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Food & Hunger

Das sind die 10 hungrigsten Länder der Welt

2016 hungerten 815 Millionen Menschen – 38 Millionen mehr als im Jahr zuvor. Und mit 'Hunger' meinen wir nicht „Ich könnte vor dem Mittagessen noch einen Snack vertragen“ oder „Ich hatte noch kein Frühstück“, sondern echten, ständigen Hunger.

Das Welternährungsprogramm schätzt, dass von diesen 815 Millionen Menschen 98 % in Entwicklungsländern leben, also in genau den Ländern, die weltweit die meisten Lebensmittel herstellen. Wie kann das sein?

Wagen wir einen Blick auf die 10 hungrigsten Länder und mit welchen Hürden diese sich konfrontiert sehen, um ihren Hunger zu bekämpfen.

Wir orrientieren uns hierzu an den Werten des Welthungerindex (WHI), einem Bericht, den die Welthungerhilfe, das International Food Policy Research Institute und Concern Worldwide einmal im Jahr veröffentlichen.

Jedem Land wird ein Wert zwischen 0 und 100 zugewiesen. Je höher der Wert, desto größer ist der Hunger in einem Land. Ab einem WHI-Wert von 20 wird die Situation in einem Land als „ernst" bezeichnet, ab einem Wert von 35 als „sehr ernst". 13 Länder konnten im diesjährigen WHI-Bericht nicht berücksichtigt werden, weil notwendige Daten fehlten. Darunter sind Länder wie Syrien, Südsudan und Eritrea, über die sich die Autoren "erheblich besorgt" äußern.

1. Zentralafrikanische Republik

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Welthunger Index: 46,1

Am verheerendsten ist die Situation derzeit in der Zentralafrikanischen Republik. Wie der Name sagt, liegt das Land im Zentrum Afrikas und ist einer von weltweit 44 Binnenstaaten. Ohne Zugang zum offenen Meer, wird die Ernährungsversorgung seit 2013 zusätzlich durch einen Bürgerkrieg erschwert. Damals stürzten die muslimischen Séléka-Rebellen 2013 den christlichen Präsidenten François Bozizé. Seither kämpfen verfeindete Milizen gegeneinander, Tausende Menschen wurden getötet, Hunderttausende sind bereits geflohen – alleine im Nachbarland Kongo sind 170.000 Flüchtlinge aus der Zentralafrikanischen Republik angekommen. Auch für Hilfsorganisationen ist die Situation mancherorts zu gefährlich. Viele Menschen leiden unter Mangelernährung, weil sie nur noch eine Mahlzeit am Tag zu sich nehmen.

2. Tschad

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Welthunger Index: 44,3

Das Ausmaß an Armut im Tschad hat im Laufe seiner 50-jährigen Unabhängigkeitsgeschichte durch unzählige Konflikte immer weiter zugenommen. Die Spannungen zwischen den ethnischen Gruppen im Norden und Süden des Landes haben zudem die politische und wirtschaftliche Instabilität weiter verschärft. Tschads Lage als Binnenstaat sowie das Wüstenklima im Norden verhindern eine wirtschaftliche Entwicklung. Insbesondere die Sahelzone (Zentral- und Ost-Tschad) ist von einer chronischen Lebensmittelknappheit betroffen. Hinzu kommt, dass der Tschad den Auswirkungen von Krisen in den Nachbarstaaten Sudan und aus der Zentralafrikanische Republik ausgesetzt ist. Schätzungen gehen davon aus, dass es im Tschad 330.000 Flüchtlinge gibt, was wiederum zusätzlichen Druck auf die knappen Ressourcen und die bereits äußerst bedürftige einheimische Bevölkerung ausübt.

Der Tschad hängt in starkem Maße von externer Unterstützung hinsichtlich seiner Ernährungssicherung ab, insbesondere die Sahelzone. Der Getreideanbau ist von unregelmäßigen Regenfällen, zyklischen Dürren, Heuschreckenplagen und ineffizienten Anbaumethoden stark betroffen.

3. Sambia

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Welthunger Index: 39,0

Das Land steht unzähligen Herausforderungen gegenüber, einschließlich enormer Unterernährung, Armut, Nahrungsmittelunsicherheit, HIV und Aids sowie Malaria. Obwohl Sambia die Rate extremer Armut von 58% (1991) auf 42,7% (2010) senken konnte, ist die extreme Armut in ländlichen Gebieten (57% ) im Vergleich zu städtischen Gebieten (13%) weiterhin signifikant höher. Sambias Ziel ist es, dass sich mehr Menschen selbst versorgen können - was allerdings durch eine stark regenabhängige Landwirtschaft und fehlende Marktanreize erschwert wird. Deshalb ist der Zugang zu Lebensmitteln für viele Einwohner ein Problem.

4. Haiti

Welthunger Index: 36,9

Nach dem Hurrikan Sandy 2012 steuerte der Karibikstaat auf eine Hungerkrise zu. Noch immer sind die Folgen für die Menschen in Haiti spürbar: Der Hurrikan hat 70 Prozent der Anbaufläche des Landes zerstört, Obst und Getreide, das die Menschen essen und weiterverkaufen wollten, ist vernichtet worden.

