DOUBLE CLICK TO ADD CONTENT HERE

Wenn dein Frühstück sprechen könnte, würde es dir wahrscheinlich von seiner langen Reise auf deinen Tisch erzählen.

Jeder Bissen – vom fluffigen Rührei bis zur Milch in deinem Kaffee – hat mithilfe von Landwirt*innen einen weiten Weg zurückgelegt, bevor er auf deinem Teller landete. Die Lebensmittel mussten angebaut oder erzeugt, geerntet, transportiert, verarbeitet, gelagert, verpackt und schließlich verkauft werden, damit du deinen täglichen Nährstoffbedarf decken kannst.

Doch was, wenn wir dir sagen würden, dass sie es beinahe nicht bis zu dir geschafft hätten? Oder dass du für denselben Preis fast nur halb so viel Milch erhalten hättest? Was hypothetisch klingt, ist Realität. Dysmus Kisilu, Gewinner des Waislitz Grand Prize 2024, will das in Kenia und schließlich in ganz Afrika ändern.

Kisilu erklärt es so: „Ein Großteil dessen, was du konsumierst, landet schon auf dem Weg zu deinem Tisch im Müll – fast die Hälfte, vielleicht 45 bis 50 %. Stell dir vor, wir könnten diesen Anteil auf weniger als 10 % senken. Dann hättest du mehr Auswahl und deine Lebensmittel wären günstiger.“

Der wichtigste Teil auf dem Weg deiner Lebensmittel zu dir ist die sogenannte Kühlkettenlagerung nach der Ernte. Dort können Lebensmittel aufbewahrt werden und frisch bleiben, bis sie verarbeitet oder verkauft werden. Viele Kleinbäuer*innen in Subsahara-Afrika haben jedoch keinen Zugang zu solchen Lagern, können sie sich nicht leisten oder verfügen nicht über den nötigen Strom. Dadurch verderben die Lebensmittel, für deren Erzeugung sie hart gearbeitet haben, und werden verschwendet.

Waislitz Global Citizen Award Grand Prize-Gewinner Dysmus Kisilu vor Ort für Solar Freeze.
Image: Supplied by Dysmus Kisilu

Aus diesem Grund und aus dem persönlichen Wunsch heraus, das Einkommen von Kleinbäuer*innen zu sichern und zu steigern, gründete der kenianische Sozialunternehmer Solar Freeze – das Unternehmen, für das er später den Waislitz Grand Prize Award erhielt.

„Am einfachsten lässt sich unsere Arbeit so beschreiben: Wir helfen Kleinbäuer*innen, besonders in ländlichen Gebieten, die Lebensmittel frisch zu halten, die später auf deinem Tisch landen. Denn die meisten von ihnen leben in entlegenen Gegenden ohne Strom oder gute Straßen“, erklärte Kisilu gegenüber Global Citizen.

Solar Freeze bekämpft Lebensmittelverschwendung nach der Ernte auf umweltfreundliche Weise mit solarbetriebenen Kühllösungen für Kleinbäuer*innen. Das Unternehmen ermöglicht ihnen Zugang zu einem innovativen mobilen Kühlraum namens Solar Freeze, in dem sie ihre Erzeugnisse lagern können. Für kleinere Erntemengen können Landwirt*innen über die App des Unternehmens die nächstgelegene Solar-Freeze-Lösung finden und sich den Lagerraum mit anderen Landwirt*innen teilen. Das Unternehmen bietet außerdem Kühltransporte an und unterstützt den Vertrieb.

Das klingt nach einer großen Aufgabe – und das ist es auch. Doch nach seinem Erfolg bei den Waislitz Awards will Kisilu die Initiative weiter ausbauen.

„Derzeit sind wir nur in Kenia tätig und versorgen drei große Regionen“, erklärte er. „Unsere größten Kundengruppen kommen aus der Fischerei sowie der Milch- und Obstwirtschaft. Wir haben also das Gefühl, gerade erst an der Oberfläche gekratzt zu haben.“

Image: Supplied by Dysmus Kisilu, 2024 Waislitz Global Citizen Award Grand Prize Winner.

