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A Malaysian worker harvests palm fruits from a plantation in peninsular Malaysia, on March 6, 2019. Though labor issues have largely been ignored, the punishing effects of palm oil on the environment have been decried for years.
Gemunu Amarasinghe/AP
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Wie du sicherstellen kannst, dass die Palmöl-Produkte, die du kaufst, ethisch und nachhaltig sind


Warum das wichtig ist
Palmöl wird größtenteils auf unethische und nicht nachhaltige Weise angebaut. Die Vereinten Nationen fordern die Länder auf, Arbeiter*innen fair zu behandeln und die Umwelt zu schützen. Das geht einher mit ihrem Global Goal 12, nachhaltigen Konsum und nachhaltige Produktion vorzubringen. Wenn du den Kampf gegen die Umweltzerstörung und den Klimawandel unterstützen willst, kannst du hier aktiv werden.

Ima ist ein zehnjähriges Mädchen aus Indonesien. Eigentlich wollte sie Ärztin werden. Stattdessen wurde sie dazu gezwungen, von der Schule abzugehen und zusammen mit ihrer Familie bis zu zwölf Stunden am Tag auf einer Palmölplantage zu arbeiten. Das enthüllte eine aktuelle Untersuchung der Associated Press (AP)

Die pflaumengroßen Palmkerne, die Ima sammelt, werden zu Palmöl verarbeitet – dem am weitesten verbreiteten Pflanzenöl der Welt. Das Öl kann in bis zu 50 Prozent der verpackten Supermarktartikel gefunden werden, von Keksen und Brot bis hin zu Lippenstift und Seife. 

Obwohl bis zu 42 Länder weltweit Palmöl produzieren, erzeugen Malaysia und Indonesien nach Angaben der World Wildlife Foundation (WWF) mit etwa 85 Prozent den Löwenanteil des Marktes. Und warum? Wie die Untersuchung der AP aufzeigt, sind die Arbeitsgesetze und deren Durchsetzung in diesen Ländern schwach und lückenhaft: Allein in Indonesien ernten mehr als eine Million Kinder Palmkerne. Viele der Arbeiter*innen haben keinen Zugang zu fließendem Wasser, Strom, medizinischer Versorgung oder Schulen. 

Die Mehrheit des Palmöls, das von so unterschiedlichen Marken wie Nestlé, Unilever und Ferrero aufgekauft wird, wurde wahrscheinlich durch Zwangs- und Kinderarbeitet gewonnen. Das heißt nichts weniger als: deine Lieblingskekse, dein Müsli-Favorit oder deine liebste Make-up-Marke tragen eventuell direkt oder indirekt zur Verletzung der Menschenrechte bei. Hierbei werden noch nicht einmal die ökologischen Folgen durch die Palmölproduktion betrachtet. Denn laut WWF hat die Industrie aufgrund von nicht nachhaltigen Praktiken eine erhebliche Abholzung der Wälder verursacht. 

Palm-Oil-Explainer-Child-Labor.jpgEin junges Mädchen sammelt Palmölfrüchte auf einer Palmölplantage in Sumatra, Indonesien, 13. November 2017. Einige Arbeiter*innen, die die unmöglich hohen Quoten nicht erfüllen können, müssen mit Lohnkürzungen rechnen, was ganze Familien auf die Felder z
Image: Binsar Bakkara/AP

Ein junges Mädchen sammelt Palmölfrüchte auf einer Palmölplantage in Sumatra, Indonesien, 13. November 2017. Einige Arbeiter*innen, die die unmöglich hohen Quoten nicht erfüllen können, müssen mit Lohnkürzungen rechnen, was ganze Familien auf die Felder z
Image: Binsar Bakkara/AP

Zwischen 1990 und 2015 haben Palmölproduzent*innen in Indonesien Teile des Regenwaldes in der Größe des Vereinigten Königreichs zerstört. Die Industrie bedroht laut Greenpeace 193 kritisch gefährdete, bedrohte und ungeschützte Tierarten. 

Jetzt die gute Nachricht: Palmöl kann auf ethische und nachhaltige Weise produziert werden. Daher brauche die Welt sich auch nicht ganz von der Substanz verabschieden, so der WWF. Die Organisation stellt fest, dass “Palmöl 35 Prozent des weltweiten Bedarfs für Pflanzenöl auf nur 10 Prozent der Fläche deckt.” Ein Umstieg auf andere Öle würde weit mehr Land verbrauchen, zu mehr Abholzung führen und die Probleme der Zwangsarbeit möglicherweise verschärfen. 

