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Frauenrechte

Mit 14 Jahren wurde diese Inderin Mutter, mit 21 Wrestling Champion

Neetu Sarkar Jugend verlief, wie die von leider unzähligen Mädchen in Indien: Im Alter von 13 Jahren wurde sie zum ersten Mal verheiratet. Schon kurz nach der Hochzeit wagte Neetu Sarkar in ihrer Verzweiflung den Versuch, dem Eheleben zu entkommen.

Sie machte sich auf den Weg in ihr Heimatdorf Bhiwani und kehrte zu ihren Eltern zurück. Doch sie wurde erneut verheiratet. Schon ein Jahr später wurde sie Mutter von Zwillingssöhnen. Mit einem arbeitslosen Ehemann an ihrer Seite, war es für Sarkar ein ständiger Kampf, ihre Kinder zu ernähren und in die Schule schicken zu können.

Der Sport war Sarkars große Leidenschaft. Doch schon in ihrer Jugend hielten ihre Eltern sie davon ab: "Seit meiner Kindheit war ich vom Sport fasziniert. Aber meine Familie erlaubte mir nicht, ins Stadium zu gehen", sagte sie in einem Interview mit der Hindustan Times.

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"Mit 14 Jahren wurde ich Mutter und die finanzielle Situation meiner Familie erlaubte es mir nicht, in den nächsten zwei bis drei Jahren überhaupt über Sport nachzudenken", sagte sie.

Obwohl Sarkar zu dieser Zeit noch ein Teenager war, ging sie arbeiten. Sie nahm mehrere Jobs an, um ihre Söhne zu unterstützen: Sie arbeitete als Kosmetikerin, als Bürokraft, pflügte Land und brachte sich sogar selbst das Schneidern bei.

Ein Treffen mit einem Yogalehrer brachte die glückliche Wende: Er gab ihr die Telefonnummer von Wrestling Coach Ziley Singh. Obwohl sich Sarkar immer für Sport interessiert hatte, hatte sie nie daran gedacht, damit Geld verdienen und ihre Familie so unterstützen zu können. Doch dann öffnete sich eine Tür. 

Von da an hatte Sarkar einen anstrengenden Zeitplan: Sie stand um 3 Uhr morgens auf, um rechtzeitig beim Training zu sein. Eineinhalb Stunden dauerte die Busfahrt zu ihrem Trainingplatz. Am Nachmittag fuhr sie erneut los, um ein zweites Mal zu trainieren, bevor sie sich um den Haushalt kümmerte und ihren Kindern bei den Hausaufgaben half.

Sarkar war damals erst 17 Jahre alt. Sie nahm den Sport ernst, doch es war alles andere als leicht: In ihrem Dorf wurde sie noch immer verspottet. "Die Leute rieten meinem Mann, mich nicht ringen zu lassen“, fuhr sie fort. "Aber mein Mann unterstützte mich. Er sagte: Du musst nicht einmal gewinnen. Ich will deine Medaille oder deinen Sieg nicht. Ich möchte nur, dass du dranbleibst. Ich möchte, dass du deiner Leidenschaft nachgehst.“

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Doch sie gewann Medaillen: Mit 19 Jahren bekam sie ihre erste Bronzemedaille bei den Indian National Games. Mit 21 Jahren war sie eine Wrestlerin auf internationaler Bühne und vertrat Indien bei den Junioren-Weltmeisterschaften 2017 in Brasilien.

Im selben Jahr gewann sie die Silbermedaille bei den Indian National Games in Kerala. "Als ich 2015 nach den Erfolgen bei den National Games in mein Dorf zurückkehrte, feierten mich die Gemeinde", sagte Sarkar der BBC

"Die Menschen, die früher nicht an mich geglaubt hatten, wollten plötzlich, dass ich ihre Töchter trainiere." Seitdem hat sich Sarkars Leben komplett verändert. Nun lebt sie in einer eingenen Wohnung in der Nähe zur Turnhalle, um sich die langen Fahrten zum Training zu sparen. Das bedeutet, dass sie ihre Söhne nur am Wochenende sehen kann.

Dafür kann sie sich auf die Unterstützung ihres Ehemanns verlassen. "Er hat mich aus der Hölle gezogen und mich in den Himmel gehoben. Seinetwegen kann ich ringen. Ich wohne weiter weg und wir haben keine gewöhnliche Beziehung zwischen Mann und Frau. Er hat ein großes Opfer gebracht.“

Sarkar, die mittlerweile eine Inspiration für viele Mädchen und Frauen in Indien ist, träumt nun davon, eine olympische Medaille zu gewinnen.

Indien hat weltweit die höchste Anzahl von Kinderbräuten mit schätzungsweise 47 Prozent aller Mädchen, die vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet werden. Das berichtete "Girls Not Brides", eine globale Partnerschaft von mehr als 800 verschiedenen Organisationen, die weltweit für die Abschaffung der Kinderheirat kämpfen.