Er fuhr fort: „Wir unterstützen 300.000 Kleinbäuer*innen und können in den nächsten fünf Jahren eine Million erreichen. Unser Ziel ist es, unser Angebot innerhalb Kenias auszuweiten. Deshalb suchen wir nach Partnerschaften mit landwirtschaftlichen Genossenschaften. Wenn wir zudem enger mit Kommunalverwaltungen in ländlichen Gebieten zusammenarbeiten und unsere Technologie dorthin bringen können, können wir Landwirt*innen zeigen, dass sich erneuerbare Energien sowohl finanziell als auch ökologisch lohnen.“

Dass Solar Freeze Hunderttausende Landwirt*innen in ganz Kenia unterstützt, ist bereits beeindruckend. Doch eine Kleinbäuerin ist der größte Fan des Unternehmens.

„Ich bin in einer ländlichen Gegend Kenias aufgewachsen, und meine Großmutter ist eine ältere Kleinbäuerin“, erklärte Kisilu. „Inzwischen ist sie meine größte Fürsprecherin.“

Er fügte hinzu: „Ich hatte die Chance, viele Technologien für erneuerbare Energien einzusetzen, insbesondere solarbetriebene Kühllager und Bewässerungssysteme – auch für sie. Zu sehen, wie sehr das ihr Leben und das der Menschen in der Landwirtschaft in unserer Nachbarschaft verändert hat, hat mich tief geprägt.“

Kisilus Großmutter ist nicht die einzige Frau in seinem Leben, die maßgeblich zu seinem Erfolg beigetragen hat. Der Sozialunternehmer erzählte uns, dass er nach dem Gewinn des Waislitz Grand Prize zuerst seine Frau anrief, die ebenfalls im Bereich Sozialunternehmen tätig ist.

„Sie war total begeistert. Als ich mich bewarb, war sie diejenige, die mich dazu gedrängt hat ... Ich dachte, das ist eine große Auszeichnung und meine Chancen sind verschwindend gering. Dann rief sie mich an und sagte: ‚Du verpasst 100 % der Chancen, die du nicht nutzt.‘ Also habe ich mich beworben, und es lief wirklich gut.“

Das Solar Freeze-Team gibt Kakuma-Jugendlichen ein Skill-Training.
Image: Supplied by Dysmus Kisilu

Der Waislitz Grand Prize zeichnet Menschen aus, die mit innovativen Ideen und systemischem Denken Außergewöhnliches leisten, um ihre Gemeinschaft zu stärken. Kisilu tut dies nicht nur mit Solar Freeze, sondern auch mit der Initiative „Each One, Teach One“, deren Idee von einem seiner Teammitglieder stammt.

Die Initiative vermittelt jungen Frauen zwischen 18 und 29 Jahren die nötigen Fähigkeiten, um im Bereich erneuerbare Energien ein Einkommen zu erzielen und künftig Führungsrollen in den Bereichen erneuerbare Energien und smarte Landwirtschaft zu übernehmen. Fachleute aus dem Solar-Freeze-Netzwerk zeigen ihnen, wie sie solarbetriebene Geräte bedienen, warten und reparieren. Zudem erhalten sie Wissen über Anpassungsmaßnahmen in der Landwirtschaft, um Menschen vor Ort bei Problemen mit den Kühllagern von Solar Freeze oder anderen Anlagen für erneuerbare Energien in der Landwirtschaft zu unterstützen.

„Wir sind sehr stolz auf diese Arbeit, denn wir kooperieren mit Hochschulen wie der Strathmore University und der Technical University of Kenya. So erhalten die Frauen von den Hochschulen anerkannte Zertifikate und erwerben zugleich praktische Fähigkeiten, die sie in der Branche für erneuerbare Energien einsetzen können – einer der am schnellsten wachsenden Branchen“, sagte Kisilu.

