die ganze Zeit über gut unterstützt.

Dieses Jahr in Botswana hat vieles in mir angestoßen: Gedanken zu unserer konsumsüchtigen Gesellschaft, zum Postkolonialismus, Neokolonialismus, Innocent Racism (deutsch: unbedachtem Rassismus), zu ressourcensparendem und umweltbewussterem Handeln. Ich möchte mich gerne weiter mit diesen Themen beschäftigen und mich für ein Umdenken einsetzen."

Und so erging es Valerie, der mit "weltwärts" Deutschland erkundet hat:

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