Warum das wichtig ist:
Ägypten ist eines der Länder, die weltweit am stärksten von Geschlechterungerechtigkeit betroffenen sind. Vor allem sexuelle Belästigung auf offener Straße ist in Ägypten weit verbreitet. Die Parkour-Sportlerinnen stellen Geschlechterstereotype infrage, indem sie ihren Sport auf den Straßen von Kairo ausüben. Hier könnt ihr mit Global Citizen für stärkere Frauenrechte kämpfen. 

Fußballspieler sieht man auf den Straßen von Kairo oft – doch Frauen und Mädchen sind nur selten unter ihnen zu finden. Genau aus diesem Grund ist die Gruppe aus Parkour-Enthusiastinnen, die in Kairo ihrem Sport nachgehen, so bemerkenswert. 

Parkour ist eine Sport- und Fortbewegungsart, die sich aus dem militärischen Hindernisparcours-Training entwickelt hat. Dazu zählen Laufen, Springen und Klettern über Objekte in urbanem Raum. In Kairo gibt es nun eine Gruppe von Frauen, die durch Straßen rennen und Wände hochklettern. Sie trainieren einmal wöchentlich und hoffen, Ägyptens erstes professionelles Parkour-Team zu werden, berichtete Reuters.

Aber die Gruppe der Frauen macht mehr als nur über physische Hindernisse springen – sie überwinden auch gesellschaftliche Hürden.

Während viele ägyptische Männer Parkour praktizieren, gilt der Sport für viele Frauen als “unangemessen”. Denn dass Frauen in der Öffentlichkeit Sport treiben, ist nicht gern gesehen. Die Parkour-Sportlerinnen rebellieren bewusst gegen diese einschränkende Denkweise. So gewinnt der Sport bei Frauen zunehmend an Beliebtheit. 

"Jetzt, wo Frauen mit dem öffentlichen Training angefangen haben, werden es immer mehr", sagte Mohamed Omran, der Frauentrainer, gegenüber Reuters. "Mit der Verbreitung des Sports steigt auch die Akzeptanz des Frauentrainings und es kommt öfter vor, dass Frauen in einer Gruppe trainieren", sagte er.

Die Parkour-Sportlerinnen kämpfen gegen viele Hindernisse an.

Laut einer Umfrage von UN Women und der brasilianischen Non-Profit-Organisation Promundo aus dem Jahr 2017 gaben mehr als 60 Prozent der ägyptischen Männer an, eine Frau oder ein Mädchen auf der Straße sexuell belästigt zu haben. In der Praxis ist die Zahl der Frauen, die im Land sexueller Belästigung ausgesetzt sind, wahrscheinlich noch deutlich höher. Mehr als 99 Prozent der ägyptischen Frauen gaben 2013 an, sexuelle Belästigung – einschließlich Belästigung auf der Straße –  erlebt zu haben, berichtetete UN Women.

Geschlechterungleichheit und diskriminierende Einstellungen halten sich in Ägypten hartnäckig. 2017 landete das nordafrikanische Land beim Global Gender Gap-Bericht des Weltwirtschaftsforum auf auf Platz 134 von 144 Ländern, was zeigt: In Sachen Gleichberechtigung ist noch einiges zu tun. 

Aber so langsam ändern sich die Dinge: 2016 schickte Ägypten 37 Athletinnen zu den Olympischen Spielen in London. Das war die größte Delegation an weiblichen Sportlerinnen seit Ägyptens erster Teilnahme an den Olympischen Spielen im Jahr 1912. Trotzdem kämpfen auch Elite-Athletinnen weiterhin gegen sexistische Einstellungen und niedrige Löhne im Land.

"Viele Menschen in Ägypten haben Angst, dass Sportlerinnen ihre Weiblichkeit opfern, verletzt werden oder ihre Jungfräulichkeit verlieren", sagte Shaimaa Mohamed, eine ägyptische Goldmedaillengewinnerin im Karate, gegenüber Vice. Zudem werde von Sportlerinnen erwartet, dass sie ihre Karriere beenden, um eine Familie zu gründen.

Kairos Parkour-Sportlerinnen hoffen jedoch, diese sozialen Normen zu ändern, indem sie in der Öffentlichkeit Sport treiben. "Es ist ganz normal, dass Menschen hier Frauen, die Parkour trainieren, nicht sofort akzeptieren, weil sie nicht daran gewöhnt sind. Sie akzeptieren die Idee nicht, dass Mädchen Sport treiben können – erst recht nicht auf der Straße", sagte Zayneb Helal, eine der Parkour-Sportlerinnen, Reuters. "Es braucht mehr Zeit, damit sich die Gesellschaft weiterentwickeln kann. Und auch der Sport muss sich weiter ausbreiten, damit die Menschen davon erfahren", sagte sie.

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Gerechtigkeit fordern

Diese ägyptischen Parkour-Sportlerinnen überwinden Hürden – vor allem in der Gesellschaft

Ein Beitrag von Daniele Selby