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Citizenship

Diese App errechnet, wie viel Sklavenarbeit hinter deinem Lebensstil steckt

Flickr: ILO in Asia and the Pacific

Ökologischer Fußabdruck – schon mal gehört? Jeder von uns hat einen. Er sagt aus, wie viel Fläche und natürliche Ressourcen auf der Erde benötigt werden, um den eigenen derzeitigen Lebensstil zu ermöglichen. Den kann man online ausrechnen lassen und er sagt viel über das eigene umweltbewusste Verhalten aus. 

Diese App hier geht allerdings noch einen Schritt weiter. Sie entschlüsselt, was vielen von uns gar nicht klar ist: Wie viele Sklaven müssen für jeden von uns arbeiten, damit wir unseren derzeitigen Lebensstil so erhalten können, wie er ist? 

Klingt absurd? Ist es aber nicht. Bei weitem nicht. 

Die App nennt sich Slavery Footprint und führt den Nutzer durch verschiedene Kategorien, angefangen mit der Frage nach der Wohnsituation bis hin zu den Lebensmitteln (sogar Gewürzen), die man isst und trinkt. Die Informationen werden dann addiert um auszurechnen, wie viele "Sklaven" dafür gearbeitet haben.

Die Daten sind natürlich keine exakte Berechnung. Stattdessen vermittelt die App auf anschauliche und enthüllende Weise ein Gefühl dafür, wie verschiedene Konsumgewohnheiten mit dem Weltmarkt, in dem Sklavenarbeit nun mal leider keine Seltenheit ist, verknüpft sind.

Wir machen den Test

Die App fragt als erstes, in welchem Teil der Erde man lebt und ob man ein eigenes Haus besitzt oder ob man zur Miete wohnt. Hier lässt das Programm einen schon wissen, dass in Indiens Teppichindustrie in Uttar Pradesh über 200.000 Kinder arbeiten, um Teppiche für Autos und Hauseinrichtungen herzustellen.

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Danach will die App wissen, was man denn so tagtäglich isst. Schritt für Schritt wird man durch verschiedene Auflistungen geleitet - Gewürze, Fleisch, Tee und Kaffee. Stammen die Produkte aus nachhaltigem Anbau und fairem Handel – oder nicht?

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Als nächstes gibt man Auskunft über seine Pflegeprodukte im Badezimmer. Auch hier verstecken sich Tatsachen, denen man sich so vielleicht gar nicht bewusst war. Wenn es zum Beispiel um Glitzer im Make-up geht, dann scheint es nach genauerem hinsehen nicht mehr so funkelnd und glitzernd. Denn was benötigt wird, um den Glitzereffekt im Make-up herzustellen, ist ein Silikat namens Mica. Und Mica wird unter anderem von Tausenden von Kindern in Indien in Minen abgebaut. 

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So kommt man seinem “Slaverei-Fußabdruck” immer näher. In Frage 7 soll man Auskunft darüber geben, wieviel Schmuck man besitzt. Irgendwelche Diamanten, Edelsteine, Gold, Silber oder Platin zu Hause? Häufig werden diese seltenen Steine und Minerale in Entwicklungländern abgebaut, wo die Arbeitsbedingungen zum Teil die gefährlichsten der Welt sind.

Die beiden Kategorien fallen für Mädchen und Frauen vielleicht etwas negativer aus. Die nächste Frage hat es aber für jeden Nutzer in sich: die Elektronikabteilung. Fünf Stufen lassen sich auswählen: Gehört man eher zu den Technikfeinden oder absoluten Technikfreaks?!

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Weiter geht's in die Sportwarenabteilung. Für die Herstellung eines Fußballs müssen Arbeiter in China teilweise bis zu 21 Stunden am Stück arbeiten.

Und bei Sportwarenartikeln ist es noch nicht zu Ende. Als nächstes stehen unsere Klamotten zur Debatte. In Uzbekistan werden 1,4 Millionen Kinder dazu gezwungen, auf Baumwollfeldern zu arbeiten. Zum Vergleich: In New York City gibt es weniger (Schul-)kinder als in Uzbekistan auf dem Feld arbeiten. 

Die letzte Frage der App geht dann ans Eingemachte: Wie oft hast du schon für Sex bezahlt? Eine wichtige Frage – denn traurigerweise ist Zwangsprostitution auf der ganzen Welt weit verbreitet. 

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Mindestens 20,9 Millionen Erwachsene und Kinder werden in die Zwangsprostitution, die Zwangsarbeit oder in den Sklavenhandel verkauft.

Sklavenarbeit existiert auf der ganzen Welt. Die Herstellung mancher Produkte beutet dabei häufig benachteiligte Gemeinden und Kommunen aus, Kinder und Erwachsene laufen gleichermaßen Gefahr, ausgenutzt zu werden.

Es ist daher um so wichtiger, diese Produkte zu kennen und die Hintergründe der Herstellug aufzudecken, damit Sklavenarbeit endlich und für immer ein Ende findet. Zu oft werden Verbraucher im Dunkeln gelassen und erfahren nicht, was hinter den Kulissen – bei der Produktherstellung – passiert. Das Wissen über diese Machenschaften ist der erste Schritt, um dagegen anzugehen.

Und was kann man jetzt sofort tun? Zum Beispiel wäre es schon ein toller Anfang, weniger Shrimps und Garnelen zu essen. Wenn jeder Einzelne für einen ganzen Tag auf Shrimps bzw. Garnelen verzichten könnte, müssten Arbeiter in der Shrimp- und Garnelenindustrie in Südostasien keine 20 Stunden am Tag arbeiten und dabei 40 Pfund Shrimps und Garnelen für einen winzigen Hungerlohn schälen.

Nur sehr wenige Menschen und ihre Lebensstile sind nicht auf irgendeine Art und Weise mit Sklavenarbeit verbunden. Jeder kann es sich selbst einmal auf der Webseite vorrechnen lassen.

Welche Produkte gekauft und konsumiert werden hat große Auswirkungen auf die Welt. Jeder kann von uns kann sich dieser Tatsache ganz bewusst stellen und sich fragen daher, was man selbst unternehmen kann, um diesen Zyklus nicht weiter zu unterstützen. Denn es liegt an uns, den Teufelskreis zu brechen.  


Anmerkung: die Organisation 'Slavery Footprint' ist eine eigenständige Organisation und nicht mit Global Citizen verbunden. Alle Äußerungen und Schlussfolgerungen über Unternehmen und deren Aktivitäten stammen ausdrücklich von 'Slavery Footprint' und repräsentieren weder die Meinung von Global Citizen noch von unseren Partnern.