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Bildung

Alle Atlanten und Weltkarten sind falsch. So richtig, richtig falsch.

Timothy Krause

Vergiss, was du jemals in Erdkunde gelernt hast. Die Welt ist nicht so, wie sie scheint. Die Menschheit wurde von einem flämischen Kartographen hinters Licht geführt. Am besten sollte sich jetzt jeder erst einmal hinsetzen.

Das Wichtigste zuerst: Die Erde ist immer noch rund und keine Scheibe. Das ist schonmal gut zu wissen. Aber was ist nun genau falsch?

In den letzten 500 Jahren haben Kinder auf der ganzen Welt die Länder der Erde immer von der gleichen Karte gelernt. Doch eine Schule in Boston will mit dieser Tradition brechen und andere Weltkarten benutzen. Und das könnte die Sicht auf die Welt und wie wir über sie denken und sie verstehen von Grund auf verändern.

Denn es dreht sich alles nur um Macht.

Die meisten werden noch die ganz alten Weltkarten aus den Atlanten kennen. Diese Karten basieren auf der Mercator-Projektion. 1569 erfand der Kartograf Gerardus Mercator diese Kartendarstellung. Zur damaligen Zeit war Europa unterwegs, um die Welt zu entdecken. Und zu kolonisieren. Das hatte auch Auswirkungen auf die Europäer und wie sie die Welt sahen. Am wichtigsten waren den Europäern ihre Handelsrouten nach China oder Indien, denn Europa war der Nabel der Welt. Um Europa und sein Wohlergehen drehte sich alles.

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Das Problem daran? Der Maßstab! Europa liegt nicht im Zentrum der Welt. Mercator hatte auf seiner Karte einfach den Äquator ein wenig verschoben. Und Nordamerika ist auch nicht so groß wie auf der Karte. In der Realität ist Südamerika zweimal so groß wie Europa. Grönland müsste um das 14-fache kleiner als Afrika sein und um das dreifache kleiner als Australien. Und überhaupt: Alaska erscheint dreimal größer als Mexiko, obwohl die beiden Länder gleich groß sein müssten.

Und das ist der Haken an der Projektion von Mercator. Er übertreibt, was die Größe der alten Kolonialmächte angeht und stellt Entwicklungsländer und Kontinente wie Afrika extrem verzerrt und kleiner dar als sie in Wirklichkeit sind. Die Sicht auf die Welt, die wir heute haben? Daran ist (mitunter) Mercators Interpretation der Welt Schuld.

Es gibt aber auch eine andere Karte. Eine Karte, die ohne topografische Vorurteile auskommt und versucht, die Wahrheit widerzuspiegeln. Und das ist diese hier: die Gall-Peters-Projektion.

Mehr Leuten ist die Kartenprojektion als Peters-Projektion bekannt, die von Dr. Arno Peters 1974 entwickelt wurde. Hierbei handelt es sich um eine flächentreue Projektion, die versucht die Länder und Meere der Welt so maßstabsgetreu wie möglich abzubilden - ohne dabei von der Kolonialzeit beeinflusst zu sein.

Deshalb sollen ab sofort alle neuen Karten, die in den öffentlichen Schulen in Boston benutzt werden, Karten nach der Peters-Projektion sein. Laut Colin Rose, stellvertretender Aufsichtsleiter für Möglichkeiten und Leistungen der Bostoner Schulbehörde, wird „der Prozess, die Schulen und das Curriculum endlich zu entkolonisieren, drei Jahre dauern“.

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„86 Prozent unserer Schüler sind Schüler mit unterschiedlicher Hautfarbe“, sagt Hayden Frederick-Clarke, Rektor für den kulturellen Austausch der Bostoner Schulen in einem Interview mit WBUR. „Wenn Schüler merken, dass man ihnen nicht die Wahrheit erzählt, tendieren sie dazu, abzuschalten und sich nicht mehr für die Schule zu interessieren. Das müssen wir verhindern.“

Keine Karte kann perfekt sein. Eine zweidimensionale Projektion eines runden Körpers wird immer Fehler aufweisen. Das fällt selbst bei Google Maps auf, die ebenfalls auf der Mercator-Projektion basieren. Wenn aber ein Online-Kartendienst wie dieser, der von Millionen von Menschen tagtäglich genutzt wird, auf falschen Daten beruht, setzt sich die irreführende Darstellung immer weiter durch. Genau da will Boston nun entgegenwirken.

Auch die Peters-Projektion hat Schönheitsfehler: es scheint, als habe die Karte Schwangerschaftsstreifen, als ob nicht mehr genügend Land da wäre, um es auf der Karte abzubilden. Aber es ist ein Weg in die richtige Richtung. Ein Weg, die Welt nach Jahrhunderten doch noch akurater abzubilden als bisher.