In voll besetzten Bibliotheken und Konferenzzentren in ganz Nairobi kamen Staats- und Regierungschef*innen, Finanzminister*innen und Entwicklungspartner*innen zusammen, um über Afrikas wirtschaftliche Zukunft zu beraten. Der Africa Forward Summit am 11. und 12. Mai brachte einige der einflussreichsten politischen und finanziellen Stimmen des Kontinents zusammen, um über eine ehrgeizige Agenda zu Handel, Technologie und Wachstum zu diskutieren.

Der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD), eine UN-Organisation und die einzige internationale Finanzinstitution, die sich ausschließlich der Finanzierung der ländlichen Transformation widmet, war ebenfalls vor Ort und stellte eine Frage, die allen Gesprächen zugrunde lag: Wie können wir ein globales Ernährungssystem aufbauen, das widerstandsfähig genug ist, um Konflikten, Klimakatastrophen und wirtschaftlichen Schocks standzuhalten?

IFAD erinnerte die Verantwortlichen immer wieder daran, dass jede ernsthafte wirtschaftliche Ambition eine Antwort auf diese Frage finden muss. Und die Antwort beginnt damit, die Menschen, die die Lebensmittel anbauen, von denen wir alle leben, konsequent ins Zentrum zu stellen.

Ohne starke Agrarsysteme geraten auch Fortschritte in anderen Bereichen ins Stocken – vom Handel und der Technologie bis hin zu Gesundheit und Bildung. Die Dringlichkeit nimmt zu: 266 Millionen Menschen leiden unter akutem Hunger – fast doppelt so viele wie 2016 –, da Konflikte, wirtschaftliche Instabilität und Klimaschocks die globalen Ernährungssysteme erschüttern. Und obwohl diese Schocks global sind, treffen ihre Folgen Kleinproduzent*innen aufgrund der steigenden Kosten für Treibstoff, Dünger und Transport oft am härtesten.

Deshalb konzentriert sich IFAD auf das, was der Fonds als „erste Meile“ bezeichnet: den Ausgangspunkt globaler Lebensmittelversorgungsketten. Hier können Investitionen die größte Wirkung entfalten – sie schaffen Arbeitsplätze, stärken die Klimaresilienz und sichern die Produktivität. Dennoch bleiben die Mittel knapp. Ein Paradox: Kleinbäuer*innen produzieren rund ein Drittel der Lebensmittel weltweit, erhalten aber nur einen Bruchteil der Aufmerksamkeit und Finanzierung, die ihrer Rolle angemessen wären.

Hier kommt IFAD ins Spiel. Der Africa Forward Summit fand zu einem entscheidenden Zeitpunkt statt: im Vorfeld einer der wichtigsten Entscheidungen des Jahres über die Finanzierung der Ernährungssysteme – IFAD14. Warum das wichtig ist und wie du beeinflussen kannst, was Regierungen als Nächstes für Landwirt*innen weltweit tun, erfährst du hier.

Beginnen wir ganz von vorn: Was genau sind IFAD und IFAD14?

IFAD hat es sich zur Aufgabe gemacht, in Menschen in ländlichen Gemeinschaften zu investieren, damit sie ihr Einkommen steigern, die Ernährungssicherheit weltweit stärken und vor Ort Widerstandsfähigkeit gegenüber Klimafolgen, Konflikten und wirtschaftlichen Schocks aufbauen können.

Alle drei Jahre führt IFAD eine sogenannte Wiederauffüllung durch. Dabei überprüfen die Geberstaaten die Prioritäten des Fonds und geben neue Finanzzusagen ab, um seine Arbeit für die folgenden drei Jahre zu finanzieren. IFAD14 heißt so, weil es sich um die 14. Wiederauffüllung der Organisation handelt. Sie wird im Dezember in Rom abgeschlossen und finanziert das IFAD-Arbeitsprogramm von 2028 bis 2030.

Die hier eingegangenen Zusagen bestimmen Umfang und Ambition der IFAD-Projekte – von Bewässerung im ländlichen Raum und verbessertem Marktzugang über landwirtschaftliche Schulungen, Schulmahlzeitenprogramme und Frauengenossenschaften bis hin zu Finanzinstrumenten und Ressourcen für Klimaresilienz. Für Landwirt*innen, die im Norden Kenias mit Dürre kämpfen, oder junge Unternehmer*innen, die in Ghana ein Agrarunternehmen aufbauen wollen, kann der Zugang zu diesen Ressourcen das Leben verändern.

