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Paris versteigert Liebesschlösser und hilft damit tausenden Flüchtlingen

Wer hat sie nicht schon mal gesehen: Vorhängeschlösser in verschiedenen Formen und Größen, die an Brücken oder anderen Geländern in der Stadt befestigt sind. Auf vielen von ihnen sind Namen und Daten eingraviert, manchmal sogar kurze Botschaften wie ‘Martin & Anne Forever’ oder ‘Ich liebe dich über alles mein Schatz’. Die Schlösser sind in den letzten Jahren zum Symbol der ewigen Liebe für Verliebte auf der ganzen Welt geworden und sind mittlerweile auch in Deutschland zu finden. Bestes Beispiel: die Hohenzollernbrücke in Köln, auf der man vor lauter Schlösser nicht mehr hinüber zur anderen Seite blicken kann.

Doch keine andere Stadt wäre besser geeignet, seine ewige Liebe zueinander symbolisch mit einem Schloss zu besiegeln, als Paris.

Das haben sich über die letzten Jahre zahlreiche Liebespaare gedacht und am Brückengeländer der Pont des Arts in der Nähe des Louvre ihre Liebesbeweise befestigt und die Schlüssel traditionsgemäß in die Seine geworfen.

So viel Liebe konnte die Brücke allerdings nicht aushalten und Teile von ihr kollabierten unter der Liebeslast. Deshalb begann die Stadt, der Brücke etwas von ihrem Gewicht zu nehmen: 2015 wurden insgesamt 93 Tonnen Liebe entfernt.

Das neue Geländer ist jetzt aus Plexiglas, damit Verliebte nicht noch einmal in Versuchung geraten und erst gar keine Schlösser an der Brücke anbringen können.

Zwei Jahre lang wusste die Stadt nicht wirklich wohin mit dem ganzen Altmetall. Dann kam ihr in diesem Jahr die Idee: wir versteigern die Liebe einfach auf einer Auktion.

Das Interesse an dieser Auktion war riesig. Laut Angaben sollen sich hunderte Touristen und Einheimische bei der Auktion gedrängelt haben. 400 weitere Interessenten haben die Versteigerung per Telefon oder über das Internet verfolgt.

Auch die Amerikanerin Francy Blackwood hat vor Jahren auf ihrer Reise ein Liebesschloss an einer Pariser Brücke befestigt und sah in der Auktion nun die Gelegenheit, „ein Stück Paris“ in ihre Heimatstadt San Francisco zu bringen.

Insgesamt wurden 150 Bündel Liebesschlösser versteigert, mal an einer Metallhalterung, mal an einem Pariser Pflasterstein befestigt. Wer mehr Liebesbeweise brauchte, konnte auch eins der 15 großen Geländerelemente zwischen 5.000 und 15.000 Euro ersteigern.

Insgesamt kamen an diesem Tag 250.000 Euro zusammen!

Die Auktionseinnahmen wandern nun nicht einfach so in die Stadtkasse, sondern werden konkret an drei verschiedene Pariser Flüchtlingsprojekte der Hilfsorganisationen Solipam, Emmaus Solidarite und der Heilsarmee gespendet.

„Ich denke, das ist eine schöne Botschaft“, sagt Bruno Julliard, Beigeordneter der Pariser Bürgermeisterin. „Das trägt zum Beweis bei, dass wir eine solidarische, großzügige und weltoffene Stadt sind.“

Nichtsdestotrotz hat die Auktion auch eine Gruppe junger rechtsextremer Männer angezogen, die in den Veranstaltungsraum platzten und „Illegale Einwanderer raus“ riefen. Dass das Geld an Flüchtlingsprojekte gespendet werden soll, lag ganz und gar nicht im Interesse der Gruppe. Doch sie hielten die Auktion nur kurz auf. Die Störenfriede konnten schnell entfernt und die Veranstaltung fortgesetzt werden.

Die Auktion ist in jedem Fall eine tolle Geste, die in Zeiten wie diesen zeigt, wie wichtig Nächstenliebe ist. Großartige Aktion, Paris!