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Child Soldiers International
Frauenrechte

Als 10-Jährige wurde Grace im Südsudan als Kindersoldatin rekrutiert

Warum das wichtig ist
Die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen fordern ein Ende der Gewalt. Der Schutz von Kindern vor Missbrauch, Ausbeutung, Menschenhandel und sexueller Gewalt, steht dabei an erster Stelle. Kinder, die von bewaffneten Gruppen rekrutiert werden, benötigen bei ihrer Rückkehr nach Hause eine angemessene Unterstützung, um ihren Weg zurück ins Leben zu finden. Mach mit und setze dich für die Rechte von Kindern weltweit ein.

Bevor Grace* im Alter von zehn Jahren gezwungen wurde, als Kindersoldatin zu arbeiten, lebte sie mit ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwester in Yambio, einer Stadt im Südsudan.

Ihr Vater war Soldat und verließ das Haus schon, bevor der Krieg ausbrach. Grace besuchte die Schule und an den Wochenenden half sie ihrer Mutter gerollten Maniok am Straßenrand zu verkaufen. Wenn sie Zeit hatte, ging sie in die Kirche.

Eines Tages im Jahr 2015 kam ihre Mutter nach Hause und sagte, dass der Krieg nach Yambio kommen würde.

"Wir haben unsere Sachen gepackt und uns im Busch versteckt – sechs Tage lang haben wir dort verharrt", berichtete Grace, die heute 13 Jahre alt ist, der Organisation Child Soldiers International.

“Wir kehrten zurück und ich ging wieder zur Schule, aber als der Krieg erneut ausbrach, versteckten wir uns auf einem Acker, den wir in Asanza besitzen. Wir blieben dort für ein paar Monate, bevor wir wieder nach Hause zurückgingen“, fuhr sie fort.

Als der Krieg zum dritten Mal ausbrach, brachten sich Grace und ihre Familie auf einem anderen Grundstück in Sicherheit, wo ihre Mutter versuchte, mit der Landwirtschaft etwas Geld zu verdienen.

"Meine Mutter war gerade dabei auf dem Acker zu graben, als ein Mann vorbei kam und nach Wasser fragte", berichtete Grace. "Sie gab ihm Wasser, dann bat er sie um Arbeit. Also ließ ihn meine Mutter graben. Als sie kurz weg sah, gab er jemandem hinter sich ein Zeichen. Fünf Männer in Uniform und mit Gewehren kamen hinter einem Busch hervor. Sie befahlen uns, niederzuknien und erklärten, dass sie uns beibringen würden, Soldaten zu sein."

Im Alter von zehn Jahren wurde Grace zusammen mit ihrer Mutter und ihrer vierjährigen Schwester von der Rebellengruppe SSNLM (der Südsudanesische Nationale Befreiungsbewegung) entführt.

"Ich hatte nicht so große Angst, weil meine Mutter bei mir war, aber es gefiel mir nicht, wenn sie mich raus schickten, um die Dinge anderer Leuten zu stehlen“, fuhr sie fort.

Als Grace und ihre Familie im Lager ankamen, sah sie, dass auch viele andere Mädchen, von denen sie einige bereits kannte, dort waren.

"Wir wurden nach Alter aufgeteilt“, fuhr Grace fort. "Meine Mutter war in einer Gruppe und ich in einer anderen. Wir mussten unser eigenes Tukul [eine Lehmhütte mit Strohdach] bauen."

“Sie befahlen uns, Wasser zu holen und Feuerholz zu sammeln. Wenn man nicht schnell genug war, wurde man geschlagen“, sagte sie. "Meine Mutter kochte am Morgen und ging am Nachmittag zum Training. Sie brachten uns bei, wie man marschiert und wie man seine Hände und Beine bewegt."

"Ich hatte keine Waffe, aber sie befahlen mir, Leute zu schlagen, die sich weigerten, zu trainieren", fügte sie hinzu. "Sie wurden dann an Bäume gebunden und wir schlugen sie mit einen Stock. Ich war so verängstigt. Manchmal war es ein Erwachsener, aber wenn ich es nicht getan hätte, hätten sie mich umgebracht."

"Einige der Frauen hatten Ehemänner, die Frauen, die nicht verheiratet waren, mussten nachts mit den Männern schlafen", sagte Grace. "Ich war zu klein, sie [die SSNLM-Soldaten] störten nur die älteren Mädchen."

Grace und ihre Familie waren mehrere Monate lang im Lager gefangen, bis Anfang 2016 ein Friedensvertrag unterzeichnet wurde und sie schließlich in ihre Heimat zurückkehren konnten.

2017 hörte Grace eine Aufforderung von UN- und Regierungsvertretern im Radio. Sie ermutigten Kindersoldaten, die nach Hause zurückgekehrt waren, sich im Fußballstadion in Yambio Unterstützung zu holen.