Dennoch ist es schwierig, Palmöl zu finden, das Arbeiter*innen stärkt und die Umwelt schützt. Greenpeace weist darauf hin, dass der Roundtable for Sustainable Palm Oil (RSPO), Industrieaufsichtsbehörde und Beurkunder von Nachhaltigkeit, es versäumt hat, Palmölproduzent*innen für die Abholzung und Zwangsarbeit zur Verantwortung zu ziehen

Hier sind vier Möglichkeiten, wie du sicherstellen kannst, dass die Produkte, die du kaufst “gutes” Palmöl enthalten – und damit dazu beiträgst, dass sich nachhaltig produziertes Palmöl durchsetzt. 


1. Überprüfe die Verpackung und die Siegel

Um herauszufinden, ob Palmöl in dem Produkt enthalten ist, das du kaufst, gucke dir das Etikett an und scanne die Inhaltsstoffe. Palmöl wird in schätzungsweise 500 verschiedene Derivate umgewandelt, bis es in die Supermarktregale kommt. Diese Derivate machen laut Ethical Consumer 60 Prozent der gesamten Palmölverwendung aus.  

Es gibt insbesondere vier Wörter und Präfixe, die oft verraten, ob Palmöl enthalten ist: “palm” (offensichtlich), “stear”, “laur” und “glyc”. Darüber hinaus kannst du die praktische Liste der Orangutan Alliance mit Hunderten von obskuren Namen für Derivate hinzuziehen. 

Einige Produkte haben Siegel, die die Qualität des verwendeten Palmöls angeben. Du kannst deren Glaubwürdigkeit überprüfen, indem du online nachrecherchierst. Obwohl der RSPO für seine Untätigkeit und die Deckung der Unternehmen kritisiert wurde, hat er auch dazu beigetragen, die großen Palmölproduzent*innen zusammenzubringen und die Industrie zu einer Verbesserung ihrer Praktiken zu bewegen. 

Vor einigen Jahren wurde die Palm Oil Innovation Group (POIG) gegründet, um den RSPO bei seinen Bemühungen zu unterstützen, die Palmölproduktion zu verändern.

Die Vision von POIG ist “eine verantwortungsvolle Lieferkette, welche die Verbindung zwischen der Palmölproduktion und der Zerstörung von Wäldern und Torfmooren, der Ausbeutung von Gemeinden und Arbeiter*innen sowie dem Klimawandel unterbricht.”


2. Recherchiere gründlich

Palm-Oil-Explainer-Environmental-Impact.jpgFür Ölpalmenplantage gerodetes Land, Ostkalimantan, Indonesien. Quelle: Mokhamad Edliadi/CIFOR
Image: Mokhamad Edliadi/CIFOR

Für Ölpalmenplantage gerodetes Land, Ostkalimantan, Indonesien. Quelle: Mokhamad Edliadi/CIFOR
Image: Mokhamad Edliadi/CIFOR

Durch die globalen Lieferketten kann es möglich sein, dass die Waren und Produkte, die du täglich benutzt, auf unethische und nicht nachhaltige Weise geerntet, produziert und verschickt werden. Nahezu jeder größere Industriezweig der Welt –- von der Lebensmittelproduktion über Konsumgüter bis hin zu Kleidung – ist in einem gewissen Maß von Zwangsarbeit und Umweltzerstörung betroffen.

Durch Online-Recherche kannst du mehr über die Produkte lernen, die du kaufst. So erfährst du mehr über die Herkunft der Rohstoffe, die Arbeitsbedingungen bei der Produktion und die Umweltbelastung. 

Um das Ganze in die Praxis umzusetzen, kannst du bei Unternehmen einkaufen, die sich verpflichten, ihre Arbeiter*innen fair zu behandeln und die Umwelt zu schützen. Die umfangreiche Palmöl-Scorecard des WWF kann dich dabei unterstützen. 


3. Übe Druck auf Unternehmen aus

Im vergangenen Oktober hat der Schokoladenriese Mars – Hersteller von M&Ms und Snickers – bekanntgegeben, zu 100 Prozent Palmöl ohne Abholzung zu beziehen. Der Konzern gab an, dass er seine Palmöl-Lieferkette von mehr als 1.500 Palmölmühlen auf weniger als 100 reduziert hat, um die Aufsicht und Verantwortlichkeit zu verbessern. 