Die „erste Meile“ erreichen

IFADs Fokus auf ländliche Gemeinschaften ist entscheidend, denn die Menschen, die rund ein Drittel aller Lebensmittel weltweit erzeugen, erhalten häufig die geringste Unterstützung. Kleinbäuer*innen erhalten weniger als 1 % der weltweiten Klimafinanzierung, obwohl sie zu denjenigen gehören, die Dürren, Überschwemmungen und unvorhersehbaren Anbaubedingungen am stärksten ausgesetzt sind. Genau diese Lücke soll IFAD14 schließen.

Dieses Ungleichgewicht zeigt sich besonders deutlich in Afrika. Vielerorts bilden Kleinbäuer*innen das Rückgrat der lokalen Wirtschaft. Allein der Agrarsektor beschäftigt mehr als die Hälfte der Arbeitskräfte in Subsahara-Afrika. Landwirtschaftliche Betriebe mit weniger als zwei Hektar Fläche machen rund 80 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche des Kontinents aus.

Investitionen in die erste Meile können jedoch weit über einzelne Höfe hinaus etwas bewirken. Wenn Produzent*innen besseres Saatgut sowie Zugang zu Straßen, Krediten, Märkten und Technologien erhalten, können sie mehr produzieren und verdienen – und ganze Gemeinschaften profitieren davon.

IFADs Wirkung vor Ort

Regierungen unterstützen IFAD seit Jahrzehnten aus einem einfachen Grund: Seine Arbeit bewirkt tiefgreifende, messbare Veränderungen.

Bis heute hat IFAD fast 23 Milliarden US-Dollar in laufende Projekte in mehr als 90 Ländern investiert und damit 92 Millionen Menschen in ländlichen Gebieten direkt erreicht. Jüngste Wirkungsanalysen zeigen: Bei Teilnehmenden an IFAD-geförderten Projekten stiegen die Einkommen um 34 %, die landwirtschaftliche Produktion um 35 % und der Marktzugang um 34 %. Für Landwirt*innen, die oft mit hauchdünnen Gewinnspannen arbeiten, können solche Zahlen das Leben verändern.

„Für eine junge Frau in einer sehr ländlichen Region eines Entwicklungslandes kann das bedeuten, dass sie ihre Kinder zur Schule schicken, sich nahrhafte Lebensmittel leisten und weitere Frauen aus ihrer Gemeinschaft beschäftigen kann“, sagte IFAD-Präsident Alvaro Lario in Nairobi.

IFAD-geförderte Projekte halfen außerdem 1,1 Millionen Haushalten, klimaresiliente und ökologisch nachhaltige Verfahren einzuführen. Zudem wurden mehr als 7.300 Kilometer Straßen gebaut, die ländliche Gemeinschaften mit lokalen Märkten, Schulen und Gesundheitszentren verbinden.

„Diese Investitionen verändern das Leben der Menschen vor Ort. Sie eröffnen ihnen wirtschaftliche Chancen und verschaffen ihnen Zugang zu Wasser, Finanzierung und neuesten Technologien. So können wir auch dafür sorgen, dass Landwirtschaft zu einem Geschäft wird, das ihnen eine sichere Lebensgrundlage und ein angemessenes Einkommen bietet“, erklärte Lario.

Afrikas Staats- und Regierungschef*innen machen sich dafür stark

Afrikanische Staats- und Regierungschefs griffen diese Botschaft auf dem Gipfel auf. Statt kleinbäuerliche Betriebe als entwicklungspolitische Herausforderung darzustellen, betrachteten sie Investitionen in ländliche Gebiete als Chance, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln und langfristige Stabilität zu schaffen.

Diese Unterscheidung ist wichtig. IFAD wurde in der Vergangenheit von mehr als 100 Ländern unterstützt. Damit zählt die Wiederauffüllung des Fonds zu den am breitesten getragenen Finanzierungsprozessen großer internationaler Finanzinstitutionen. Im vergangenen Zyklus leisteten mehr als 65 Länder mit niedrigem und unterem mittlerem Einkommen eigene Beiträge. Das zeigt: Länder, die selbst Unterstützung erhalten, geben etwas zurück und tragen das Modell weiter.

Während des gesamten Gipfels traf sich IFAD-Präsident Lario mit Staatsoberhäuptern und hochrangigen Regierungsvertreter*innen aus ganz Afrika. Gemeinsam sprachen sie über Ernährungssysteme, Wirtschaftswachstum und den Beitrag, den IFAD14 zu beidem leisten wird.