Als Grace dort hinging, wurde sie von Beamten befragt. Dann wurde sie zusammen mit einigen anderen Mädchen in ein Übergangszentrum gebracht, wo sie medizinisch untersucht wurde und mit anderen Kindern spielen konnte.

Nach sechs Monaten im Zentrum, kehrte sie im Juni 2018 nach Hause zurück. Heute besuchen sowohl Grace als auch ihre jüngere Schwester wieder die Schule.

"Ich mag die Schule, sie verändert mich", sagte Grace. "Wenn ich in der Schule lerne und mit den anderen spiele, vergesse ich, was im Busch passiert ist."

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Wenn sie älter ist, möchte Grace einen Abschluss machen und einen Job bekommen, um sich und Ihrer Mutter zu helfen. “Vielleicht werde ich Ärztin”, meint sie.

Jahrelange Konflikte und der Zusammenbruch der Wirtschaft in weiten Teilen des Landes sorgen immer wieder für eine erneute Hungersnot. Seit 2013 wurden mehr als 19.000 Kindersoldaten rekrutiert, sowohl von Rebellengruppen als auch von Regierungskräften, berichtet das UN-Kinderhilfswerk (UNICEF). Die Gesamtzahl der Mädchen ist jedoch unklar. Von 934 offiziell frei gelassenen Kindern im Jahr 2018 waren schätzungsweise 30 Prozent Mädchen.

In Zusammenarbeit mit UNICEF hat Child Soldiers International, eine Organisation, die sich für Kindersoldaten weltweit einsetzt, erfahren, dass Mädchen in bestimmten Regionen – insbesondere Mädchen, die bewaffnete Gruppen selbstständig verlassen, oft keine Unterstützung bei der Wiedereingliederung erhalten, wie zum Beispiel Grace, da sie nicht als potenzielle Begünstigte bekannt sind oder betrachtet werden.

Die Rolle von Mädchen in bewaffneten Konflikten wird oft unterschätzt, so Child Soldiers International. Das liegt häufig daran, dass die Beteiligung von Mädchen an bewaffneten Konflikten als weniger direkt angesehen wird als die von Jungen. Deshalb werden Mädchen oft nicht als Bedrohung für die Gemeinschaft wahrgenommen.

Child Soldier International führte im September 2018 eine einmonatige Forschungsreise durch und befragte 51 ehemalige Kindersoldatinnen über ihre Zeit im Krieg und die Zeit danach. Sie befragen auch Gemeindemitglieder und Nichtregierungsorganisationen über ihre Erfahrungen mit Mädchen in bewaffneten Gruppen.  

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Es gibt mehrere Gründe dafür, warum Mädchen nicht die Unterstützung erhalten, die sie benötigen, um vollständig in ihre Gemeinschaft zurückzukehren.

Viele Mädchen haben nie gekämpft und mussten stattdessen häusliche Aufgaben übernehmen, kochen, putzen und Ausrüstungen tragen. Das sind Rollen, die von den örtlichen Gemeinschaften oft nicht mit bewaffneten Gruppen assoziiert werden.

Einigen der Mädchen, die von Child Soldier International befragte wurden, wurden als “Ehefrauen“ missbraucht, einige von ihnen wurden schrecklich misshandelt.

"Wenn der Befehlshaber nicht da war, zwangen die Männer die Mädchen dazu, mit ihnen zu schlafen", berichtete eine 16-Jährige, die im Februar 2018 von Oppositionskräften entführt worden war. Nach drei Monaten gelang ihr die Flucht.

Dennoch werden viele dieser Mädchen von den Gemeindemitgliedern zu Hause nicht als "Kindersoldaten" wahrgenommen und daher nicht ermutigt, Unterstützung zu suchen.

“Im Südsudan werden Kinder in diesem brutalen Konflikt am stärksten verfolgt. Die Ausbeutung durch bewaffnete Gruppen ist für Tausende Kinder eine schockierende Realität“, sagte Sandra Olsson, Programmmanagerin bei Child Soldier International. "Ihre Freilassung und Wiedereingliederung zu unterstützen, ist eine unheilvolle Aufgabe. Das feindselige Klima, das humanitäre Helfer oft ins Visier bewaffneter Gruppen rückt, macht die Arbeit leider noch schwieriger."

"Es besteht die Gefahr, dass viele Kindersoldaten, insbesondere Mädchen, nicht von den Unterstützungsprogrammen für Kinder, die aus bewaffneten Gruppen zurückkehren, profitieren", fügte sie hinzu. "Es muss noch mehr getan werden, um Gemeinden und der Zivilgesellschaft dabei zu helfen, Kindersoldatinnen zu erkennen, und die Auffassung des Begriffs ‘Kindersoldat‘ zu erweitern."

"Nur so können wir sicherstellen, dass alle Kinder angemessen und nachhaltig unterstützt werden und ihre Wiedereingliederung zu Hause verbessert wird", sagte Olsson.

* Die Namen der Beteiligten wurden geändert, um ihre Identität zu schützen.