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Hunger & Ernährungssicherheit

Die 10 hungrigsten Länder der Welt

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Genau in diesem Augenblick leiden gerade weltweit mehr als 795 Millionen Menschen an Hunger. Und mit 'Hunger' meine ich nicht „Könnte vor dem Mittagessen noch einen Snack vertragen“ oder „Ich hatte noch kein Frühstück“, sondern echten, nagenden, ständigen Hunger.

Das Welternährungsprogramm schätzt, dass von diesen 795 Millionen Menschen 98 % in Entwicklungsländern leben, also in genau den Ländern, die den Großteil der weltweiten Lebensmittelbestände erzeugen. Wie kann das sein?

Wagen wir einen Blick auf die 10 hungrigsten Länder und mit welchen Hürden diese sich konfrontiert sehen, um ihren Hunger zu bekämpfen:

1.Burundi

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73,4 % der Gesamtbevölkerung gilt als unterernährt.

Burundi ist ein sogenannter Binnenstaat - das bedeutet, dass das Land gänzlich von anderen Ländern umschlossen wird und keinen direkten Zugang zum offenen Meer hat. In Burundis Fall wird es von den Ländern Ruanda, der Demokratischen Republik Kongo und Tansania umschlossen. Im Vergleich zu Staaten mit Zugang zu Seewegen erfährt Burundi daher durchschnittlich 6 % weniger Wirtschaftswachstum, vor allem aufgrund der Transportkosten für Import- und Exportgüter.

Über die Hälfte der 9,85 Millionen Einwohner in Burundi führt ein Leben unter der Armutsgrenze und geschätzte 35 % der Bevölkerung ist arbeitslos.

Burundis Hauptproblem liegt nicht darin, dass es keine Nahrungsmittel erzeugen kann, sondern dass es aufgrund von Überbevölkerung, Bodenerosion, Klimawandel, hoher Lebensmittelpreise und einem andauernden Bürgerkrieg mehr Güter importieren muss als es exportieren kann. Aufgrund dieser Faktoren, sowie der wachsenden Zahl an einströmenden Flüchtlingen die selbst keine Nahrungsmittel erzeugen können, ist Burundis Bedarfsdeckungswirtschaft allein in den letzten Jahren um 25 % geschrumpft.

Mit Blick auf das derzeitige wirtschaftliche und politische Klima in Burundi wird klar, dass Armut allein nicht immer der Grund für Hunger ist, sondern dass viele externe Faktoren zur drastischen Situation beitragen können.

2. Eritrea

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65,4 % der Gesamtbevölkerung wird als unterernährt eingestuft.

Eritrea, das geografisch betrachtet am Horn von Afrika liegt, hat zwar in den letzten Jahren ein deutliches Wirtschaftswachstum erlebt, doch leider sind die Auswirkungen daraus noch nicht bis zu den Bürgern oder der Lebensmittelversorgungskette durchgesickert.

Im Jahr 2004 beschäftigte die Landwirtschaft des Landes fast 80 Prozent der Gesamtbevölkerung, steuerte aber nur 12,4 Prozent zum  Bruttoinlandsprodukts (BIP) bei. Der Agrarsektor in Eritrea hat sich zwar durch den Einsatz moderner Landwirtschaftsmaschinen und Anbaumethoden verbessert, wird aber immer noch durch einen Mangel an Finanzdienstleistungen und Investitionen beeinträchtigt.

Ein weiteres großes Problem vor dem Eritrea steht und welches in Folge des Krieges gegen Äthiopien entstand, ist die Tatsache, dass fast ein Viertel des fruchtbarsten Bodens im Land vollkommen brach liegt. Als Ursache hierfür kommen zwar viele Probleme in Frage, hauptsächlich ist jedoch die Vertreibung von fast einer Million Eritreer während des eritreisch-äthiopischen Krieges zwischen 1998 – 2000 schuld. So fehlen dem Land bis heute nicht nur ausgebildete Fachkräfte für die Landwirtschaft, sondern die weit verstreuten Landminen haben die Flächen für jede denkbare Nutzung ruiniert. 

3. Komoren

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70 % der Gesamtbevölkerung ist laut Schätzungen unterernährt.

Die Komoren ist eine Inselgruppe bestehend aus drei kleinen Inseln vor der Küste Mosambiks, auf welcher etwa 800.000 Einwohner leben. In etwa die Hälfte dieser Menschen führt ein Leben unterhalb der Armutsgrenze.

Die Gründe für eine derart weit verbreitete Armut und Unterernährung sind vielfältig. Eines der größten Probleme ist, dass zwar die Zahl an jungen Menschen die in die Landwirtschaft streben rapide zunimmt, allerdings deren niedriges Bildungsniveau keine Wechselwirkung zwischen Innovationen und Wirtschaftswachstum zulässt.

Es ist daher enorm wichtig, dass die Komoren weiterhin Unterstützung aus dem Ausland erhalten, um richtungsweisende Infrastrukturen für Bildung und Wirtschaft entwickeln zu können, um so in der Lage zu sein, das Ausmaß an Armut und Unterernährung zu reduzieren.

