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Gesundheit

Was macht man nach 12 Monaten Partyverbot? Richtig. Sierra Leona feiert! Und zwar mit gutem Grund!

Hussein Kefel / Wikimedia Commons

Wieso fallen sie coolsten, größten, besten Partys eigentlich immer genau in die Zeit, in der man gerade diese Hausarbeit zu Ende schreiben muss, diese These fertig stellen muss - oder wenn gerade erst beschlossen hat, mal ein bisschen kürzer zu treten und zu Hause zu bleiben, weil man den eigenen Geldbeutel die letzten Wochen stark ausgereizt hat. Geht das nur mir so?

Allerdings hab ich jetzt gelernt: es noch eine ganze Ecke dramatischer. Man stelle sich vor, eine Regierung würde ein Partyverbot aussprechen, und zwar gleich für das ganze Land, und für ein ganzes Jahr!! Jawohl, ganze lange 12 Monate. Und nicht nur dass, man darf sich auch nicht mit Freunden einfach so draußen treffen. SEHR optimistische (und aus meiner Sicht leicht verrückte) Menschen könnten jetzt sagen: großartig, dann steck ich all die Zeit endlich mal ins lernen und werd' Klassenbester.
Nope. Schule ist auch für ganze 9 Monate geschlossen. Es bleibt einem nichts anderes übrig als den ganzen Tag zu Hause zu hocken und auf bessere Zeiten zu warten.

Sind wir ehrlich, für uns ist das ein unvorstellbar kurioses Szenario (und das bleibt es hoffentlich auch: ein Szenario) - aber für die Menschen in Sierra Leona war es die harte Realität!
Als die Krankheit Ebola in der zweiten Jahreshälfte 2014 begann, langsam durch die westafrikanischen Länder zu ziehen, war so was wie 'normales' Leben nicht mehr möglich. Und in dem Versuch, die Pandemie unter Kontrolle zu bekommen, erließ die Regierung eine ganze Reihe an Notfall-Gesetzen, die unter anderem Sportveranstaltungen verbot, Nachtclubs und Schulen schloss und Restaurants dazu zwang, um 21 Uhr zu schließen. Es war eine drastische Antwort auf ein drastisches Problem und das Leben vieler Menschen wurde sprichwörtlich in eine Art Warteschleife geschaltet - ohne jeglichen Hinweis, wann das alles wieder besser werden könnte. 

shutdown1.jpgThese two gentlemen protested in London in September 2014. They do not appear to have been successful.
Image: David Holt / Flickr

Und so wurden über die folgenden Monate massive internationale Anstrengungen unternommen, um die Ebola-Rate so weit wie möglich einzudämmen und zu eliminieren. Und dank öffentlicher Gesundheitsschulungen, der Errichtung spezieller Kliniken und dem unermüdlichen Wirken lokaler als auch internationaler Gesundheitsmitarbeiter, begann die Zahl der Ansteckungen langsam zu sinken.
Nichtsdestotrotz: seit Mai 2014 hat Ebola 3585 Menschen in Sierra Leone das Leben gekostet.

Allerdings: während ich diese Zeilen hier schreibe, im August 2015, sind nur noch zwei Fälle von Ebola im Land registriert!

Und diesen fantastische Fortschritt nahm Sierra Leones Präsident Ernest Bai Koroma jetzt zum Anlass, den außergewöhnlichen Ausnahmezustand nach fast einem Jahr endlich zu lösen!
Und ähnlich wie ich mit 19, nachdem ich meine Hausarbeit endlich fertig geschrieben hatte, haben auch sehr, sehr viele Menschen in Freetown, der Hauptstadt Sierra Leones gewusst: es ist Zeit zu feiern.

Zum Glück waren Menschen in Sierra Leone dem Lachen und Tanzen noch nie abgeneigt, so dass es trotz 12-monatiger Abstinenz auch keinerlei Übung gebraucht, um ihre Partyfähigkeiten wieder in Gang zu bringen. Strandfußball, Nachtclubs, Beachbars und quasi aus dem nichts auftauchende Freiluftkinos, ebenso wie nicht enden wollende Restaurantbesuche...es war, als sei Sierra Leone aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Der 21-jährige Adonis Assaf aus Freetown, der Abends am Strand entlang schlenderte und den Sonnenuntergang genoss, sagte gegenüber der britischen Tageszeitung 'The Guardian': „Ich fühl mich großartig! Ich fühl mich, als sei ich das letzte Jahr in einem Käfig eingesperrt gewesen. Es ist ein großartiges Gefühl wieder draußen zu sein."
Und dieses Gefühl kommt von noch viel mehr, als nur einem Strandspaziergang. Denn nach einem langen Jahr Pause, kann Adonis endlich wieder die Schule besuchen und sein Jurastudium fortsetzen.

Auch wenn das gelöste Embargo ein großartiger Schritt vorwärts ist, so ist sich die Bevölkerung bewusst, dass die Arbeit damit noch nicht getan ist. Denn solange es auch nur einen einzigen Fall von Ebola gibt, besteht auch noch die Gefahr, dass die Krankheit sich wieder ausbreiten kann. 10 von Sierra Leones 14 Distrikten waren für die vergangenen 100 Tage ohne einen Ebola-Fall, und weitere Anstrengungen konzentrieren sich auf den Norden des Landes, um die Ansteckungsrate auf Null zu senken.

Das Leben der Menschen in Sierra Leone hat mit absoluter Sicherheit in den vergangenen Monaten einen herben Schlag erlitten, und es wird ebenfalls mit Sicherheit Jahre brauchen, bis sich das Land von diesem Trauma, von seinen Verlusten, seinem Rückschlag in Sachen Bildung und von den schieren Kosten, die der Kampf gegen Ebola mit sich gebracht haben, erholen wird. Aber dank gemeinsamer internationaler Anstrengungen in den letzten 12 Monaten, können die Menschen in Freetown wieder ihre Stadt unter freiem Himmel und mit Freunden genießen.