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Gesundheit

Ohne Impfung keine Schule: Italiens Grundschulen machen Ernst

Warum das wichtig ist
Nachdem in Italien die Masern massenweise ausgebrochen sind, wurde eine groß angelegte Gesundheits-Kampagne auf den Weg gebracht, um die Krankheit wieder einzudämmen. Infektionskrankheiten wie Masern können bekämpft werden, indem genügend Menschen innerhalb einer Bevölkerung dagegen geimpft sind. 

Grundschüler in Italien haben zur Zeit ganz besondere Hausaufgaben auf: Und zwar heißt es Ärmel hochkrempeln und sich impfen lassen.

Laut dem britischen Sender BBC werden nach dem neuen sogenannten Lorenzin-Gesetz Schüler unter sechs Jahren, die ohne Nachweis einer Impfung zur Schule kommen, umgehend wieder nach Hause geschickt. Schüler im Alter zwischen sechs und 16 Jahren, die keine entsprechenden Impfbescheinigung vorlegen können, erhalten eine Geldstrafe (bzw. ihre Eltern) in Höhe von knapp 500 Euro.

Das neue Gesetz gehört zu den jüngsten Ergebnissen einer Gesundheits-Kampagne, die das Land zur Eindämmung des Masernausbruchs ins Rollen gebracht hat. Letztes Jahr November zwang der Ausbruch die Regierung dazu, den Ausnahmezustand auszurufen. Zwischen Februar 2017 und Januar 2018 wurden in Italien mehr als 5.000 Fälle von Masern gemeldet. Und auch wenn die Krankheitsfälle gegen Ende des vergangenen Jahres leicht zurückgingen, haben sie sich im Januar dieses Jahres im Vergleich zum Vormonat wieder mehr als verdoppelt.

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Das neue Gesetz zielt darauf ab, die Zahl der geimpften Kinder signifikant steigen zu lassen.

"In der Regel funktioniert ein Gesetz ohne Mahnverfahren nicht - man muss es wirklich vollstrecken, um Wirkung zu erzielen", sagt Daniel Salmon, Direktor des Instituts für Impfstoffsicherheit an der Johns Hopkins School of Public Health, gegenüber Global Citizen.

Salmon bezieht sich unter anderem auf frühere Masernausbrüche in den USA, die durch ähnliche Kampagnen eingedämmt wurden. Auch hier gaben Gesetze vor, dass nicht geimpfte Kinder von der Schule ausschlossen wurden. Während in den USA in den 1960er Jahren noch mehr als 500 Menschen an Masern starben, sank die Zahl der Todesfälle 1970 auf 89 Menschen. Um die Jahrhundertwende verschwand sie aufgrund breit angelegter Gesundheits-Kampagnen fast vollständig.

In Italien sank die Zahl der Impfungen in den vergnagenen Jahren deutlich. Inzwischen sind nur noch rund 80 Prozent der Bevölkerung geimpft. So konnten zum Beispiel Masern, eine Krankheit, von der man einst annahm, dass sie in weiten Teilen der Welt ausgerottet ist, wieder an Fahrt gewinnen. Seit dem jüngsten Ausbruchs und seinen landesweiten Folgen konnte das Land die Raten inzwischen wieder auf 95 Prozent steigern – Und damit das von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Niveau erreichen.

Denn wenn eine Bevölkerung eine Impfquote von 95 Prozent aufweist, erreicht sie die so genannte "Gemeinschafts-Immunität".

"Einige Menschen können aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden oder sie sind zu jung", so Salmon. "Die Idee hinter der Gemeinschafts-Immunität besteht darin, dass bei einem hohen Anteil an geimpften oder immunen Menschen sich die Krankheit innerhalb der Bevölkerung nicht ausbreiten kann."

Die italienische Regierung hat viele Familien bereits über das neue Gesetz informiert. So haben zum Beispiel in Bologna mehr als 300 Familien einen Brief mit den neuen Anforderungen, die Anfang März dieses Jahres in Kraft traten, erhalten.

Der Masern-Ausbruch in Italien wurde vor allem durch die wachsende Zahl von Eltern verursacht, die sich aus medizinischen, religiösen oder philosophischen Gründen gegen eine Impfung ihrer Kinder entschieden haben.

Allen voran Fehlinformationen, die unter Impf-Gegnern weit verbreitet waren, waren laut BBC für den Rückgang an Impfungen verantwortlich. Doch Salmon betont, dass man Impf-Gegner in Italien und auch anderwo nicht einfach so ignoriern darf. 

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"Es gibt nicht viele Menschen, die ideologisch gegen Impfstoffe sind; aber es gibt viele Eltern, die Bedenken haben, und die Verschärfung von Gesetzen wird diese Bedenken nicht beseitigen", so Salmon. "Wir müssen den Eltern zuhören, ihre Sorgen verstehen und befriedigende Antworten geben."

"Wenn ein Elternteil in eine Praxis kommt und sagt 'Ich habe im Internet gelesen, dass Formaldehyd in Impfstoffen enthalten ist und das macht mir Angst', dann braucht der Arzt Training, Geduld und Einfühlvermögen, um darauf eine befriedigende Antwort geben zu können", fügt Salmon hinzu. "Ärzte sind auch für Eltern glaubwürdige Quellen, aber Ärzte sind oft nicht mit den Mitteln und dem Training ausgestattet, um solche Gespräche zu führen."

Anstatt Eltern zu verurteilen, die Bedenken haben oder falsch informiert sind, rät Salmon, dass Länder bessere Arbeit leisten müssen indem sie zum Beispiel in Aufklärungskampagnen investieren und Ärzte darin schulen, auf solche Situationen entsprechend zu reagieren. 

"Gesundheitsämter und Eltern teilen den Wunsch, Kinder zu schützen – und wir sollten auf diesem Wunsch aufbauen", so Salmon.