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Courtesy of Wellbeing Foundation Africa
OpinionArmut beenden

Warum ich begann, mich für sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen in Nigeria (und darüber hinaus) einzusetzen


Von Ihrer Exzellenz Toyin Saraki, Gründerin und Präsidentin der Wellbeing Foundation Africa.

In der traditionellen afrikanischen Folklore gibt es ein Sprichwort: "Jeder Tanz beginnt mit einem Klatschen." Beobachte uns einfach und du wirst feststellen, dass dieses Sprichwort tatsächlich wahr ist. Wir klatschen mindestens einmal, um unseren Rhythmus zu finden und den Ton anzugeben, bevor wir anfangen in einen Tanz einzutauchen, uns im Takt wiegen und herumwirbeln.

Ein anderes afrikanisches Sprichwort besagt: "Man kann nicht mit einer Hand klatschen." Deshalb habe ich begonnen, mit beiden Händen zu klatschen, um mich für Frauen, Mädchen und Kinder auf der ganzen Welt einzusetzen.

Die Wurzeln meiner weltweiten Arbeit liegen im Nachhinein betrachtet im Kinderzimmer. Damals erwartete ich Zwillinge. Doch tragischerweise überlebte nur ein Kind die Schwangerschaft, ich kehrte mit meiner neugeborenen Tochter nach Hause zurück. Im Kinderzimmer stellte ich nach, was ich auf der Intensivstation für Neugeborene gesehen hatte und ließ Wasserleitungen installieren. So hatte sie im Kinderzimmer ein Handwaschbecken. 

“Ich wusste, dass mein Kind zwei saubere Hände brauchen würde”

Im Jahr 2003 wurde ich als junge Frau zur First Lady in den nord-zentral-nigerianischen Bundesstaat Kwara berufen. Mein Mann war dort zum Gouverneur gewählt worden. Ich nahm mir Zeit, um die Menschen, ihre Bedürfnisse und die Grundversorgung der drei Millionen Einwohner*innen von Kwara kennenzulernen. Ich besuchte verfallene Krankenhäuser und Schulen, die seit beinahe 30 Jahren nicht mehr renoviert worden waren. Wann immer ich Händeschütteln oder ein Baby halten und mir zuvor die Hände waschen wollte, gab es kein Wasser. So kam es in derartigen Situationen immer wieder zu Verzögerungen von zehn Minuten und mehr. Denn die Menschen mussten mir zuerst eine Schale Wasser aus einem Brunnen, Bohrloch oder Tank holen. 

Her Excellency Toyin Saraki - WASHImage: Courtesy of Wellbeing Foundation Africa

Immer wieder erlebte ich, dass es an Orten mit kritischer Versorgung nicht möglich war, sich die Hände zu waschen. Im April 2018 besuchte ich meine “Wellbeing Foundation Africa's MamaCare Midwives Antenatal and Postnatal Session” in einem Primary Health Care Centre in Abuja, der Hauptstadt von Nigeria. Ich war dort, um Mütter zu ermutigen, ihre Säuglinge während der Weltimpfungswoche mit einer Schluckimpfungen vor Polio zu schützen. Als ich darum bat, mir die Hände zu waschen, musste auch dort erst ein Eimer Wasser geholt werden. 

Noch am selben Abend beschäftigte ich mich genauer mit der Situation. Dabei fand ich heraus, dass lediglich fünf Prozent aller Gesundheitseinrichtungen in Nigeria über eine kombinierte Versorgung mit Wasser, Sanitäreinrichtungen und Hygiene (WASH) verfügen. Jedes Jahr leiden 17 Millionen Frauen in den ärmsten Ländern weltweit unter dem Mangel von WASH während sie gebären. 

“Wir versuchen noch immer, mit einer Hand zu klatschen”

Inzwischen wissen wir alle, mehr denn je, wie wichtig zwei saubere Hände sind – das ist vielleicht die einzige gute Nachricht im Zusammenhang mit der Coronaviruspandemie. Das Händewaschen, für das sich die WASH-Gemeinschaft so lange eingesetzt hat, ist aus dem ungehörten Raum herausgetreten und hat sich zu einem donnernden Beifall für die globale Gesundheit entwickelt.  

Her Excellency Toyin Saraki - Handwashing EventImage: Courtesy of Wellbeing Foundation Africa

Denn COVID-19 hat das Händewaschen zu einer täglichen Notwendigkeit werden lassen und so die Dringlichkeit von Investitionen in eine sichere und würdige Gesundheitsversorgung noch einmal verstärkt. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass sich WASH- und Gesundheitsorganisationen untrennbar zusammenschließen und schnell Gelder sammeln. 

Ich sehe diese Notwendigkeit in meinem Land. Trotz der langsamen Ausbreitung von COVID-19 auf dem gesamten afrikanischen Kontinent, könnte Nigeria mit am schlimmsten getroffen werden. Wir haben schwache Gesundheitssysteme, die laut Mediziner*innen und Vertreter*innen des öffentlichen Gesundheitswesens bereits bis zur Belastungsgrenze ausgereizt werden. 

Wichtige Programme wie etwa die "Clean Nigeria"-Kampagne von WaterAid für Privathaushalte und Krankenhäuser und die globale "Teach Clean"-Kampagne der London School of Hygiene & Tropical Medicine zur Infektionsprävention und -kontrolle sowie zur Vorbeugung von Sepsis bei Müttern und Neugeborenen erhalten nun den nötigen Auftrieb.

Unsere Gesundheits- und Krankenpfleger*innen und Hebammen sind beharrlich. Bei ihrer täglichen Arbeit für "WASH for Wellbeing", unterrichten sie über 8.000 junge schwangere und stillende Mütter und ihre medizinischen Kolleg*innen  in Hunderten von Gesundheitseinrichtungen. Sie sind für mich die wahren Kämpfer*innen für WASH. Noch zu oft zeigen Fotos, die sie mir schicken, einen Wassertank in der Ferne oder einen Eimer Wasser auf einem Tisch. 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 2020 zum “Internationalen Jahr der Pflegenden und Hebammen” ausgerufen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir sicherstellen, dass Gesundheitspersonal überall Zugang zu WASH hat. Denn ihre Hände arbeiten überall auf der Welt und das unermüdlich. Sorgen wir dafür, dass sie das sicher machen können. 


Über die Autorin: 

Toyin Saraki ist die Gründerin und Präsidentin der Wellbeing Foundation Africa (WBFA). Seit zwei Jahrzehnten setzt sich die Nigerianerin für die Gesundheit von Müttern, Neugeborenen und Kindern, gegen die geschlechtsspezifische Diskriminierung und Gewalt, für die Verbesserung der Bildung, für sozioökonomisches Empowerment und für arme Gemeinden in Afrika ein.