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Frauenrechte

#WomeninBusiness-Aktion: Schluss mit Frauen Klischees in der Arbeitswelt

Ein Bild sagt manchmal mehr als tausend Worte. Das Sprichwort kommt nicht von ungefähr und gehört zum Überlebensmotto in der Onlinewelt. Dort lässt sich quasi kein Artikel oder Beitrag finden, der ohne visuelle Zugabe in Form von Fotos und Bildern auskommt.

Was nicht verwunderlich ist, sind Fotos für uns bildverliebte Menschen doch großartige Helfer, wenn es darum geht, eine bestimmte Atmosphäre wiederzugeben, die sich in Worte nur schwer ausdrücken lässt. Oder hat irgendwer schon mal von einem Text über feiernde Fußballfans im Stadion gehört, der mitreißender war als entsprechende Fotos von der Situation? Eben. 

Das gleiche kann man auch von Stereotypen sagen. In Kombination sind diese beiden Dinge die schnellste und einfachste Art, etwas zu kommunizieren, was beim Gegenüber keinen großen Denkaufwand erfordert. Angucken, in die gedankliche Schublade stecken, fertig. Schön einfach.

Dass das allerdings auch ziemlich gehörig nach hinten losgehen kann, darauf will jetzt die Foto-Aktion #WomeninBusiness aufmerksam machen.

Women in Business, frei übersetzt mit 'Frauen in der Unternehmenswelt', zeigt ziemlich genau das, was der Name suggeriert: Bilder von Frauen in ihrem Arbeitsalltag, maßgeblich in der Unternehmenswelt. Bilder, die man gegen Geld auf Plattformen wie Stockphotos, Istock oder Gettyimages kaufen kann, aber auch zur freien Nutzung ganz einfach bei Google findet. Abnehmer solcher Fotos sind Online-Zeitungen, Blogger, Webseitenbetreiber, kurzum: eigentlich jeder, der keine Zeit hat, eigene Bilder zu schießen, aber dringend welche braucht. 

Okay, und der Haken an der Sache? Schauen wir doch mal selbst: 

Top-gestylt scheint in der weiblichen Arbeitswelt ein 'muss' zu sein. 
Collage-Businesswomen-e1455547993341-1024x578.jpgQuelle: © Collage: Marieke Reimann. Bilder von links nach rechts: © Steve Wilson/Flickr Lizenz: CC BY 2.0 © Brungilda Golden/Flickr Lizenz: lizenzfrei © Steve Wilson/Flickr Lizenz: CC BY 2.0

Wieder top-gestylt, dieses mal gepaart mit Zahnpastawerbelächeln. In Brünett, Dunkelhaarig und Blond.  
can-stock-photo_csp3680544.jpgQuelle: Canstock photos

Dieses Bild hier lässt sich tatsächlich auf der Webseite einer bekannten, im Bundestag vertretenen Partei finden. Und was sehen wir: High Heels, Rock und Handtasche. Ah ja.  
frauen_gleichstellung_quote-aufsichtsrat_dpa-bildfunk_720x360.jpgQuelle: picture-alliance / dpa

Spätestens jetzt sollte klar sein: da kann was nicht stimmen. Das Bild trägt übrigens den offiziellen Titel 'Business woman laying down'. 
stock-photo-12970098-business-woman-lying-down-isolated.jpgQuelle: http://www.istockphoto.com/photo/business-woman-lying-down-isolated-gm149046494-12970098

Es braucht nicht viel Talent im Schubladendenken, um zu sehen: hier werden Klischees vermittelt, die komplett an der Realität vorbeischießen. Den Bleistiftrock bis zum Anschlag, High Heels am Fuß und perfektes Zahnpastawerbelächeln - nicht die Darstellung per se ist fragwürdig, sondern, dass diese Bilder explizit 'berufstätige Frauen im Arbeitsalltag' darstellen sollen. Wirklich liebe Welt? Das ist das Bild, das ihr von arbeitenden Frauen in Unternehmen habt?

Hier ein kurzer Realitätscheck aus erster Hand: wenn ich mich in diesem Büro umgucke, sehe ich keine Röcke, keine High Heels und huch, welch Überraschung, keine meiner Kolleginnen liegt frohlockend auf dem Boden. 

Ins Leben gerufen wurde die Aktion von der Tageszeitung Handelsblatt, der Internetplattform Edition F und der Foto-Community EyeEm. In ihrer Foto-Aktion rufen sie vor allem Frauen dazu auf, authentische Bilder von sich im Arbeitsalltag einzureichen, um mit den reichlich schiefen Klischees aufzuräumen. „Wir wollen moderne, natürliche und authentische Frauen zeigen. Frauen, die sich täglich in ihrem Job abrackern, aber nicht immer top gestylt erscheinen. [...] Frauen, die nicht ihre weiblichen Vorzüge in den Fokus stellen, sondern mit ihrem fachlichen Können bestechen." beschreiben die Organisatoren ihre Aktion.

Fotos einreichen kann jeder, entweder via App (EyeEm) oder per Email. Die Aktion soll bis Ende Februar laufen. Danach werden die besten Fotos ausgewählt und als Alternative zu Istock & CO. zum Kauf angeboten.

Die Forderung nach einer 'echten' Gleichberechtigung der Geschlechter richtet sich also nicht nur an Länder und Kulturen jenseits unserer Grenzen, sondern ganz gezielt an jeden einzelnen von uns. Frauen spielen eine Schlüsselrolle im Kampf gegen extreme Armut - dafür müssen sie jedoch ein vollwertiges und respektiertes Mitglied der Wirtschaft und als solches auch wahrgenommen werden. Das gilt für hier ebenso wie für den Rest der Welt.