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So geht trösten: Polizisten kochen Pasta für einsames altes Ehepaar

Als Nachbarn ein herzerweichendes Schluchzen aus einem Apartment in einer Wohnsiedlung in Rom hörten, riefen sie besorgt die Polizei. Die kam auch, um nach dem Rechten zu sehen - und der Einsatz endete in einem unglaublich charmanten Beispiel für echte Nächstenliebe und Menschlichkeit.

Am Abend des 2. August betraten vier Polizisten die Wohnung von Michele, 94 und Jole, 89, darauf eingestellt, es mit einen Familienstreit, Betrug oder aber einem Einbruch zu tun zu haben. Stattdessen trafen sie auf ein Ehepaar, das von seiner Einsamkeit übermannt wurde.

Michele und Jole bekommen sehr selten Besuch. Sie empfinden daher die Stimme aus dem Fernseher als eine angenehme Abwechslung. Regelmäßig schauen die Zwei daher die Nachrichten, auch wenn diese voller Berichte über gewalttätige Attacken, verzweifelte Flüchtlinge und brutaler Kriege sind. Was an besagtem Abend des 2. August für Michele und Jole einfach zu viel war. Übermannt von so vielen schlechten Nachrichten und der eigenen Einsamkeit, brachen die beiden in derart herzzerreißende Tränen aus, dass Nachbarn das Schluchzen hörten und die Polizei riefen.  

Noch am selben Abend reagierten die vier Einsatzkräfte Alessandro, Ernesto, Mirko und Andrea auf die Anrufe der Nachbarn und klingelten bei Michele und Jole.

Auf der Facebook Seite der italienischen Polizei konnte man später lesen: „Bei diesem Einsatz waren wir besonders gefragt. Es ging darum, zwei einsamen Menschen Trost und Nächstenliebe zu spenden."

Und das äußerte sich in einem selbstgekochten Abendessen. Höchstpersönlich zubereitet von den Polizisten. Jep, richtig gehört.


Nachdem die Beamten die Lage gecheckt und sichergestellt hatten, dass weder Einbruch oder sonstige Straftaten vorlagen, fiel ihnen auf, dass bis auf ein paar Weintrauben nichts zu Essen auf dem Tisch stand.
Kurzerhand wurde also improvisiert und ein schlichtes, aber mit Liebe selbstgemachtes Abendessen in Form von Pasta mit Käse auf den Tisch gezaubert.

In dem Facebook Post kann man einen der Polizisten sehen, der gerade Geschirr spült, während die anderen Beamten sich mit dem Paar unterhalten.
Und die Einsatzkräfte mussten dem Ehepaar immer und immer wieder versichern, dass es außerhalb ihrer Wohnung tatsächlich Menschen gibt, die sich um das Wohlergehen der Beiden sorgen.

Der Facebook Eintrag wurde in kürzester Zeit zum Internetphänomen, über 26.000 Menschen teilten den Eintrag und mehr als 74.000 Menschen reagierten mit liebevollen Worten für die Polizisten und das Ehepaar. Selbst Nachrichtenagenturen außerhalb Italiens berichteten über den Fall.

Mehr Artikel: Italiens oberster Gerichtshof entscheidet: das Stehlen von Essen zum Überleben ist keine Straftat

So schön die Geschichte auch ist, sie hat einen durchaus ironischen Beigeschmack. In einem digitalen Zeitalter, das uns ständig vorgaukelt, dass wir alle immer und überall miteinander verbunden sind, ergreift eine Geschichte über zwei vereinsamte, ältere Menschen unsere Aufmerksamkeit und erzeugt Mitleid. Doch allein von den 26.000 Shares auf Facebook wird sich an der Einsamkeit der beiden Menschen absolut nichts ändern.  

Und Michele und Jole sind kein Einzelfall. Bis zu 20% der Senioren in Deutschland fühlen sich besonders einsam. Trend steigend. Auch bei jüngeren Menschen. Denn leider kennt Einsamkeit keine Altersgrenze und kann ernsthafte, negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben.

Dabei wissen wir doch alle: nichts ist besser als eine echte Umarmung. Kein Like, kein virtueller Hug. Das gleich gilt für ein echtes Gespräch von Angesicht zu Angesicht, ein echtes Abendessen mit den Menschen, die und am Herzen liegen oder ein echtes,  aufmunterndes Lächeln, wenn wir uns nicht gut fühlen.

Und last but not least: der Einsatz in Rom erforderte keine Waffen, keine Festnahmen, keine gewaltvollen Auseinandersetzungen. Sondern etwas, was man in keiner Polizistenschule lernt: echte, aufrichtige Nächstenliebe und Mitgefühl.