Ghanas Präsident John Dramani Mahama beschrieb die Rolle von IFAD ganz konkret.

„Organisationen wie IFAD helfen uns, unsere Produktivität zu steigern. Sie unterstützen uns bei der Bewässerung und Wasserversorgung für den ganzjährigen Anbau sowie beim Bau von Lagerhäusern, in denen Lebensmittel haltbar gemacht und gelagert werden können. Heute haben wir außerdem mit IFAD über die Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse, Agrarunternehmen und inzwischen sogar über Fintech-Unternehmen gesprochen“, erklärte er. „Darin liegt die Zukunft der Landwirtschaft in Afrika. IFAD und ähnliche Institutionen tragen dazu bei, dass diese Zukunft Wirklichkeit wird.“

Wie viel steht auf dem Spiel?

Fast 80 % der ärmsten Menschen der Welt leben in ländlichen Gebieten. Die unmittelbaren Vorteile von Investitionen dort mögen auf der Hand liegen. Doch die Folgen zu geringer Investitionen in die erste Meile reichen weit über die Orte hinaus, an denen unsere Lebensmittel angebaut werden.

Denn wenn Ernährungssysteme ins Wanken geraten, steigen die Lebensmittelpreise weltweit. Wenn Klimaschocks Ernten vernichten, wirken sich die Verluste auf die gesamten Lieferketten aus. Wenn Landwirt*innen sich keinen Dünger leisten oder Märkte nicht erreichen können, sinkt die Produktion. Wenn die Ernten schrumpfen, steigen zwangsläufig die Lebensmittelpreise. Und wenn Menschen ihr regelmäßiges Einkommen verlieren, trägt die gesamte Gesellschaft die Folgen. Die Eskalation des Konflikts im Nahen Osten verstärkt die Sorge vor anhaltenden Störungen, durch die bis zum Ende des Jahrzehnts weitere 19 Millionen Menschen Hunger leiden könnten.

Gleichzeitig wächst Afrikas junge Bevölkerung rasant. Bis 2050 wird ein Viertel der Weltbevölkerung aus Afrika stammen. Investitionen in ihre Zukunft entscheiden heute darüber, ob dieses Bevölkerungswachstum in den kommenden Jahrzehnten Arbeitsplätze, Stabilität und gemeinsamen Wohlstand hervorbringt.

Starke Ernährungssysteme sind entscheidend, um Krisen zu verhindern, bevor sie entstehen. Investitionen in IFAD14 zählen dabei zu den wirkungsvollsten Hebeln, die Regierungen nutzen können.

Der Countdown bis Dezember läuft

Den Regierungen bleiben nur noch wenige Monate, um zu entscheiden, wie viel sie in IFAD14 investieren werden. Ihre Zusagen werden die Arbeit von IFAD in den kommenden drei Jahren prägen – in einer Zeit, die für ländliche Gemeinschaften voraussichtlich von großer Unsicherheit geprägt sein wird.

Diese Entscheidung wird vielleicht nicht die Schlagzeilen beherrschen. Ihre Folgen werden jedoch weit über die erste Meile hinaus spürbar sein – bei Lebensmittelpreisen, wirtschaftlichen Chancen und der Widerstandsfähigkeit von Ernährungssystemen weltweit.

Einige Länder sind bereits vorangegangen. Der Tschad gab als erstes Land eine Finanzierungszusage für IFAD14 ab und erhöhte seinen Beitrag um 11 %. Weitere Länder werden ihre Zusagen im Vorfeld der abschließenden Geberkonferenz im Dezember bekannt geben.

Ohne öffentlichen Druck könnte IFAD14 wie so viele andere Finanzierungszusagen für Entwicklungsarbeit außerhalb politischer Kreise weitgehend unbeachtet bleiben. Oder es könnte zu einem Moment werden, in dem die Welt gemeinsam handelt und von politisch Verantwortlichen Aufmerksamkeit einfordert.

Was an der ersten Meile geschieht, betrifft uns alle. Fordere politisch Verantwortliche dazu auf, in Landwirt*innen und ländliche Gemeinschaften zu investieren: Lade die Global Citizen-App herunter, nimm an unserer IFAD-Action-Journey teil und wende dich an deine politischen Vertreter*innen, damit IFAD14 nicht länger ignoriert werden kann.

An der ersten Meile können wir etwas bewirken. Fangen wir dort an.

Global Citizen Explains

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Ein Beitrag von Victoria MacKinnon