Am Wochenende machte ein Bild auf sich aufmerksam das den Geist der olympischen Spiele nicht besser hätte wiederspiegeln können.

Die südkoreanische Turnerin Lee Eun Ju und die nordkoreanische Turnerin Hong Un Jong machten ein Selfie zusammen, lächelten gemeinsam in die Kamera und tauschten freundliche Worte aus.

Ein Moment, der in seiner Einfachheit nicht schöner und in seiner Bedeutung nicht ausdrucksstärker hätte sein können. Und daher auch nicht unbemerkt blieb: 



Warum so viel Wind um ein Selfie gemacht wird?

Nord- und Südkorea befinden sich seit über 60 Jahren offiziell im Krieg. Und die beiden Völker teilen sich zwar eine lange gemeinsame Vergangenheit und eine gemeinsame Sprache, doch nachdem die Spannungen zwischen Nord- und Südkorea Ende der 40iger Jahre immer größer wurden und im Koreakrieg gipfelten, verhärteten sich die Fronten auf beiden Seiten. Und zwar so stark, dass seit Jahrzehnten Süd- und Nordkoreaner nicht mehr miteinander kommunizieren bzw. kommunizieren dürfen.

In den wenigen Situationen, in denen Nord- und Südkoreaner in den vergangenen Jahrzehnten aufeinander trafen, haben diese sich daher entweder eisern angeschwiegen (vor allem von nordkoreanischer Seite ist der Kontakt strikt verboten und wird bei Verstoß hart bestraft) oder aber gegenseitig angefeindet. 

So auch in der Vergangenheit während der olympischen Spiele: nordkoreanische Athleten weigerten sich mehr als einmal, sich den südkoreanischen Athleten zu nähern, geschweige denn mit ihnen zu sprechen. Von sportlicher Kameradschaft konnte hier definitiv nicht die Rede sein.

Dieses Selfie allerdings spricht eine ganz andere Sprache. 

Zwei junge Menschen, die keine feindlichen Berührungsängste haben, die freundliche Worte füreinander finden und gemeinsam lächelnd ein Foto machen. Ein Bild, das die Welt schon lange nicht mehr (überhaupt je?) zwischen diesen beiden Ländern gesehen hat. Und das viele daher als Zeichen der Hoffnung sehen. Hoffnung darauf, dass vielleicht eine junge Generation es besser macht als ihre Vorgänger und den Weg zueinander findet. 

Und letztendlich stehen die olympischen Spiele genau für diesen Gedanken. Dass neben dem sportlichen Wettkampf vor allem die Idee zählt, dass Athleten aus aller Welt sich über Kriege, Krisen und Nationen hinwegsetzen und nur der Mensch mit seiner sportlichen Leistung im Mittelpunkt steht. Menschen im Sport vereint quasi. Wenn doch immer und überall Olympia sein könnte. 

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Nord- und Südkoreanische Turnerinnen schießen Selfie - der olympische Gedanke lebt!

Ein Beitrag von Joe McCarthy