Global Citizen ist eine Gemeinschaft, die aus engagierten Menschen wie dir besteht.

Menschen, die mehr über die wichtigsten Angelegenheiten dieser Welt erfahren und aktiv werden wollen. Dein Einsatz kann extremer Armut ein Ende setzen.

Flickr / Bo Eide
Entwicklungsfinanzierung & Innovation

Aus Plastikmüll Treibstoff gewinnen? Ich arbeite dran, sagt dieser Wissenschaftler

Warum das wichtig ist
Plastikmüll verunreinigt unseren gesamten Planeten, bedroht das Leben von Tieren auf dem Land und im Wasser und gefährdet die Gesundheit von Menschen. Wenn du dich dafür einsetzen willst, dass die weltweite Plastikproduktion reduziert wird, kannst du uns hier unterstützen.

Halten wir fest: Das Recycling von Plastik ist enorm wichtig. Leider aber auch oft kompliziert, weil es viele verschiedene Arten von Plastik gibt und diese unterschiedliche Eigenschaften haben. Dementsprechend müssen sie unterschiedlich aufbereitet werden.

Hinzu kommt, dass Plastik oft mit Nahrungsmittelresten verunreinigt ist und erst einmal gründlich gereinigt werden muss, bevor es recycelt werden kann.

Ein Wissenschaftler an der Swansea University in Wales, Dr. Moritz Kuehnel, will nun eine Möglichkeit gefunden haben, all diese Schwierigkeiten einfach zu umgehen.

Kuehnel hat ein Verfahren entwickelt, jeglichem Plastikmüll Wasserstoff zu entziehen und daraus Treibstoff herzustellen, berichtet der britische Nachrichtendienst BBC. Der Clue: Die Art des Plastiks und selbst Verunreinigungen sind dabei egal.

In dem Verfahren durchläuft Plastik verschiedene Schritte. Erst wird das Plastik zerschnitten und aufgeraut, um es poröser zu machen. Danach wird dem Plastik ein chemischer Katalysator hinzugefügt und das Ganze in eine alkalische Lösung gekippt. Durch eine abschließen Bestrahlung durch Sonnenlicht oder Solarlampen bilden sich aus dem Gemisch Wasserstoffbläschen. Diese Bläschen werden eingefangen und letztlich in Treibstoff umgewandelt. Die verbleibenden Plastikteile sind nun aufgeteilt und gereinigt. Sie können nun einfach in neues Plastik umgewandelt werden.

Laut Kuehnel kann jede Plastikart diesen Prozess durchlaufen. Das heißt, auch die Billionen Plastikteilchen, die zur Zeit in unseren Weltmeere schwimmen, könnten so recycelt werden.

“Die Schönheit des Prozesses liegt darin, dass er nicht besonders wählerisch ist”, so Kuehnel in einem Interview. “Alle möglichen Arten von Plastik können mit dem Verfahren verarbeitet werden. Selbst wenn Essensreste oder Fett an einer Margarinepackung klebt, wird die Reaktion nicht gestoppt, sie wird dadurch sogar besser.”

Gegenüber dem britischen Nachrichtensender BBC sagte Kuehnel, dass es zwar noch ein paar Jahre dauert, bis das Verfahren industriell genutzt werden kann, aber dass das Potential enorm groß sei.

Weltweit werden jährlich 380 Millionen Tonnen Plastik produziert. Erschreckende 75 Prozent davon werden nicht recycelt! Noch schlimmer: 13 Tonnen Müll landen jedes Jahr in den Weltmeeren - das entspricht mehr als einem Müllwagen voll Plastik pro Minute. Der Schaden für das maritime Ökosystem ist massiv.

Einige Unternehmen, wie zum Beispiel Adidas, haben damit begonnen, Plastikmüll zu sammeln und in ihre Produktionskette einzugliedern, sodass für neue Produkte nicht immer zu 100 Prozent neues Plastik hergestellt werden muss. Nach einem ähnlichen Prinzip arbeitet zum Beispiel auch das Berliner Unternehmen kultbag, das aus ausrangierte LKW-Planen und Matratzen Taschen und Rucksäcke herstellt.

Auch in puncto Meeresschutz wird zum Glück schon etwas (wenn auch nicht genug) getan: Die gemeinnützige Organisation Ocean Cleanup zum Beispiel fischt gigantische Mengen Plastik aus den Weltmeeren.

Ähnliche Geschichten 1. September 2015 Das kommt mir nicht in die Tüte - in Ruanda sind Plastiktüten verboten

Auch Kuehnels Verfahren wird hoffentlich einen Teil dazu beitragen, dass in naher Zukunft verantwortungsvoller mit Plastik umgegangen wird. Plus: Da bei seiner Methode auch noch Wasserstoff produziert wird, das 50 Prozent sauberer ist als andere Treibstoffquellen, sieht die Großindustrie vielleicht einen attraktiven Anreiz in seiner Erfindung.

Die größte Herausforderung ist und bleibt allerdings, dass noch immer ein großer Teil des Plastikmülls erst gar nicht in Recyclinganlagen landet, weil Menschen oder Unternehmen nicht angemessen mit ihrem Müll umgehen oder es schlicht keine geeigneten Aufbereitungsanlagen gibt. Hier sind wir also alle gefragt und können unseren Beitrag leisten.