Diese Art der Veränderung ist in einem größeren Maßstab möglich, wenn Druck auf verschiedenen Ebenen ausgeübt wird. Als Reaktion auf die AP Untersuchung haben die Girl Scouts, eine Jugendorganisation für Mädchen in den USA, beispielsweise ihre Lieferant*innen dazu aufgerufen, sich an die RSPO-Standards zu halten. Frühere journalistische Untersuchungen haben auf ähnliche Weise für mehr Bewusstsein appelliert und Reformen angestoßen

Einzelpersonen und Gemeinden können diesen Druck verstärken, indem sie Marken dazu auffordern, ihre Lieferkette zu untersuchen und sich dazu verpflichten, Rechte von Arbeitnehmer*innen und die Umwelt zu schützen. Multinationale Unternehmen können extremen Druck auf ihre Lieferant*innen ausüben, um die Standards zu verbessern und auch für eine bessere Beschaffung zahlen. Indem sie sich weigern, bei diesen Unternehmen zu kaufen, setzen Verbraucher*innen eine klare Botschaft, dass die Gewinnmargen in Gefahr sind, wenn es keine Änderungen dieser menschen- und umweltunfreundlichen Geschäftspraxis gibt. 


4. Fordere Politiker auf, aktiv zu werden

Palm-Oil-Explainer-Environmental-Impact-002.jpgGesammelte Palmölfrüchte in San Martin, Peru. Quelle: Juan Carlos Huayllapuma/CIFOR
Image: Juan Carlos Huayllapuma/CIFOR

Expert*innen sind sich einig: Die Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung, die durch die Palmölindustrie ausgelöst werden, sind letztlich ein politisches Problem. Nach einer Untersuchung der Nachrichtenplattform Mongabay and Earthsight aus dem Jahr 2018 verhindert die weit verbreitete Korruption in Indonesien, dass die Palmölproduzent*innen zur Rechenschaft gezogen werden.

“In weiten Teilen des ländlichen Indonesiens ist das wertvollste Gut, dass diese korrupten Politiker zu bieten haben, das Land selbst”, schreibt Tom Johnson, Forschungsleiter bei Earthsight. “Die größte Nachfrage nach diesem Territorium ist jedoch für die Entwicklung von riesigen [Palmöl-]Plantagen.”

“Das Geld für Palmöl hat dazu geführt, dass Politiker*innen gewählt wurden, die Entscheidungen im Interesse der Industrie treffen. Sie vergrößern die Länderflächen, die an Unternehmen abgetreten wurden und versagen dann, sie zu regulieren”, führt Johnson fort. 

Ähnliche Geschichten 22. April 2020 5 Dinge, die du heute für die Umwelt tun kannst

Im Jahr 2013, so Johnson, wurde der oberste Richter des höchsten Gerichts dabei erwischt, eine Bestechung in Höhe von 250.000 US-Dollar (rund 205.000 Euro) anzunehmen, um zu Gunsten eines Bezirksleiters zu entscheiden, der mit Palmölfirmen in Verbindung gebracht wurde.

Fünf Jahre später, 2018, hat Joko Widodo, der indonesische Präsident, einen dreijährigen Stopp für neue Palmöl-Lizenzen angekündigt. Zudem werde die Regierung bestehende Lizenzen überprüfen, um die Korruption auszumerzen. Doch bis heute hat sich laut der Jakarta Post wenig geändert. 

Bestechungen, die den Regenwald zerstören, um Palmöl für multinationale Unternehmen zu produzieren, mögen normalen Bürger*innen weltweit wie ein abstraktes oder gar unlösbares Problem erscheinen. Doch jedes lokale Problem wird aufgrund von weltweiten Lieferketten auch ein globales. 

Imas Mutter hat ihr versprochen, dass sie bald wieder zur Schule gehen kann. Mit deinem Einsatz kannst du dazu beitragen, dass dieses Versprechen kein Traum bleibt. Indem du dein Bewusstsein für diese Probleme schärfst, gewählte Vertreter*innen darauf aufmerksam machst und sie zu Rechenschaft ziehst, können wir etwas verändern. Unterschreibe jetzt unsere Petition und fordere die Staats- und Regierungschefs dazu auf, den Klimawandel zu stoppen, damit in Armut lebende Menschen wie Ima nicht weiter unter den Folgen zu leiden haben.