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Gesundheit

Wie eine Frau aus Simbabwe AIDS den Kampf ansagt

Heute ist internationaler Welt-AIDS-Tag. Ein Tag, der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits im Jahr 1988 ins Leben gerufen wurde und seitdem jedes Jahr am 01. Dezember stattfindet. Ziel dieses Tages ist es, die weltweite Aufmerksamkeit auf diese Krankheit zu richten und allen voran Vorurteile gegenüber HIV-Erkrankten abzubauen. Vor allem in den 70er und 80er Jahren litten HIV-Erkrankte unter enorm starker Stigmatisierung und hatten lange gegen schlichtweg falsche Vorurteile zu kämpfen. Die teilweise auch heute noch kursieren, vor allem in Ländern, in denen Aufklärung in Bezug auf Sexualkunde, aber auch über die Krankheit im Allgemeinen so gut wie nicht stattfindet.

Die Medizin allerdings hat seit dem Jahr 2000 einige bemerkenswerte Sprünge gemacht: dank neuester medizinischer Versorgung konnten in den letzten 15 Jahren weltweit 8 Millionen AIDS-bezogene Todesfälle verhindert werden. Eine derjenigen, die sich dieser Forschung verschrieben hat, ist Kundai Chinyenze aus Simbabwe. Die Krankheit hat seit jeher eine entscheidende Rolle in Kundais Leben gespielt und gibt ihr bis heute die Motivation, sich auf diesem Gebiet zu engagieren.     

Der folgende Beitrag kommt von der internationalen Lobby- und Kampagnenorganisation ONE, die sich besonders für die Bekämpfung von Aids und HIV einsetzt.


Der schwerste Moment in meinem Leben ist wohl auch der, der mich am meisten geprägt und aus mir das gemacht hat, was ich heute bin: eine HIV-Forscherin, die gemeinsam mit vielen gleichgesinnten Wissenschaftlern weltweit an der Entwicklung eines präventiven HIV-Impfstoffs arbeitet.

Niemals werde ich den Tag vergessen, an dem sich mein ganzes Leben änderte – und nie wieder so wurde, wie es war. Ich war 16 und kam an diesem Tag aus der Schule nach Hause, in der Hand meine Prüfungsergebnisse, für die ich sehr hart gearbeitet hatte. Ich hatte sehr gut abgeschnitten und war so aufgeregt, meiner Mutter die guten Nachrichten zu bringen. Unermüdlich hatte sie mich unterstützt, hatte vieles geopfert, um mich durch die Schule zu bringen. Damals hatten wir noch keine Handys und so eilte ich nach Hause und platze fast vor Freude, meiner Mutter von meinen guten Noten zu berichten.

In dem Moment, in dem ich unser Haus betrat, spürte ich, dass etwas nicht stimmte. Im Flur standen meine Cousinen und weinten. Jemand nahm meine Hand und führte mich ins Schlafzimmer meiner Mutter. Und dort lag sie, ganz still, auf ihrem Bett. Sie erkannte mich nicht mehr. Es brach mir das Herz. Noch am selben Vormittag, bevor ich zur Schule aufbrach, war meine Mutter genauso gespannt und neugierig auf meine Prüfungsergebnisse wie ich. In meiner Verzweiflung erzählte ich ihr trotzdem von meinen guten Noten – aber meine Worte erreichten sie nicht mehr. Sie verstand nicht, was um sie herum vorging. In den wenigen Stunden, die ich in der Schule war, hatte meine Mutter mich vergessen. Heute weiß ich, dass sie am sogenannten Aids-Demenz-Komplex litt.

Niemand erklärte mir, was mit meiner Mutter los war. HIV war in jener Zeit mit einem großen Stigma behaftet. Eine HIV-Diagnose kam damals einem Todesurteil gleich – einem schändlichen Todesurteil. Es gab keine Medikamente. Man konnte nur noch auf den Tod warten. Teilweise findet diese Stigmatisierung bis heute statt – überall auf der Welt. Ein Grund hierfür ist einer der Übertragungswege von HIV: ungeschützter Sex und die moralische Debatte in diesem Kontext.

