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Water & Sanitation

Lucie: “Ich bin stolz, als erste Frau eine Brunnenbohranlage zu leiten.”

Image: World Vision

Wasser scheint es hierzulande im Überfluss zu geben. Sobald man den Wasserhahn aufdreht, sprudelt es heraus. Das ist aber nicht überall so. Vor allem nicht in Afrika, wo Wasserknappheit noch immer eines der größten Probleme darstellt. Zwar wurden in den letzten 15 Jahren dank internationaler Unterstützung zahlreiche Brunnen gebaut, aber die sind aufgrund der schieren Größe des Kontinents noch immer so spärlich gesät, dass der Weg zum nächsten Brunnen Stunden dauern kann. Allein der Weg dorthin ist mit viel Arbeit und Mühe verbunden - und nicht selten wird diese Knochenarbeit den Frauen und Kindern des Dorfes überlassen. Männer bauen die Brunnen, Frauen holen das Wasser.

Das muss doch auch anders gehen, dachte sich Lucie Bibata Dembele in Mali (Westafrika) und beschloss, mit dieser Rolle zu brechen. Heute bringt Lucie Bibata Dembele immer noch Wasser zu Gemeinden, aber sie schleppt es nicht, sie bohrt danach!

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Image: World Vision

Lucie leitet zwei Bohranlagen der Organisation World Vision und ist auch für das gesamte 12-köpfige Bohranlagen-Team verantwortlich. Damit ist Lucie (bis jetzt) die einzige weibliche Leiterin einer Bohranlage für World Vision - und das nicht nur in Mali, sondern in ganz Westafrika.

Über ihren Job und das, wofür ihre Arbeit steht, sagt Lucie:

„Ich bin überzeugt davon, dass meine Rolle wichtig ist, damit andere Frauen sehen, wie eine Frau sich für sie einsetzt. Das kann sie in all ihren Tätigkeiten ermutigen, sowohl im familiären als auch finanziellen Bereich. Deshalb bin ich mir sicher, dass meine Bemühungen nicht vergeblich sind.“

Und das sieht Daniel Maizama, World Visions stellvertretender Direktor für das Programm WASH Plus (WASH steht für "Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene") genauso: „Es ist wichtig, eine weibliche Leiterin einer Bohranlage zu haben, nicht nur, damit wir der Welt zeigen können, dass Frauen genauso gute, wenn nicht sogar bessere, Arbeit leisten wie Männer, sondern um anderen Frauen zu beweisen, dass das hier nicht nur ein Männerjob ist.“

(WASH Plus kombiniert seine Programme zur Verbesserung von Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene mit weiteren Aspekten, die für die Entwicklung von Gemeinden wichtig sind, wie z.B. Gesundheitsversorgung, Ernährung und allgemeine Lebensgrundlagen).

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Mit einem Bachelorabschluss in Geologie wollte Lucie eigentlich in die Bergbauindustrie einsteigen, da sie sich dort gute Verdienstmöglichkeiten versprach. Stattdessen entschied sie sich für den Bau von Wasserbohranlagen, da ihr die Vorstellung gefiel, für frisches Wasser für all diejenigen zu sorgen, die bisher keinen Zugang hatten. Dieser Gedanke ist auch heute noch ihre größte Inspirationsquelle für ihre Arbeit.

Im Durchschnitt dauert es etwa 3 Tage, bis ein World Vision Bohrgerät eine Tiefe von 60 Metern erreicht hat, was einen guten Strom an Wasser liefert und dann zu einem Brunnen wird.

Immer wenn ein neuer Brunnen gebaut wird, zieht das Bohranlagen-Team los und während der Bauphase leben sie in den anliegenden lokalen Gemeinden, meist allerdings in sehr schlichten Unterkünften. Die Tage sind lang und die Fahrt von einer Bohranlage zur nächsten fast immer sehr anstrengend. Es ist ein körperlich belastender Job und aufgrund der sehr ländlichen Umgebungen, ist das Team oft Krankheiten ausgesetzt, die in diesen Gebieten weit verbreitet sind. Als Lucie für diesen Artikel interviewt wurde, erholte sie sich gerade von Typhus und Malaria.

Woman drill rig manager defies norms- World Vision- Body 2.jpgImage: World Vision

Die Gemeinden, in denen Lucie arbeitet, sind oft überrascht darüber, dass eine Frau die Bohranlage leitet, und gelegentlich muss sie Fragen beantworten aber auch Kritik über sich ergehen lassen.

„Es gibt Frauen, die der Meinung sind, dass meine Arbeit zu anstrengend ist, da man teilweise monatelang von seiner Familie getrennt ist“, erzählt Lucie. „Andere wiederum sagen, es ist einfach keine Arbeit für Frauen.“

Und obwohl solche Vorurteile schon eine Herausforderung sind, hat Lucie mit etwas anderem wesentlich mehr zu kämpfen: wenn die Bohranlage nicht auf Wasser stößt. Es ist schwierig, einer enttäuschten Gemeinde gegenüberzustehen und dann zur nächsten Bohranlage in einer anderen Region zu ziehen. In solchen Fällen allerdings begutachten Hydrologen von World Vision das Land noch einmal, um festzustellen, ob es in der Umgebung nicht noch bessere Stellen gibt, an denen man erneut bohren könnte.

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In ihrer Zeit als Leiterin einer Bohranlage für World Vision hat Lucie nicht nur gelernt, wie man Bohranlagen bedient, sondern auch wie man ein Team von Männern leitet.

„Es ist nicht kompliziert. Für mich sind sie wie Brüder. Ich respektiere sie und sie respektieren mich,“ sagt Lucie. „Von einigen Mitarbeitern kann ich noch was lernen; einige haben über 10 Jahre Erfahrung. Wenn ich etwas nicht weiß, dann frage ich einfach. Jeder ist aus demselben Grund hier.“

Es ist schön und inspirierend zugleich zu sehen, dass Lucie es geschafft hat in einem Berufsfeld erfolgreich zu sein, das normalerweise von Männern dominiert wird, und das in einem Land, in dem die Rechte von Frauen noch so wenig etabliert sind und die Stimmen der Frauen oftmals nicht gehört werden.

Oder wie Daniel Maizama sagt: „Lucie ist ein großartiges Beispiel für all ihre Freundinnen, Schwestern und Frauen in Afrika und gibt ihnen hoffentlich den Mut und das Selbstvertrauen, selbst einen positiven Unterschied machen zu wollen.“

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Image: World Vision

Übersetzt von Global Citizen, aus dem Englisch von Mary Herrick, Kommunikationsbeauftragte für Wash bei World Vision