Jedes Jahr werden 20.000 indische Frauen und Kinder Opfer von moderner Sklaverei. Das sind mehr als 50 Frauen und Kinder jeden Tag, deren Leben zur Ware wird. Was wäre, wenn jede dieser Frauen - anstelle eines Opfers des Menschenhandels - eine Anwältin gegen den Handel mit Menschenleben werden könnte?

Genau das hat die “School for Justice“ vor, eine Schule, die ehemaligen Opfern von Menschenhandel hilft, sich auf ein Jurastudium vorzubereiten. Laut UNICEF sind weltweit mehr als 21 Millionen Menschen Opfer von Menschenhandel – die meisten von ihnen sind Frauen und Mädchen. Die “School of Justice“ ist ein bahnbrechendes Projekt, das solchen Frauen helfen soll, wieder auf die Beine zu kommen und schließlich als Anwältinnen zu arbeiten. Die Organisation arbeitet in indiens Großstädten mit lokalen Organisationen zusammen, um Mädchen aus Bordellen zu retten.

Das Programm der Initiative “Free A Girl” startete im April 2017 mit 19 Studentinnen in Indien. In diesem Jahr ist das Projekt auch in Brasilien gestartet und soll weiter ausgeweitet werden. 

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“Free A Girl“ will das öffentliche Bewusstsein für Kinderhandel schärfen sowie die Rettung und Rehabilitation ehemaliger Opfer voranbringen. Für viele Opfer von Menschenhandel ist dies eine Erfahrung, die oft für den Rest ihres Lebens bleibt und ihr weiteres Leben prägt. Wie eine unsichtbare Narbe, die den Weg in eine Ausbildung oder die Arbeitswelt oft erschwert.  

Auf der Webseite von “School for Justice“ heißt es, dass schätzungsweise 1,2 Millionen minderjährige Mädchen in Indien in Bordellen arbeiten – mehr als irgendwo sonst auf der Welt. Dennoch gab es 2015 im ganzen Land nur 55 Verurteilungen wegen Sexhandel.

Diese Straffreiheit war für  Evelien Hölsken der Antrieb, die Schule zu gründen und für mehr Gerechtigkeit zu sorgen.

„In Indien werden Menschen, die Kinderprostitution betreiben, einschließlich Menschenhändlern, Bordellbesitzern, Zuhältern und Kunden, selten bestraft“, schrieb Hölsken in einer E-Mail an Global Citizen. „Um dieser Ungerechtigkeit ein Ende zu setzen und die Täter von den Straßen zu holen, haben wir die School for Justice gegründet.“

Die Initiative sei komplett durch Spendengelder finanziert, berichtet die HuffPost. Rund 3,400 US-Dollar kostet das Programm pro Teilnehmerin und Jahr. Die Kosten decken die Kursmaterialien, Seminare sowie die Kosten für die Unterbringung.

Das Programm bereite die Mädchen und Frauen darauf vor, „eine der besten Universitäten für Rechtswissenschaften in Indien zu besuchen”, heißt es auf der Webseite von “School for Justice”.

Global Citizen setzt sich für die Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen ein, unter anderem für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Hier kannst du aktiv werden.

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Ein Beitrag von Phineas Rueckert