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Young Iraqi children pose for a photo on the day their new school is opened in Taji, Iraq, March 20. Photo by Spc. Jason Young (Flickr/DVIDSHUB)
Frauenrechte

Gesetzesvorschlag im Irak: Ehe mit 9-jährigen Mädchen soll erlaubt werden

Im Alter von 9 Jahren bereiten sich die meisten Kinder auf die dritte Klasse vor.

Im Irak allerdings könnten 9-jährige Mädchen bald offiziell ein anderes Schicksal haben. Der Grund ist ein neuer Gesetzesvorschlag, der derzeit vom irakischen Parlament in Erwägung gezogen wird. Eine Gruppe von Gesetzgebern im Parlament stimmte für einen Gesetzesentwurf, der es religiösen Gerichten im gesamten Irak erlauben würde, Mädchen ab neun Jahren die Ehe schließen zu lassen – eine Veränderung, die verheerende Auswirkungen auf das Leben der Mädchen hätte. Sie würden in den meisten Fällen nicht mehr zur Schule gehen können, was ihnen verwehrt, ein Mitglieder der Wirtschaft ihres Landes.

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Derzeit ist das offizielle Heiratsalter im Irak 18, wobei Richter Ausnahmen machen können, die es Mädchen im Alter von bis zu 15 Jahren erlauben, zu heiraten. Der neue Gesetzentwurf würde diesen Prozess ändern und religiösen Gerichten erlauben, Ausnahmen für Mädchen zu machen, die erst neun Jahre alt sind ­– das Alter sei angeblich an eine Interpretationen der islamischen Religion angelehnt.

Die Frau des Propheten Mohammed sei nach einigen Interpretationen neun Jahre alt gewesen, als die geheiratet haben, sagte Suad Abu-Dayyeh, Nahost-Berater von Euronews.

Dem Gesetzentwurf stimmten 40 Abgeordneten zu. Damit er in Kraft tritt, muss er laut EuroNews allerdings vom gesamten Parlament verabschiedet werden.

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Die Übertragung der Macht von staatlichen Gerichten auf religiöse Gerichte stellt eine gefährliche Veränderung für die Iraker dar, sagte die Menschenrechtsorganisation Equality Now in einer Erklärung. „Die Organisation von persönlichen Angelegenheiten sollte in der Verantwortung der Gerichte liegen und nicht bei sunnitischen oder schiitischen Orden. Das würde mehr Brüche in der Gesellschaft und in den Gemeinschaften schaffen ", sagte Equality Now. 

Religiöse Gerichte – in erster Linie schiitisch-muslimische – könnten nach Angaben der Gruppe auch über Scheidung, Erbschaft und Adoption entscheiden.

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Es ist nicht das erste Mal, dass politischen Parteien im Irak eine solche Verschiebung vorgeschlag. Laut Reuters schlug die schiitische Partei Fadila 2014 eine ähnliche politische Änderung vor, um die schiitische Stimme zu stützen, wurde letztlich aber nicht verabschiedet.

Equality Now wies darauf hin, dass der aktuelle Gesetzesvorschlag mit den bevorstehenden landesweiten Wahlen im Mai 2018 verbunden sein könnte. Die Organisation schreibr in einer Stellungnahme, dass das Gesetz „eine enorme Verletzung der Menschenrechte dieser Mädchen ist und ihr Leben zerstören könnte." Der Irak müsse sich an internationale Gesetze halten und Kinderehen beenden, fordert die Menschenrechtsorganisation. Auch die Frauenvereinigung von Bagdad verurteilte den Gesetzentwurf, laut Equality Now.

UNICEF schätzt, dass bereits jedes fünfte Mädchen im Irak einer Kinderheirat ausgesetzt ist. Das bürgt ein größeres Risiko für gesundheitliche Komplikationen: Junge Mädchen können gesundheitliche Folgen durch Sex und Geburt haben. Außerdem verpassen sie oft die Chance auf eine Schulbildung und damit den Eintritt in die Arbeitswelt. 

Eine finale Abstimmung des Gesetzentwurfs steht noch aus.