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Frauenrechte

Diese Frauen versorgen abgelegene Dörfer auf Sansibar mit Strom

Amina Shamata, a teacher at Barefoot College, Zanzibar, installs a solar light in a home in Knyasini Bondini village, Zanzibar. 24 October 2018.
Thomson Reuters Foundation/Nicky Milne

Von Nicky Milne

KINYASINI, Tansania, 21. Mai (Thomson Reuters Foundation) — Als alleinerziehende Mutter gehörte Salama Husein Haja innerhalb ihres Dorfes in Tansania der unteren Schicht an. Als Bäuerin fiel es ihr zudem schwerer, den Lebensunterhalt für ihre Familie zu erwirtschaften.

Dank ihrer Ausbildung zur Ingenieurin für Solarenergie hat sie Hoffnung auf ein festes Einkommen und einen angesehenen Ruf in ihrer Gemeinde.

Das Trainingsprogramm hat das Ziel, abgelegene Dörfer auf Sansibar, wo kaum ein Haushalt Zugang zu Strom hat, mit Elektrizität zu versorgen.

Großmütter und alleinerziehende Mütter – von denen viele weder Schreiben noch Lesen können – sind die Zielgruppe für das Ausbildungsprogramm, welches das Leben in ihren armen Gemeinden, die durch Fischerei und Landwirtschaft geprägt sind, grundlegend verändern könnte.

“Für uns ist es sehr schwer, an Strom zu kommen“, sagte Haja, 36, die Gemüse anbaut und Mutter von drei Kindern ist. Sie kommt aus einem Dorf auf Unguja, der Hauptinsel mit der höchsten Bevölkerungsdichte Sansibars.

“Wenn du keinen Strom hast, kannst du viele Dinge – wie beispielsweise Kinder unterrichten – nicht machen. Du bist gezwungen, auf eine [Öl-]Lampe zurückzugreifen. Der Rauch ist schädlich, deine Augen und Atemwege werden angegriffen”, sagt Haja.

“Aber wenn es Strom gibt, ist alles besser.“

Für Frauen ist das Leben auf Sansibar nicht leicht. In dem halbautonomen Teilstaat Tansanias, der aus vielen einzelnen Inseln besteht, lebt die Hälfte der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze.

Laut einer landesweiten Umfrage der Regierung Tansanias im Jahr 2016 ist die Anzahl an Frauen, die keine Bildung erfahren haben, doppelt so hoch wie bei Männern. Zudem besitzen weniger Frauen Land oder verfügen über ein Bankkonto.  

Hinzu kommt, dass vielen armen und ländlichen Familien der Zugang zu Strom fehlt, was ihre Lage noch verschlimmert.

Das Energienetz der gesamten Inselregion hängt von einem Erdkabel ab, das die Verbindung zum Festland herstellt. 2009 wurde es beschädigt und schnitt die Inseln über drei Monate von der Stromzufuhr ab.

Zudem sind nur etwa die Hälfte der Häuser auf Sansibar an das Stromnetz angeschlossen, während der Rest auf umweltschädliche Öllampen zurückgreifen muss.

sansibar-solarenergie-frauen-ausbildung-1.jpgAisha Ali Khatib am Barefoot College, Sansibar, 24. Oktober 2018. Bild: Thomson Reuters Foundation/Nicky Milne

Vorbilder

"Wir benutzen die Lampen nur für Innenräume", sagte Aisha Ali Khatib, Mutter von neun Kindern, die mit Haja am Barefoot College in Kinyasini, einem Dorf auf Unguja, zur Solar-In­ge­ni­eu­rin ausgebildet wurde.

"Für die Lampen brauchen wir Paraffin...Ein Löffel Paraffin kostet 200 Schillinge ($0,09), aber manchmal arbeite ich Tage und habe immer noch keine 200 Schillinge zusammen."