Die Krankheit galt als Schande und niemand wollte damit in Verbindung gebracht werden. Und niemand wollte seine Kinder mit dem Wissen um diese Krankheit belasten. Meine Mutter wurde ins Krankenhaus gebracht und ich wartete bis der Arzt kam. Ich fragte ihn, was mit ihr los sei. Er antwortete: „Mit Kindern sprechen wir nicht über diese Dinge.” Später hörte ich zufällig, wie ein paar Krankenschwestern im Flüsterton über mich sprachen: „Das ist die Tochter von der Frau mit Aids.” Ich war am Boden zerstört. Wütend. Durcheinander. An diesem Tag schwor ich mir, dass ich selber Ärztin werden und alles über diese Krankheit lernen würde.

Zwei Wochen später starb meine Mutter. Etwa zwei Jahre nach ihrem Tod erlag mein Vater derselben Krankheit. Als mein Vater starb, studierte ich bereits Medizin an der Universität von Simbabwe in Harare.

2004 begann ich meinen Job in der ersten öffentlichen HIV-Klinik in Simbabwe. Nachdem ich viele HIV-Patienten behandelt hatte, beschloss ich, mein Wissen in der HIV-Prävention einzusetzen und begann, in der Entwicklung von Mikrobiziden zu arbeiten. Bei Mikrobiziden handelt es sich um Vaginalgele und Wissenschaftler erforschen die Möglichkeiten, mit ihrer Hilfe die sexuelle Übertragung von HIV zu verhindern. Insofern sind Mikrobizide eine Präventionsstrategie, die insbesondere für Frauen entwickelt wurde. Frauen sind häufig stärker gefährdet, sich mit HIV zu infizieren – vor allem in Afrika, wo sie sich nicht immer für geschützten Sex entscheiden können. Wenn Frauen ihren Partner auffordern, ein Kondom zu benutzen, kann es passieren, dass er sie einfach ignoriert oder sogar ungehalten wird, weil er denkt, dass sie ihm nicht vertraut. Um HIV und Aids zu beenden, brauchen wir einen HIV-Impfstoff. Wir brauchen einen HIV-Impfstoff zusätzlich zu den bereits existierenden Präventionsmitteln, eine Impfung, die Frauen, Männer und Kinder schützt. Bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten sind Impfungen ein so wirksames und leistungsstarkes Mittel – man denke nur an die Pocken oder andere Krankheiten wie Masern. Einem Bericht von UNAIDS, dem Programm der Vereinten Nationen zur Reduzierung von HIV/Aids, konnte man kürzlich entnehmen, dass sich jeden Tag etwa 5.600 Menschen mit HIV infizieren. Um dies zu verhindern, brauchen wir dringend einen Impfstoff. Wenn wir HIV beenden wollen, müssen wir diesen Impfstoff finden!

Heute bin ich selbst Mutter von drei Kindern – und ich würde sie liebend gerne vor HIV schützen. Ich wünsche mir für sie, dass sie keine Angst davor haben müssen, sich zu verlieben und mit jemandem zusammen zu sein. Egal, ob man reich ist oder arm, wir sind alle Menschen und wir machen alle Fehler. Einige vergessen, ein Kondom zu benutzen, andere können sich ihren Partner nicht aussuchen und wieder andere werden zu Sex gezwungen. Eine HIV-Impfung könnte sie alle schützen.


Der 'Globale Fonds gegen Aids, Tuberkulose und Malaria' hat eine entscheidende Rolle in der weltweiten Eindämmung von Aids gespielt: seit 2002 hat er über 17 Millionen Menschenleben gerettet. Und er hat das Potential, in den kommenden drei Jahren weitere Millionen Menschen das Leben zu retten. Allerdings nur, wenn Staats- und Regierungschefs ihre Unterstützung für den Globalen Fonds aufstocken. Hier die Petition unterzeichnen, um diese Forderung in die Tat umzusetzen.