Er fügte hinzu: „Seit unserem Start haben insgesamt 2.000 Frauen teilgenommen. In den nächsten fünf bis zehn Jahren wollen wir diese Zahl verdoppeln oder verdreifachen.“

Kisilu – Absolvent der University of California, Davis, und ehemaliger MIT D-Lab Scale-Ups Fellow – ist nicht nur stolz auf die Frauen, die das Weiterbildungsprogramm durchlaufen haben, sondern hat auch von ihnen gelernt.

„Ich habe sie gefragt: ‚Warum möchtet ihr euch mit erneuerbaren Energien beschäftigen?‘ Ich erwartete große Antworten wie: ‚Ich möchte etwas über den Klimawandel und den Zugang zu erneuerbarer Energie lernen.‘ Doch die meisten sagten: ‚Solange du jung bist, kannst du so viele Fähigkeiten wie möglich erwerben‘“, erzählte Kisilu.

„Eine von ihnen sagte sogar: ‚Solange du grün bist, wächst du noch.‘ Das ließ mich innehalten. Ich fragte mich: ‚Bin ich noch grün? Wachse ich noch in dem, was ich tue? Bin ich noch neugierig? Bin ich noch bereit, Neues zu lernen?‘ Denn eines habe ich über das Leben gelernt: Man sollte immer offen für neue Chancen bleiben, seine Fähigkeiten erweitern und sich mit neuen Branchen beschäftigen. Genau daran wächst man.“

Als Kisilu über den Waislitz Award sprach, platzte er beinahe vor Stolz. Er freute sich darauf, die Neuigkeit mit den Menschen aus der Landwirtschaft, mit denen das Unternehmen zusammenarbeitet, und seinem 31-köpfigen Team zu teilen, das Solar Freeze am Laufen hält.

Er sagte: „Ich bin unglaublich stolz auf ihre Arbeit und auch auf die Initiativen, die sie intern entwickelt haben. Programme wie ‚Each One, Teach One‘ wurden von Teammitgliedern ins Leben gerufen, die überlegten, wie wir mehr technische Fachkräfte gewinnen können. Manchmal entstehen Innovationen im Team, wenn Menschen Verantwortung übernehmen und die Organisation mitgestalten wollen. Ich freue mich darauf zu sehen, was sie künftig erreichen werden, denn das ist erst der Anfang, und es kommt noch so viel mehr.“

Da stellt sich die Frage: Was genau meint Kisilu mit dem, was noch kommt? Er möchte nicht nur die Zahl der Teilnehmenden und die Kapazitäten der Initiative „Each One, Teach One“ ausbauen. Mit Solar Freeze will er in den nächsten fünf Jahren außerdem eine Million Menschen in der Landwirtschaft in Subsahara-Afrika unterstützen. Dafür möchte er das Team in den Bereichen Technik, Vertrieb und Forschung weiter vergrößern.

Der Gründer möchte außerdem sicherstellen, dass alle Menschen über Grundwissen zur Funktionsweise erneuerbarer Energien verfügen. So kann der Sektor weiter wachsen und Menschen in den Regionen, die dieses Wissen am dringendsten brauchen, können häufiger voneinander lernen.

Angesichts von Energiearmut und Klimakrise werden erneuerbare Energien auf dem gesamten afrikanischen Kontinent immer dringender gebraucht. Gleichzeitig bedrohen klimabedingte Naturkatastrophen weiterhin die Ernten hart arbeitender Kleinbäuer*innen. Initiativen wie Solar Freeze sind deshalb heute wichtiger denn je.

Global Citizen Asks

Armut beenden

Was ist Solar Freeze? Die Waislitz-prämierte Initiative, die Ernten von Kleinbäuer*innen rettet

Ein Beitrag von Khanyi Mlaba