5. Madagaskar

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Welthunger Index: 35,4

Das Land ist Naturkatastrophen wie Zyklonen, Überflutungen und Dürren ausgesetzt. 2013 erlebte die Insel ihre bisher größte Heuschreckenplage, welche die landwirtschaftliche Produktion enorm erschwerte und die Ernährungssicherung bedrohte.

Die zunehmende Abholzung und mangelhafter Bodenbewirtschaftung gehört zu den Hauptursachen, warum Madagaskar immer stärker anfällig für Versorgungsengpässe und damit verbundener Nahrungsmittelunsicherheit ist. Vor allem die Abholzung ist zu einem Hauptproblem geworden: bereits 85 Prozent des Regenwalds sind aufgrund der Verwendung von Holz und Holzkohle zum Kochen und landwirtschaftlicher Brandrodungen verloren gegangen.

6. Sierra Leone

Welthunger Index: 35,4

Während für die Menschen in Europa die Ebola-Krise in Westafrika schon lange Geschichte ist, sind Sierra Leone und Liberia mit den langfristigen Folgen der Epidemie konfrontiert. Mit dem Ende des Ebola-Ausbruchs zeigt sich, dass die medizinische Infrastruktur trotz internationaler Hilfe kaum verbessert wurde. Die Epidemie hat zudem viele Waisenkinder und Halbwaisen hinterlassen, wodurch sich die Ernährungslage für Kleinkinder insgesamt weiterhin verschlechtert hat.

Jeder siebte in Sierra Leone lebt unterhalb der absoluten Armutsgrenze, also von weniger als einem Dollar am Tag. Die hohe Kindersterblichkeit in dem westafrikanischen Land ist Ausdruck der Armut und sozialen Misere, mit der viele Menschen kämpfen.

7. Jemen

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Welthunger Index: 35

Im Jemen tobt ein Bürgerkrieg, der das ärmste arabische Land an den Rand einer katastrophalen Hungernot rückt. Die Huthi, eine schiitische Gruppe, der enge Kontakte zum Iran nachgesagt werden, haben vor drei Jahren die Macht ergriffen.

Im Jemen sind 17 Millionen Menschen von Unterernährung bedroht. Seit Beginn des Krieges im Frühjahr 2015 hat sich die Situation stetig verschlimmert: 2,2 Millionen jemenitische Kinder sind akut unterernährt.

Die Unterernährungsrate bei Kindern im Jemen zählt zu den höchsten der Welt, wobei fast die Hälfte der jemenitischen Kinder unter fünf Jahren besonders stark betroffen ist.

8. Afghanistan

Afghanistain-Bombing.jpgImage: Rahmat Gul/AP

Welthunger Index: 34, 8

Millionen Menschen sind in den vergangenen Jahren vor dem Krieg in Afghanistan geflohen. Nach dem Sturz des Taliban-Regimes 2001 kehrten rund sechs Millionen Flüchtlinge zurück. Doch die Zahl der Binnenflüchtlinge stieg nach den Gefechten an: Viele Menschen flohen nach Kabul in der Hoffnung auf eine sicherere Zukunft. Doch hier sind die Menschen von Elend und Hunger bedroht. Viele landen in Slums unter, in denen Nahrung, Strom und Wasser kaum vorhanden sind. Mehr als 1,5 Millionen Menschen in Afghanistan leiden unter Ernährungsunsicherheit.

9. Osttimor

Timor Leste.jpgImage: Imgur

Welthunger Index: 34,3

Der kleine Inselstaat Osttimor liegt zwischen Indonesien und Australien und wird von etwa einer Million Einwohnern bevölkert.

Der Staat leidet bis heute unter den Auswirkungen des Jahrzehnte-währenden Kampfes gegen die indonesische Besetzung, bei dem die Infrastruktur des Landes schwer zerstört wurde. Die Entwicklung der Privatwirtschaft kommt bedingt durch den Mangel an Arbeitskräften nur schleppend voran, die Infrastruktur ist schlecht, das Rechtssystem lückenhaft und das behördliche Umfeld ineffizient.

Aus diesen Gründen leidet fast die Hälfte der Bevölkerung an Unterernährung.
Und als sei die für die Bevölkerung nicht schon dramatisch genug, gelingt Osttimor regelmäßig zur traurigen Berühmtheit für seine 'extreme Hungerzeit' zwischen November und März, wenn alle Lebensmittelvorräte aufgebraucht und neue Erträge noch nicht geerntet sind. 

10. Niger

Welthunger Index: 33,7

„Menschen sind wieder von Hunger bedroht", „Niger droht Hungerkrise" , „Hunger vertreibt die Menschen" –  alle paar Jahre schreiben die Zeitungen über eine neue Hungerkrise im Niger. Das Land im Norden Nigerias steckt in einem Teufelskreis der Armut: Kaum Steueraufkommen, hohe Armut, anwachsende Bevölkerung und kaum Ressourcen. Zudem ist die Bevölkerung im Süden auch von der Terrororganisation Boko Haram betroffen. Tausende flohen bereits in Richtung der Grenze zum Tschad, um sich in Sicherheit zu bringen.