4. Osttimor

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38 % der Bevölkerung in Osttimor ist unterernährt.

Der kleine Inselstaat Osttimor liegt zwischen Indonesien und Australien und wird von etwa einer Million Einwohnern bevölkert.

Der Staat leidet bis heute unter den Auswirkungen des Jahrzehnte-währenden Kampfes gegen die indonesische Besetzung, bei dem die Infrastruktur des Landes schwer zerstört wurde. Die Entwicklung der Privatwirtschaft kommt bedingt durch den Mangel an Arbeitskräften nur schleppend voran, die Infrastruktur ist schlecht, das Rechtssystem lückenhaft und das behördliche Umfeld ineffizient.

Aus diesen Gründen leidet fast die Hälfte der Bevölkerung an Unterernährung.,
Und als sei die für die Bevölkerung nicht schon dramatisch genug, gelingt Osttimor regelmäßig zur traurigen Berühmtheit für seine 'extreme Hungerzeit' zwischen November und März, wenn alle Lebensmittelvorräte aufgebraucht und neue Erträge noch nicht geerntet sind. 

5. Sudan 

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Etwa 25 % der Bevölkerung im Sudan ist unterernährt und der Hunger wächst.

Hunger ist weit verbreitet im Sudan, da das Land gleich unter mehreren Problemen leidet. So wurde die sudanesische Bevölkerung im Laufe seiner Geschichte fast ständig von ethnischen und internen Konflikten, einschließlich zweier Bürgerkriege und dem Krieg in der Region Darfur, heimgesucht..

Ein weiterer Grund für das Leiden im Sudan sind die dort vorherrschenden extremen Klimaverhältnisse, die den Anbau von Nahrungsmitteln nahezu unmöglich machen.

6. Tschad

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33,4 % der Gesamtbevölkerung im Tschad ist unterernährt.

Das Ausmaß an Armut im Tschad hat im Laufe seiner 50-jährigen Unabhängigkeitsgeschichte durch unzählige Konflikte immer weiter zugenommen. Die Spannungen zwischen den ethnischen Gruppen im Norden und Süden des Landes haben zudem die politische und wirtschaftliche Instabilität weiter verschärft. Tschads Lage als Binnenstaat sowie das Wüstenklima im Norden verhindern eine wirtschaftliche Entwicklung. Insbesondere die Sahelzone (Zentral- und Ost-Tschad) ist von einer chronischen Lebensmittelknappheit betroffen. Hinzu kommt, dass der Tschad den Auswirkungen von Krisen in den Nachbarstaaten Sudan und aus der Zentralafrikanische Republik ausgesetzt ist. Schätzungen gehen davon aus, dass es im Tschad 330.000 Flüchtlinge gibt, was wiederum zusätzlichen Druck auf die knappen Ressourcen und die bereits äußerst bedürftige einheimische Bevölkerung ausübt.

Der Tschad hängt in starkem Maße von externer Unterstützung hinsichtlich seiner Ernährungssicherung ab, insbesondere die Sahelzone. Der Getreideanbau ist von unregelmäßigen Regenfällen, zyklischen Dürren, Heuschreckenplagen und ineffizienten Anbaumethoden stark betroffen.
Einer Dürre aus dem Jahr 2011, die zu einer landesweiten Unterversorgung von 30 Prozent an Getreide führte, folgte im Jahr 2012 eine schwere Nahrungsmittel- und Ernährungskrise.

7. Republik Jemen

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Unterernährt: 32,4 % der Gesamtbevölkerung

Der Jemen erlebte in den letzten 10 Jahren einen extrem negativen Wandel hinsichtlich seiner Ernährungssicherung. Gründe hierfür sind Vertreibungen in großem Ausmaß, zivile Konflikte, politische Instabilität, hohe Lebensmittelpreise, endemische Armut und Zuströme von Flüchtlingen und Migranten. Im Jahr 2013 strebte das Welternährungsprogramm (WFP) danach, fast fünf Millionen Menschen in 16 Bezirken mit Lebensmittelhilfen zu unterstützen und die Selbstbehauptungskraft der Gemeinden zu stärken. Ebenfalls in 2013 führte das WFP eine aktualisierte Studie zur Überwachung der Ernährungssicherung (Updated Food Security Monitoring Survey) durch und stellte fest, dass 43 Prozent der Gesamtbevölkerung im Jemen (was in etwa 10,5 Millionen Menschen sind) von Nahrungsmittelunsicherheit betroffen ist. Von dieser Nahrungsmittelunsicherheit waren 6 Millionen Menschen mäßig und 4,5 Millionen schwer betroffen, d. h., dass sie benötigte Nahrungsmittel weder kaufen noch selbst erzeugen konnten.

Die Unterernährungsrate bei Kindern im Jemen zählt zu den höchsten der Welt, wobei vor allem fast die Hälfte der jemenitischen Kinder unter fünf Jahren besonders stark betroffen ist. Das entspricht zwei Millionen Kinder mit Wachstumsstörungen und eine Million akut unterernährte Kinder.

8. Äthiopien

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In Äthiopien sind alarmierende 40,2 % der Bevölkerung unterernährt.

