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Frauenrechte

Gesetzentwurf will Männern 'sanftes' Schlagen von Ehefrauen in Pakistan erlauben

Fahhad Rajper

Vor ca. drei Wochen hat der Vorsitzende des pakistanischen 'Council of Islamic Ideology' einen Gesetzentwurf vorgeschlagen, der es Männern erlauben soll, Frauen 'sachte' schlagen zu dürfen. 
Das Gesetz soll Männern dabei helfen, ihre Ehefrauen besser 'unter Kontrolle' halten zu können und sie eine 'Spur Einschüchterung' fühlen zu lassen.

Der 'Council of Islamic Ideology (kurz: CII)' ist ein konstitutionelles Organ, das der Regierung in Pakistan beratend zur Seite steht - auch wenn die Gesetzesauslegungen und religiösen Ansichten des CII nicht immer mit der staatlichen Gesetzgebung übereinstimmen.

Wie auch immer - gegen diese absurde 'Empfehlung' sind Frauen in Pakistan jetzt auf die Barrikaden gegangen - zu Recht! Denn ein 'sachtes' Schlagen ist nicht nur eine groteske Wortwahl, sondern es ist und bleibt Gewalt und ist somit schlichtweg falsch. Frauen im ganzen Land haben sich zu einer Kampagne unter dem Namen #TryBeatingMeLightly zusammengeschlossen und protestieren nun heftig. 

Ins Leben gerufen von dem Fotografen Fahhad Rajper, will die Kampagne Frauen die Möglichkeit geben, ihrem Protest öffentlichen Ausdruck und eine Stimme zu verleihen. 

Ironischerweise ist die Empfehlung, dass Männer ihre Frauen 'sachte' schlagen dürfen, Teil eines größeren Gesetzentwurfes, von dem der CII behauptet, er sei da, um Frauen besser schützen zu wollen. 

Der CII führt auch 'Gründe' an, warum es Männern erlaubt sein soll, ihre Ehefrauen zu schlagen. Darunter fällt laut dem CII wenn die Ehefrau sich dem Geschlechtsverkehr verweigert, sich nicht anständig kleidet, mit Fremden spricht oder aber schlicht und ergreifend 'zu laut' spricht. 

Der Entwurf sieht außerdem vor, dass Krankenschwestern sich nicht mehr um männliche Patienten kümmern dürfen, Frauen an keinen Empfängen für Würdenträger mehr zugegen sein dürfen und dass Frauen nicht mehr in der Werbebranche arbeiten dürfen. 

Der Gesetzesvorschlag der CII ist die Reaktion auf ein staatliches Gesetz, das die Regierung im März in der Provinz Punjab verabschiedet hat und das sich gegen häusliche Gewalt richtet. Dieses Gesetz, das bisher nur verabschiedet, aber noch nicht umgesetzt wurde, soll es Frauen erleichtern, häusliche Gewalt zu melden und Frauen zudem die Möglichkeit geben, bis zur Klärung einer Tat den Täter gesetzlich von sich fern halten zu können. 

Punjabs Justizminister hat inzwischen auch auf den Vorschlag der CII reagiert und diesen mit den Worten abgelehnt, dass der 'Islam keinerlei Gewalt duldet, auch nicht gegenüber Frauen oder Kindern'.

Dies ist allerdings nicht das erste Mal, dass der CII eine Empfehlung ausgesprochen hat. Doch während den politischen und wirtschaftlichen Empfehlungen oft nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt wird und diese somit auch keinen Einfluss auf die staatliche Gesetzgebung haben, sind die Empfehlungen auf sozialem und familiärem Hintergrund basierend durchaus einflussreich, da sie von anderen religiösen Gruppen unterstützt werden.

Im Januar dieses Jahres zum Beispiel wurde ein Gesetz auf Eis gelegt, welches das heiratsfähige Alter in Pakistan von 16 auf 18 Jahren anheben sollte, weil der CII dieses Vorgehen als 'unislamisch' einstufte. Wenn es nach dem CII gehen würde, dürften Männer bereits ab 12 und Frauen ab sage und schreibe 9 Jahren legal heiraten. 

Frauen jeglichen Alters haben sich der #TryBeatingMeLightly Kampagne angeschlossen, die sich gegen den CII und ihre unterdrückenden, rückschrittlichen und lächerlichen Empfehlungen richtet. Auch Aktivisten und Führungspersönlichkeiten des Landes haben dem CII bereits eine derbe Abfuhr erteilt und die Empfehlung als 'nationale Peinlichkeit' betitelt. 

Das letzte Wort hierzu ist bestimmt noch nicht gesprochen. Doch dank Fahhad Rajper und den Frauen, die sich gegen diese Empfehlung stemmen, kann auf einen positiven Ausgang gehofft werden. Bis dahin denkt Fahhad Rajper auch nicht ans aufhören, sondern führt die #TryBeatingMeLightly Kampagne unerschrocken weiter.