Der Einsatz von Solarenergie ermöglicht Menschen in abgelegenen Dörfern mit wenig Aussicht auf einen Zugang zum Hauptstromnetz ein selbstbestimmteres und nachhaltigeres Leben.

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Millionen Menschen in ganz Subsahara-Afrika werden bereits über netzunabhängige erneuerbare Energien mit Strom versorgt. Das berichtete die Internationale Energieagentur (IEA) im vergangenen Jahr und sagte ein steigendes Interesse für das Wachstum dieses Energiesektors bis 2022 vorher.

Das Barefoot College – ein Sozialunternehmen, das in Indien gegründet wurde und heute in Ostafrika arbeitet – möchte mit dem Trainingsprogramm für Solarenergie vor allem Frauen ausbilden.

Das Projekt ist dem Problem geschuldet, dass Frauen aufgrund von Armut und familiären Verpflichtungen viel weniger dazu in der Lage sind, ihre Dörfer zu verlassen. Gleichzeitig sollen Frauen in der von Männern dominierten Gesellschaft Tansanias mit dem Ausbildungsprogramm gestärkt werden, indem sie ein eigenes, angemessen Gehalt verdienen können.

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Die Auswahl der Frauen, die ihre Familien für die Ausbildung zur Ingenieurin verlassen und zum Barefoot College reisen dürfen, wird von den am Projekt teilnehmenden Gemeinden getroffen. Diese werden gebeten, jeweils zwei Frauen im Alter zwischen 35 und 55 Jahren zu nominieren.

Obwohl es vielen der so ausgewählten Frauen an formaler Bildung fehlt, sind sie meist Autoritätspersonen und tief in das Leben ihrer Gemeinden eingebunden.

"Wenn man eine Frau ausbildet, bildet man eine ganze Gemeinschaft aus", sagte Fatima Juma Haji, Ausbilderin für Solar-Ingenieure am Barefoot College.

"Wenn du einen Mann weiterbildest, wird er nicht im Dorf bleiben, er wird weggehen. Aber wenn du eine Frau ausbildest, geht sie zurück in ihr Dorf und bringt es voran."

sansibar-tansania-frauen-ausbildung-solar-energie-2.jpgEine Frau, die am Barefoot College ausgebildet wird. Sansibar, 15. Oktober 2018. Bild: Thomson Reuters Foundation/Nicky Milne

Während ihrer Ausbildung leben und lernen die Frauen fünf Monate lang an der Hochschule. Danach kehren sie in ihre Dörfer zurück und installieren Solarsysteme für ihre Familie und Nachbarn.

Die Haushalte zahlen für den Strom ein paar Dollar im Monat – eine billigere Option als den Kauf von Paraffin oder den Strom vom Hauptnetz zu beziehen.

Ein Teil des so gesammelten Geldes wird verwendet, um den ausgebildeten Ingenieurinnen ein festes Gehalt zu zahlen, die als Gegenleistung die Energieanlagen des Dorfes warten und es wird dafür eingesetzt, Gemeinschaftsprojekte zu fördern.

Frauen, die an der Ausbildung teilnehmen, sagten, dass sie von einem stabilen Einkommen und einem neuen Gefühl von Unabhängigkeit und Respekt in ihren Gemeinden profitieren würden.

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"Uns wurde ein besseres Leben geschenkt, denn wenn wir hier fertig sind, werden wir Ingenieurinnen sein und zurückkehren, um andere zu unterrichten", sagte Haja.

"Wenn ich zurückkehre, werde ich einen Status haben. Ich werde gebildet und stolz sein."


(Ein Bericht von Sonia Elks @soniaelks; überarbeitet von Belinda Goldsmith. Bitte die “Thomson Reuters Foundation” als Quelle angeben, wenn dieser Artikel zitiert/geteilt wird. Die Thomson Reuters Foundation berichtet über Themen wiehumanitäre Hilfe, Rechte von Frauen- und LGTB+-Personen Menschenhandel, Klimawandel und vielem mehr auf news.trust.org.