Im Jahr 2011 führte eine Dürre am Horn von Afrika dazu, dass 4,5 Millionen Menschen des Landes auf Nahrungsmittelsoforthilfe angewiesen waren. Vor allem die Gebiete der Nomadenhirten im Süden und Südosten Äthiopiens waren besonders stark von der Dürre betroffen. Zeitgleich stiegen durch einen Versorgungsengpass an den Getreidemärkten die Lebensmittelpreise so stark an, dass es zu einer hohen Nahrungsmittelunsicherheit unter der von Armut betroffenen Bevölkerung kam. Bis Anfang 2012 stabilisierte sich die Gesamtsituation der Ernährungssicherung dank dem Beginn der Meher-Ernte nach den Regenfällen von Juni bis September –  was zu einer besseren Versorgung des Marktes und nachhaltiger, humanitärer Hilfe führte. Und auch wenn die Anzahl der Neuankömmlinge in den Flüchtlingslagern seit dem Höhepunkt der Krise am Horn von Afrika stark abnimmt, nimmt Äthiopien weiterhin Flüchtlinge aus Somalia, Sudan und dem Süd-Sudan auf.

Im September 2012 veröffentlichte die US Regierung zusammen mit Partnern für Humanitäre Hilfe ein 'Humanitarian Requirements Document', welches davon aus ging, dass im Jahr 2012 von August bis Dezember etwa 3,76 Millionen Menschen auf Lebensmittelsoforthilfen angewiesen waren. Der erforderliche Nettobetrag für Nahrungsmittelsoforthilfen und weiterer Hilfsgüter belief sich auf 189.433.303 US-Dollar.

2011 belegte Äthiopien laut dem UNDP-Index für menschliche Entwicklung (Human Development Index) den 174. von weltweit 187 Plätzen, und gehört damit weiterhin zu den am schwächsten entwickelten Ländern der Welt.

9. Madagaskar

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33,4 % der Gesamtbevölkerung in Madagaskar ist unterernährt.

Das Land ist Naturkatastrophen wie Zyklonen, Überflutungen und Dürren ausgesetzt. 2013 erlebte die Insel ihre bisher größte Heuschreckenplage, welche die landwirtschaftliche Produktion enorm erschwerte und die Ernährungssicherung bedrohte.

Die zunehmende Fragilität des Ökosystems aufgrund von Abholzung und mangelhafter Bodenbewirtschaftung gehört zu den Hauptursachen, warum Madagaskar immer stärker anfällig für Versorgungsengpässe und damit verbundener Nahrungsmittelunsicherheit ist. Vor allem die Abholzung ist zu einem Hauptproblem geworden: bereits 85 Prozent des Regenwalds sind aufgrund der Verwendung von Holz und Holzkohle zum Kochen und landwirtschaftlicher Brandrodungen verloren gegangen.

Unter der Nahrungsmittelunsicherheit leiden etwa 28 Prozent aller ländlichen Haushalte in Madagaskar, wovon 2,7 Prozent schwer und fast 25 Prozent mittelschwer betroffen sind. 2013 waren insgesamt etwa vier Millionen Menschen von Hunger bedroht. Und die Ernährungssicherung von weiteren 9,6 Millionen Menschen steht auf dem Spiel, wenn die Lebensmittelpreise während der ertragsarmen Saison steigen, da Getreide zwar angebaut ist, aber noch nicht geerntet werden kann. Hinzu kommt die Wirbelsturmsaison, die von November bis März andauert.

10.Sambia

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47,4 % der Gesamtbevölkerung gilt als unterernährt.

Das Land sich sich unzähligen Herausforderungen gegenüber stehen, einschließlich hoher Raten für Unterernährung, Armut, Nahrungsmittelunsicherheit, HIV und AIDS sowie Malaria. Obwohl Sambia die Rate extremer Armut von 58% (1991) auf 42,7% (2010) senken konnte, ist die extreme Armut in ländlichen Gebieten (57% ) im Vergleich zu städtischen Gebieten (13%) weiterhin signifikant höher. Sambias Herausforderung in punkto Ernährungssicherung liegt in dem Bestreben, einen grundlegenden Wandel der Landwirtschaft zur eigenen Bedarfsdeckung zu schaffen - was allerdings durch eine stark regenabhängige Landwirtschaft und fehlende Marktanreize erschwert wird.

Folglich stellt der Zugang zu Lebensmitteln ein Problem für viele Einwohner dar. Laut dem 'Zambia Vulnerability Assessment Committee' stieg die Anzahl der Menschen, die von Nahrungsmittelunsicherheit bedroht sind, von 63.000 im Jahr 2012 auf etwa 209.000 Menschen im Jahr 2013. Dies ist auf eine schlechte Ernten, hervorgerufen durch schlechten Wetterbedingungen in einigen Landesteilen, zurückzuführen.
In dem Bericht wurde ebenfalls ein Wert für „globaler Hunger“ für Länder errechnet, in dem der Prozentsatz der unterernährten Bevölkerung, die Anzahl an Kindern unter fünf Jahren mit Untergewicht und der Prozentsatz an  Kindern die vor ihrem fünften Lebensjahr sterben zusammen betrachtet wurde.