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Künstler zieht über 10.000 Waffen aus dem Verkehr und rettet damit Leben

Foto via Pedro Reyes' Website.

875 Millionen. Das ist die Anzahl aller Waffen, die es 2014 auf der Welt gegeben haben soll. 875 Millionen. Und 650 Millionen davon sollen sich in den Händen normaler Bürger befunden haben - legal und illegal. Und sehr wahrscheinlich ist die Dunkelziffer noch viel höher. Es wird vermutet, dass die tatsächliche Anzahl aller Waffen weltweit mittlerweile irgendwo zwischen ein und zwei Milliarden liegt.

In manchen Ländern übersteigt die Anzahl der Waffen sogar die Einwohnerzahl. In den USA zum Beispiel gibt es heute mehr Waffen als Menschen

So kann es nicht weitergehen.

Das hat sich auch der mexikanische Künstler Pedro Reyes gedacht. Sein Heimatland gerät ebenfalls immer wieder in die Schlagzeilen aufgrund hoher Waffengewalt. Deshalb begann er vor einigen Jahren damit, verschiedene Projekte ins Leben zu rufen, um Schusswaffen aus dem Verkehr zu ziehen und ihnen ein neues Leben zu geben. Zwei dieser Projekte hießen „Palas por Pistolas“ bzw. „Imagine“.

1.527 Waffen werden zu 1.527 Schaufeln

Die Stadt Culiacán im Westen Mexikos zählt aufgrund zahlreicher Drogenkriege sowie einer sehr hohen Mordrate zu den gefährlichsten Städten der Welt. Pedro Reyes sprach mit Familien vor Ort, die ihre Angehörigen durch Waffengewalt verloren hatten. Die vielen Schicksale, von denen der Künstler hörte, schockierten ihn.

Deshalb startete Reyes zusammen mit den Organisatoren des Botanischen Gartens von Culiacán eine Kampagne, um endlich etwas gegen die Situation zu unternehmen. Unter dem Projektnamen „Palas por Pistolas“ (auf Deutsch: „Schaufeln für Pistolen“) riefen sie über Radio und Fernsehen die Bewohner der Stadt auf, ihre Waffen abzugeben und dafür einen Gutschein zu erhalten, um elektronische Haushaltswaren kaufen zu können.

Gesagt - getan. Reyes konnte insgesamt beeindruckende 1.527 Waffen für das Projektsammeln. Die Waffen wurden auf einem Militärgelände nicht weit von der Stadt mit einer Dampfwalze zertrümmert und anschließend eingeschmolzen, so dass sie niemandem mehr Schaden zufügen konnten.

Aus den eingeschmolzenen Waffen wurden dann 1.527 Schaufeln hergestellt. Ein besonderer Clou: auf den Stielen der Schaufeln konnte man die Geschichte lesen. In einem letzten Schritt wurden die Schaufeln dann an verschiedene Institutionen und Schulen im ganzen Land verschickt, die mit diesen Schaufeln über1.527 Bäume pflanzten

Was Pedro Reyes mit diesem Projekt ausdrücken wollte, ist absolut eindrucksvoll: er wollte zeigen, wie aus einem Gegenstand, der Leute tötet, ein Gegenstand werden kann, der Leben spendet.

„Imagine“: Wenn Gewehre nicht schießen, sondern Musik machen

2012 griff der mexikanische Künstler seine Idee noch einmal auf, nachdem ihn die Regierung der Stadt Juarez anrief und ihn bat, ein neues Projekt zu starten. Dieses mal wollte er die Waffen allerdings nicht in Schaufeln verwandeln, sondern in Musikinstrumente. Instrumente, die nicht töten, sondern Kreativität fördern. Die Idee zu „Imagine“ war geboren. Aus alten Pistolen, Schrotflinten, Gewehrläufen und Magazinen von Sturmgewehren entstanden so 50 verschiedene Musikinstrumente, von Violinen über Harfen bis hin zu Trommeln und E-Gitarren.

Insgesamt verarbeitete Reyes für dieses Projekt 6.700 Schusswaffen und verhalf ihnen so zu einem neuen Leben als einzigartiges Musikinstrument. Bei der Umsetzung seines Projekts erhielt Reyes Unterstützung von sechs Musikern, die später sogar auf den Instrumenten spielten. Aus der Zeit während des Projekts blieb dem Künstler und den Musikern vor allem eins im Gedächtnis: wie herausfordernd der Umbau war. Denn immer wieder wurde ihnen bewusst, dass dieses Material eigentlich dafür geschaffen wurde, Menschen zu töten.

Pedro Reyes Projekt war so erfolgreich, dass er 2013 unter dem Namen „Disarm“ noch einmal mit der mexikanischen Regierung zusammenarbeitete und dieses mal sogar ein zum Teil automatisiertes Orchester herstellte.


Durch seine Kunst hat Pedro Reyes einen Weg gefunden, tausende Waffen aus dem Verkehr zu ziehen - und hat so vielleicht auch dem ein oder anderen Menschen das Leben gerettet. Mehr noch: durch seine Kunst trägt er entscheidend dazu bei, dass die weltweite Waffengewalt nicht in Vergessenheit gerät - und er bietet darüber hinaus sogar einen anderen - besseren - Einsatz von existierenden Waffen an. Zum Beispiel als Schaufeln.

Bereits vor den US-Wahlen war Pedro Reyes mit einer neuen Ausstellung namens „Doomocracy“ in den USA unterwegs. Sie zeigt Amerika in einem Horror-Szenario, in der unter anderem jeder - einschließlich Kinder - Waffen trägt und keine Scheu zeigt, diese einzusetzen. Nachdem die Wahlen jetzt vorbei sind darf man gespannt sein, auf welche Art und Weise Pedro Reyes in Zukunft auf das Problem der Waffengewalt aufmerksam machen wird...und welche Ideen er haben wird, seinen Gedanken von einer waffenfreien Welt visuellen Ausdruck zu verleihen.