Der Bürgerkrieg im Sudan, mittlerweile in seinem vierten Jahr, hat sich zur weltweit größten Vertreibungskrise und zu einer der schwersten Bildungskrisen entwickelt.

Jeden Tag treffen Tausende Menschen im Sudan die schwere Entscheidung, aus ihrer Heimat zu fliehen. Dadurch ist die Zahl der Vertriebenen auf deutlich über 15 Millionen gestiegen. Laut einem UN-Bericht vom August 2026 gehen mehr als 8 Millionen Kinder im schulpflichtigen Alter nicht zur Schule. Viele Kinder, die fliehen müssen, werden von ihren Familien getrennt und kommen verängstigt und hungrig an.

Neben dem Krieg und der umfassenderen humanitären Krise ist Bildung zu einer eigenen Notlage geworden.

In Darfur im Westen des Landes haben der anhaltende Konflikt und seine zunehmenden Folgen dazu geführt, dass fast drei Viertel der Schulen beschädigt, zerstört oder nicht mehr nutzbar sind.

Der Sudan, nicht zu verwechseln mit dem Südsudan, hat seit seiner Unabhängigkeit 1956 jahrzehntelange Konflikte erlebt, darunter zwei langwierige Bürgerkriege, die Abspaltung des Südsudan im Jahr 2011 und den 2003 begonnenen Darfur-Konflikt. Der aktuelle Krieg brach am 15. April 2023 aus, als Kämpfe zwischen den sudanesischen Streitkräften und den paramilitärischen Rapid Support Forces begannen. Seitdem hat er sich zur weltweit größten Vertreibungskrise für Kinder entwickelt.

Viele Menschen aus dem Sudan sind über die Landesgrenzen geflohen. Die Nachbarländer Tschad und Ägypten haben die meisten von ihnen aufgenommen, obwohl beide Länder selbst mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben und sudanesische Geflüchtete teilweise festnehmen oder abschieben. Das Welternährungsprogramm schätzt, dass der Tschad inzwischen mehr als 1,3 Millionen sudanesische Geflüchtete beherbergt – gemessen an der Bevölkerung mehr als jedes andere Land Afrikas. In Ägypten leben rund 1,4 Millionen Geflüchtete.

Auch der Südsudan, Äthiopien und die Zentralafrikanische Republik haben im Rahmen einer umfassenderen regionalen Reaktion Menschen aus dem Sudan aufgenommen, die durch den Krieg vertrieben wurden.

Für sudanesische Flüchtlingskinder und Kinder in Aufnahmegemeinschaften kann Bildung Schutz vor Ausbeutung und den Folgen des Konflikts bieten

Ein Mädchen arbeitet im Klassenraum der Salalab Eastern Basic & Primary School in Port Sudan, nach der Flucht aus Sinnar. Mit ECW & UNICEF bekam sie Schulmaterial u. neue Uniform, damit sie weiterlernen kann.
Image: © UNICEF/Ahmed Mohamdeen Elfatih

Laut dem Sudan-Programm von ECW sind vertriebene Kinder und Kinder, die nicht zur Schule gehen, einem erhöhten Risiko von Kinderehen, frühen Schwangerschaften, Ausbeutung, Missbrauch und Rekrutierung durch bewaffnete Gruppen ausgesetzt. Je länger Kinder nicht zur Schule gehen, desto größer werden diese Risiken. Allein in Darfur sind laut UNICEF weiterhin 81 % der Schulen geschlossen, 70 % der Kinder besuchen keinen Unterricht und fast 6 % der Schulgebäude werden als Unterkünfte genutzt.

Der geregelte Schulalltag kann auch nach der Flucht einer Familie weit mehr bieten als Bildung. Oft ist er die einzige verbliebene Routine, bietet Aufsicht durch Erwachsene und ein funktionierendes Unterstützungssystem. Im Flüchtlingslager Ouré-Cassoni im abgelegenen Nordosten des Tschad leben mehr als 117.000 Geflüchtete dicht gedrängt, während täglich weitere Menschen ankommen. Lebensmittel sind knapp, und pro Person stehen täglich nur zwei Liter Wasser zur Verfügung. Selbst hier, wo Familien angesichts der Traumata des Krieges jeden Tag darum kämpfen, ihre Grundbedürfnisse zu decken, bleibt die Wiedereröffnung von Schulen eine Priorität – als Schutzmaßnahme ebenso wie als Bildungsmaßnahme.

In Al Geneina im Sudan hielten Lehrkräfte und Eltern den Unterricht in beschädigten Klassenräumen und unter Bäumen aufrecht, nachdem der Konflikt die örtlichen Schulen verwüstet hatte. Mit Unterstützung von ECW arbeitete der Norwegian Refugee Council mit den Communitys zusammen, um Klassenräume zu reparieren und beschleunigte Lernprogramme für Kinder anzubieten, die Lernstoff verpasst hatten. Nach zehn Monaten Unterricht legten im März 2025 mehr als 2.000 Schüler*innen Übergangsprüfungen ab – ein Schritt auf dem Weg in die nächste Bildungsstufe und zurück in den regulären Schulunterricht, sobald die Schulen wieder öffnen.

