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Citizenship

Eine Israelin und ein Afghane pfeifen auf Ländergrenzen, um ein Baby zu retten

Christiaan Triebert

Dank Facebook erhielt ein in Pakistan geborenes Baby, das mit mehreren Herzfehlern zur Welt kam, nun eine lebensrettende Operation in Israel. Mit Hilfe des sozialen Netzwerks fanden ein Lehrer aus Afghanistan und eine pensionierte Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes in Israel nun zueinander, um das Leben des kleinen Jungen zu retten.

Der kleine Yehia kam letztes Jahr in Peshawar in Pakistan auf die Welt. Seine Eltern stammen gebürtig aus Afghanistan. Seit seiner Geburt litt Yehia an zwei Löchern in seiner Herzscheidewand und zwei seiner Arterien waren vertauscht. Seine Eltern hatten bereits all ihre Ersparnisse für die Behandlungskosten ausgegeben - umgerechnet ca. 175 Euro. Die Kosten für eine lebensrettende Operation von über 6.000 Euro konnten sich Yehias Eltern allerdings einfach nicht leisten. Fast hätten sie die Hoffnung aufgegeben.

Doch dann besuchte die junge Familie im April ihre Heimatstadt Jalalabad in Afghanistan. Dort suchten sie Hilfe bei ihrem Verwandten Farhad Zaheer. Zaheer erinnert sich noch gut an das Gespräch und sagte damals zu den beiden: „Ich kenne viele Leute und ich werde sie alle kontaktieren, um Hilfe für Yehia zu finden.”

Gesagt - getan. Auf verschiedenen sozialen Netzwerken wandte Zaheer sich an seine Freunde und Bekannte. Eine von ihnen war Anna Mussman. Anna und Zaheer hatten sich beide noch nie persönlich getroffen. Doch Zaheer hatte Anna 2012 zu seiner Freundesliste hinzugefügt, nachdem er gemeinsam mit ihr an einem Projekt gearbeitet hatte.


Er schickte Anna ein Bild von Yehia mit der Nachricht: „Dieser Junge hier ist mein kleiner Cousin. Seit seiner Geburt leidet er an einem schweren Herzfehler. Wenn Sie irgendetwas für ihn tun könnten, wären wir Ihnen sehr dankbar.”

Das rührte Anna. Sie selbst ist Tochter von Holocaust-Überlebenden und wurde nach dem Krieg in einem Lager in Deutschland geboren. Anna besitzt sowohl die amerikanische als auch die israelische Staatsbürgerschaft. Nachdem sie Zaheers Nachricht laß, setzte sie sich gleich mit Simon Fisher, dem Direktor von „Save a Child’s Heart” in Verbindung. Die Organisation unterstützt Kinder in Entwicklungsländer, in dem sie notwendige Operationen spendet.

Gäbe es Facebook nicht, hätten Farhad Zaheer, Anna Mussman und letztendlich Simon Fisher wohl nicht zusammen gefunden. Denn Afghanistan und Israel pflegen keine diplomatischen Beziehungen miteinander. Doch mit Hilfe des sozialen Netzwerks taten sich Menschen jenseits ihrer Nationalität zusammen, um Yehia und seinen Eltern die Reise nach Holon in Israel zu ermöglichen.
In einem Krankenhaus in Holon konnte dann die lebenswichtige, acht-stündige Operation stattfinden. Menschen, die weder den kleinen Jungen noch die Eltern kannten, kontaktierten verschiedene Botschaften und kümmerten sich um Kosten, Einreise und Dolmetscher.

Aus Angst vor feindlichen Reaktionen wollten Yehias Eltern ihren Nachnamen nicht preisgeben - schließlich hatten sie Hilfe aus Israel angenommen, was viele nicht gutheißen würden. Daher ist Yehia auch das erste afghanische Kind überhaupt, das durch „Save a Child’s Heart” Hilfe bekommen hat, obwohl es die Organisation schon seit über 20 Jahren gibt und bereits mehr als 4.000 Kindern das Leben gerettet hat. Eines davon ist jetzt das Leben von Yehia.

Mittlerweile ist Yehia 14 Monate alt und er erholt sich langsam aber sicher. Seine Eltern sind überglücklich. Und Yehias Geschichte zeigt einmal mehr, dass wahre Nächstenliebe nicht vor Landesgrenzen halt macht.