Auch Mädchen profitieren von Schule weit über den Unterricht hinaus. Oft erhalten sie dort direkte Unterstützung für ihre Menstruationsgesundheit, etwa durch „Dignity Kits“ – Rucksäcke oder Eimer mit wichtigen Produkten, die ihnen einen würdevollen Umgang mit ihrer Menstruation ermöglichen. Ergänzend dazu lernen Mädchen in Programmen, wie sie sich vor Risiken wie weiblicher Genitalverstümmelung, Kinderehen und geschlechtsspezifischer Gewalt schützen können.

In der Flüchtlingssiedlung Kiryandongo in Uganda schult eine von ECW finanzierte Initiative unter Leitung von Legal Action Worldwide und SIHA sudanesische geflüchtete Mädchen, die nicht zur Schule gehen, in Menschenrechten, Advocacy und psychosozialer Unterstützung. Sie werden darauf vorbereitet, sich in ihren Communitys gegen geschlechtsspezifische Gewalt und für die Bildung von Mädchen einzusetzen. Was im August 2025 als Pilotprojekt mit 25 Mädchen begann, ist inzwischen auf 175 Teilnehmerinnen angewachsen. Viele von ihnen entscheiden sich anschließend für eine weiterführende Ausbildung.

ECW verstärkt seine Unterstützung für sudanesische Schüler*innen inmitten der globalen Finanzierungskrise

ECW ist seit 2021 im Sudan tätig. Noch im selben Jahr wurde eine Nothilfe-Förderung aufgelegt, und im Januar 2022 startete gemeinsam mit Save the Children und UNICEF das erste mehrjährige Programm mit Schwerpunkt auf Communitys in South Kordofan und West Darfur. Vor Ort haben der von den UN unterstützte Fonds und seine Partner Klassenräume wiederaufgebaut, Lehrkräfte eingestellt und Schüler*innen zurück in den Unterricht gebracht.

Die regionale Hilfe von ECW begann bereits vor der aktuellen Finanzierungskrise. Sie unterstützt sudanesische Flüchtlingskinder und Aufnahmegemeinschaften im Tschad, in Ägypten, Äthiopien, im Südsudan, in der Zentralafrikanischen Republik, in Libyen und Uganda – ein früher Versuch, das sudanesische Bildungssystem zu stabilisieren, während sich der Krieg über die Grenzen hinaus ausbreitete.

Kinder spielen Fußball am UNICEF-unterstützten Makana-Treffpunkt in El Gox, Kosti (White Nile).
Image: © UNICEF/UNI502747/Mohamdeen

Als die USA 2025 Tausende USAID-Verträge weltweit zunächst einfroren und anschließend kündigten – darunter wichtige Bildungsförderung für Organisationen, die im Sudan tätig sind –, sprang ECW ein. Bis dahin waren die USA der mit Abstand größte humanitäre Geber für den Sudan und hatten seit 2024 fast 44 % der gesamten humanitären Finanzierung für das Land bereitgestellt. Die Kürzungen zwangen UN-Organisationen, internationale gemeinnützige Organisationen und lokale Nothilfegruppen dazu, lebensrettende Programme einzustellen oder zurückzufahren – darunter auch Programme für Bildung und Kinderschutz. Im August 2026 kündigte ECW 22 Mio. USD an Nothilfe an, um 200.000 Kindern in West Darfur, South Kordofan und Gedaref die Rückkehr zum Lernen zu ermöglichen.

Der Konflikt geht weiter – und Kinder im Sudan brauchen weiterhin dringend Unterstützung für ihre Bildung

Mehr als die Hälfte der Lehrkräfte im Sudan hat seit Beginn des Krieges kein Gehalt erhalten, dennoch arbeiten viele weiter. Schulen wurden angegriffen und militärisch genutzt, und mehr als 8 Millionen Kinder – fast die Hälfte aller Kinder im schulpflichtigen Alter im Land – haben rund 484 Tage keinen Klassenraum betreten. Damit gehört die Schließung von Schulen im Sudan zu den längsten weltweit.

Humanitäre Verantwortliche warnen, dass der Sudan ohne eine erhebliche Aufstockung der Finanzierung Gefahr läuft, zum zweiten Mal eine Generation an den Krieg zu verlieren – eine Warnung, die bereits vor Jahrzehnten ausgesprochen wurde.

Ob Krieg oder nicht: Jedes Kind im Sudan und auf der ganzen Welt hat ein Recht auf Bildung. Inmitten des Chaos bietet Schule etwas, das nichts anderes ersetzen kann: Routine, Kontakt zu vertrauten Erwachsenen und die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln. Der Schulbesuch verhindert außerdem, dass eine vorübergehende Unterbrechung zu jahrelangem Lernverlust wird – ein Risiko, das mit jedem weiteren Monat geschlossener Klassenräume wächst. Kinder im Sudan finden bereits Wege, trotz des Krieges weiterzulernen.

Global Citizens können Regierungen dazu auffordern, Schulen für Kinder in Krisensituationen zu finanzieren und dafür zu sorgen, dass ECW und seine Partner über die nötigen Mittel verfügen, damit Kinder trotz Konflikten, Vertreibung und Katastrophen weiterlernen können. Werde noch heute über die Global-Citizen-App oder unsere Website aktiv.


Anmerkung der Redaktion: Diese Berichterstattung ist Teil der durch Fördermittel finanzierten Inhalte von Global Citizen.

Editorial

Armut beenden

Der Krieg im Sudan hält Millionen Kinder von der Schule fern. So lernen sie trotzdem weiter.

Ein Beitrag von Camille May